Leipzig ringt weiter um Fassung, die Anteilnahme ist riesig: Einen Tag nach der mutmaßlichen Amokfahrt in der Grimmaischen Straße mit zwei Toten kommen neue Details ans Licht. Der Fahrer des Wagens wurde heute auf richterliche Anordnung in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. In der Nikolaikirche fand am späten Nachmittag eine öffentliche Andacht statt, die Innenstadt ist indes wieder freigegeben. Die LZ fasst zusammen, was am Dienstag, dem 5. Mai 2026, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.
Zwei Tote und mehrere Verletzte nach Amokfahrt
Die Fußgängerzone in der Grimmaischen Straße: Sie wurde nach Abschluss der Ermittlungsmaßnahmen vor Ort am Nachmittag wieder für die Öffentlichkeit freigegeben. Am späten gestrigen Nachmittag gegen 16:45 Uhr war hier der 33 Jahre alte Jeffrey K. mit einem VW Taigo aus Richtung Augustusplatz durch die beliebte Innenstadtmeile gerast, ehe er im Bereich unweit vom Thomaskirchhof zum Stehen kam und festgenommen wurde.
Zuvor waren mehrere Menschen von dem Auto erfasst worden, ein Mann (77) und eine Frau (63) verloren ihr Leben. Sechs Personen zwischen 21 und 84 Jahren wurden laut letztem Zwischenstand verletzt, zwei schwer.
Nach aktuellem Stand deutet laut Behördenangaben nichts auf ein politisches, terroristisches oder religiöses Tatmotiv hin: Der polizeibekannte Jeffrey K. habe nach jetzigem Stand als Einzeltäter gehandelt. Der schockierende Vorfall hatte gestern für einen beispiellosen Großeinsatz in der City gesorgt, bei dem von einem sogenannten Massenanfall von Verletzten ausgegangen wurde.
Schuldfähigkeit gilt als zweifelhaft: Verdächtiger in psychiatrischer Klinik
Wie die Leipziger Staatsanwaltschaft mitteilt, ordnete ein Ermittlungsrichter heute die Unterbringung von Jeffrey K. in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Ermittelt wird wegen zweifachen Mordes sowie versuchten Mordes in vier Fällen jeweils in Tateinheit mit schwerem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Aufgrund der Gesamtumstände gehe man davon aus, dass der Verdächtige möglichst viele Menschen habe töten und verletzen wollen. Insofern seien die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe gegeben.

Zugleich sähe man dringenden Grund zur Annahme, dass der Beschuldigte im Zustand einer zumindest erheblich verminderten Schuldfähigkeit agierte und auch im Rahmen eines künftigen Gerichtsprozesses die dauerhafte Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie angeordnet werden könnte. Aktuell sei anzunehmen, dass vom Verdächtigen weiterhin eine Gefahr im Sinne von Straftaten vergleichbarer Schwere ausgeht, heißt es.
Das wahrscheinliche Vorliegen einer Amoktat und eines psychischen Ausnahmezustands des Fahrzeuglenkers, der bis vor Kurzem in einer Fachklinik zur Behandlung war, bekräftigte Sachsens Innenministerium auf Nachfrage ausdrücklich. Die Tatmotivation läge vermutlich im sozialen Umfeld des Verdächtigen. Doch gab es Warnzeichen? Hätte die unfassbare Tat verhindert werden können? Und wie ist es um das städtische Sicherheitskonzept bestellt? Viele Fragezeichen. Vorerst gibt es keine klare Antwort.
Aufruf zu gegenseitiger Stützung und Zusammenhalt
Währenddessen ringt Leipzig um die Verarbeitung des Geschehens. Nach Angaben von OBM Burkhard Jung (68, SPD) soll von den gestern verletzten Personen keine mehr in Lebensgefahr schweben. Das Leipziger Stadtoberhaupt legte am Nachmittag gemeinsam mit Sachsens Innenminister Armin Schuster (64, CDU) sowie Ministerpräsident Michael Kretschmer (50, CDU) einen Kranz am Augustusplatz nieder – dem Start der Amokfahrt am Montagnachmittag.
Anschließend wurde bei einem öffentlichen Gottesdienst in der Nikolaikirche der Opfer gedacht. Danach hielten noch viele Menschen auf dem Kirchhof inne, lauschten mehreren Redebeiträgen, unter anderem von Irena Rudolph-Kokot von „Leipzig nimmt Platz“ sowie vom ehemaligen Thomaskirchenpfarrer Christian Wolff. Beide gaben ihrer tiefen Bestürzung Ausdruck und riefen zugleich zum gemeinschaftlichen Zusammenhalt in Leipzig auf.
Ein Aufzug bewegte sich am Abend zum Paulinum, wo bereits am Mittag ebenfalls eine öffentliche Andacht stattgefunden hatte. Menschen hielten inne, legten Blumen nieder, stellten Kerzen ab, wischten sich Tränen aus dem Gesicht. In der nahen Grimmaischen Straße hielt das Leben langsam wieder Einzug, wenn auch viele Geschäfte zunächst geschlossen blieben. Eine Art Normalität scheint zurückgekehrt – doch der gestrige Tag hat bei vielen unfassbares Leid verursacht. Trauer und Bestürzung, sie liegen wie ein Schleier über Leipzig.
Worüber die LZ heute berichtet hat:
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Was sonst noch so los war:
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