Der Berichtszeitraum der Influenzasaison 2025/2026 wurde mit dem Ende der 17. Kalenderwoche (KW) 2026 abgeschlossen. Insgesamt kamen ab der 40. KW 2025 bis einschließlich der 17. KW 2026 in Sachsen 28.550 Influenza-Erkrankungen zur Meldung. Nach der im Vergleich sehr stark ausgeprägten Influenzawelle der Saison 2024/2025, in welcher 44.432 Fälle von Influenza übermittelt wurden, waren 2025/2026 ähnlich hohe Gesamtfallzahlen wie in den Saisons 2022/2023 und 2023/2024 zu verzeichnen.

Trotz im Vergleich geringerer Fallzahlen verstarben mit Datenstand 30.04.2026 in der Saison 2025/2026 in Sachsen insgesamt 258 Patienten nachweislich an Influenza. Dies übertrifft den bisherigen Höchststand an Todesfällen (seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001) aus der Vorsaison 2024/2025, in welcher 202 Todesfälle registriert wurden.

Bei den an Influenza Verstorbenen in Sachsen in der Saison 2025/2026 handelte es sich um 126 männliche und 132 weibliche Personen. Der Altersmedian der Verstorbenen lag bei 86 Jahren und damit höher als in der Vorsaison 2024/2025, in welcher er 83 Jahre betrug. Bis auf den Todesfall eines 3-jährigen Kindes, das durch Vorerkrankungen belastet war, verstarben nur erwachsene Personen im Alter zwischen 44 und 101 Jahren an einer Influenza-Infektion.

Acht der Betroffenen waren gesichert aktuell gegen Influenza geimpft. Bei 40 an Influenza Verstorbenen lag kein Impfschutz vor, in den restlichen Fällen wurden keine Angaben zum Impfstatus übermittelt. Die gemeldete Zahl von 258 Influenza-Todesfällen, die aufgrund von Nachmeldungen durchaus noch steigen kann, stellt einen neuen traurigen Rekord in Sachsen dar. Niemals zuvor wurden so viele Todesfälle innerhalb einer Saison gemeldet.

Gesundheitsministerin Petra Köpping: „Die Influenza-Saison 2025/2026 mit der hohen Zahl gemeldeter Todesfälle unterstreicht erneut, dass die Influenza keine harmlose Erkrankung ist und man sich und damit auch Andere durch eine Impfung schützen sollte. Bedauerlicherweise zeigen Auswertungen der Sächsischen Impfdaten jedoch, dass sowohl die Durchimmunisierungsraten als auch die verabreichte Anzahl der Influenza-Impfdosen in den letzten Jahren stetig gesunken sind.

Für die sinkenden Influenza-Impfquoten können verschiedene Gründe in Betracht gezogen werden. Diese reichen von einem simplen Versäumnis der jährlichen Impfung über die Angst vor Nebenwirkungen oder gar Impfschäden, Unwissenheit sowie Fehl- und Falschinformationen bis zu einer generellen Impfskepsis. Daher weisen wir immer wieder auf die Möglichkeit hin, sich bei seiner Hausärztin, seinem Hausarzt beraten zu lassen. Natürlich werden wir auch im Herbst wieder dafür sensibilisieren, sich impfen zu lassen und somit sich und andere vor der Erkrankung zu schützen.“

Es stellt sich die Frage, aus welchen Gründen die Zahl der gemeldeten Influenza-Todesfälle in den letzten Jahren und vor allem auch in der Saison 2025/2026 so deutlich angestiegen ist. Im Rahmen von in Australien und dem Vereinigten Königreich durchgeführten Studien wurde keine erhöhte Virulenz der zirkulierenden Virustypen festgestellt.

Das heißt, der Ausprägungsgrad der Fähigkeit eines Erregers (schwere) Infektionen hervorzurufen, war nicht stärker ausgeprägt als in Vorjahren. Auch die Impfstoffwirksamkeit lag im Normalbereich. Vereinzelt angefragte Ärzte aus Klinik und Praxis in Sachsen berichteten subjektiv ebenfalls weder über schwerere Krankheitsverläufe noch über vermehrt aufgetretene Impfdurchbrüche im Vergleich zu Vorjahren.

Eine maßgebliche Rolle könnten höhere Fallfindungsraten und dadurch im Gegenzug eine gesunkene Dunkelziffer spielen. Die breite und in den vergangenen Jahren gestiegene Anwendung von Schnelltests sowie die zunehmende Verfügbarkeit kombinierter Mehrfachtests auf verschiedene Atemwegserreger und deren Einsatz in stationären und ambulanten medizinischen und pflegerischen Einrichtungen führte zu einer zunehmenden Identifizierung von Influenza-Erkrankungsfällen und damit einhergehend zur Registrierung als Todesfall bei letalem Verlauf. Es ist anzunehmen, dass Influenza-Todesfälle durch die leichtere und bessere Verfügbarkeit von Tests zunehmend auch als solche erkannt und erfasst werden.

Zudem sind eine abnehmende Impfbereitschaft und sinkende Impfquoten nicht nur in den Risikogruppen, sondern vor allem auch bei den Kontaktpersonen vulnerabler Personen sowie medizinischem und pflegerischem Personal als mitursächlich anzunehmen. Hierdurch kommt es zu vermehrter Übertragung auf Personengruppen, bei denen bekannterweise eine schlechtere Impfeffektivität erzielt werden kann und bei denen somit ein höheres Risiko für einen schweren oder sogar tödlichen Krankheitsverlauf besteht.

Die saisonale Influenza-Welle hatte laut Definition des RKI bundesweit in der 48. KW 2025 und damit früher als gewöhnlich begonnen und endete mit der 10. Woche 2026. In Sachsen erreichte sie ihren Gipfel von der 4. bis zur 6. KW 2026. Mit einer Gesamtdauer von 15 Wochen hielt die Influenzawelle in Deutschland wie bereits in den beiden vorherigen Jahren vergleichsweise lang an. Während der gesamten Saison wurde Influenza A als dominierender Virustyp detektiert, wobei der Subtyp A(H3N2) deutlich vor dem Subtyp A(H1N1)pdm09 rangierte. Influenza B-Infektionen wurden nur sehr selten diagnostiziert.

Influenza-Erkrankungen traten in allen Altersgruppen auf, wobei die höchsten Inzidenzwerte (Erkrankungen pro 100.000 der Altersgruppe) bei Kleinkindern, gefolgt von Säuglingen und Grundschülern errechnet wurden. Qualifizierte Auswertungen bezüglich des Impfstatus der Erkrankten sowie der Hospitalisierungsrate sind auf Grund unvollständiger Datenerfassung nicht möglich.

Innerhalb des sächsischen Influenza-Sentinels wurden im Zeitraum zwischen der 40. KW 2025 und der 17. KW 2026 in den beteiligten Sentinelpraxen bzw. Krankenhäusern insgesamt 209 Rachenabstriche abgenommen und zur Untersuchung eingesandt. In den eingegangenen Proben erfolgten mittels PCR 89 Nachweise von Influenza A (davon 18 als Influenza A(H1N1)pdm09 und 63 als Influenza A(H3N2) subtypisiert) sowie 12 Nachweise von SARS-CoV-2.

Neben den Influenzaviren trug während der Saison die Zirkulation weiterer Atemwegserreger, wie zum Beispiel RS- oder SARS-CoV-2-Viren, zur Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen bei. Laut RKI-Definition begann die RSV-Welle ab der 2. KW 2026 KW und endete mit der 15. KW 2026 nach 14 Wochen. In Sachsen waren von der 7. bis zur 12. KW 2026 mit jeweils über 600 Fällen pro Woche hohe Fallzahlen zu verzeichnen, wobei der Gipfel der Welle in der 10. KW 2026 erreicht wurde.

In der gesamten Saison ab der 40. KW 2025 bis einschließlich der 17. KW 2026 wurden in Sachsen 8.230 RSV-Infektionen übermittelt (im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 7.935 Fälle). Auch wenn anteilig insbesondere Kleinkinder von der Erkrankung betroffen waren, wurden auch bei älteren Erwachsenen viele Infektionen detektiert.

Die in der gleichen Zeitspanne gemeldeten 11.529 SARS-CoV-2-Infektionen (Vorjahreszeitraum: 15.375 Fälle) traten überwiegend bei älteren Patienten auf. Die höchsten SARS-CoV-2-Fallzahlen der Saison wurden bereits zum Jahresende zwischen der 49. und 51. KW 2025 übermittelt. Nach dem Jahreswechsel rangierten die gemeldeten COVID-Fälle deutlich hinter Influenza und RSV.

Auch die infolge einer RSV- sowie SARS-CoV-2-Infektion registrierten Todesfälle betrafen vorrangig erkrankte Personen im höheren Lebensalter. 46 Erkrankte von 61 bis 99 Jahren (Altersmedian von 85 Jahren) verstarben an einer Infektion mit RS-Viren. Aufgrund einer COVID-19-Erkrankung kamen insgesamt 147 Patienten im Alter zwischen 53 und 99 Jahren (Altersmedian 86 Jahre) zu Tode.

Weitere Informationen

Da Influenza-Viren hauptsächlich über direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen werden, haben vor allem Personen die (z. B. berufsbedingt) viel Kontakt mit anderen Menschen haben, ein erhöhtes Infektionsrisiko. Außerdem ist die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs für Schwangere sowie für Menschen mit chronischen Grunderkrankungen wie Herz-, Atemwegs-, Leber-, Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus oder Immundefekten deutlich größer. Für die genannten Personengruppen ist daher eine Impfung gegen Influenza besonders wichtig. Grundsätzlich wird sie in Sachsen als Standardimpfung für alle Personen ab dem 7. Lebensmonat empfohlen.

Kein Impfstoff bietet einen hundertprozentigen Schutz. Vor allem Personengruppen (z. B. ältere oder chronisch kranke Menschen), deren Immunsystem generell weniger gut auf Impfungen anspricht, entwickeln zum Teil nicht die gewünschte Immunantwort. Demzufolge ist ein Impfschutz insbesondere für Angehörige, Betreuungspersonen sowie medizinisches Personal wichtig, damit diese die Influenza nicht auf die Risikogruppen übertragen können.

Die Influenza-Schutzimpfung ist sicher und sehr gut verträglich. Als mögliche Nebenwirkungen können, wie bei anderen Impfungen auch, vorübergehend Lokalreaktionen an der Impfstelle, leichtes Fieber oder Unwohlsein auftreten. Die Auslösung der Virusgrippe durch die Impfung ist dagegen nicht möglich. Aufgrund der sich ständig wandelnden Virusstämme ist es erforderlich, dass die Komponenten des Impfstoffes den mutmaßlich zirkulierenden Virusvarianten angepasst werden und die Impfung jährlich erfolgt, zumal die Schutzwirkung der Impfung (individuell unterschiedlich) meist auch nur einige Monate anhält.

Die Influenzawelle breitet sich mit unterschiedlicher Intensität Jahr für Jahr, beginnend meist in den ersten Januarwochen, aus. Da es ca. 10 bis 14 Tage dauert, bis nach der Impfung ein entsprechender Schutz aufgebaut ist, sollte eine Schutzimpfung möglichst in der Regel ab Oktober bis zum Jahresende vorgenommen werden. Von einer Impfung vor diesem Zeitraum sollte abgesehen werden, da die Schutzwirkung insbesondere bei älteren und immungeschwächten Personen im Verlauf nachlässt und diese Gruppen zudem teilweise eine geringere Impfantwort entwickeln als jüngere, gesunde Menschen.

Gleichwohl kann die Impfung, wenn auch nicht immer vor einer Infektion, dennoch vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Daher kann sie auch noch nach dem empfohlenen Zeitraum, also nach dem Jahreswechsel sinnvoll sein. Im Einzelfall sollte dies mit den behandelnden Ärzten besprochen werden, da Influenzawellen auch von Saison zu Saison länger andauern oder nach einem ersten Rückgang erneut aufflammen können. Vor diesem Hintergrund gilt grundsätzlich: Eine Impfung in der Influenzasaison ist in der Regel selten „zu spät“ aber manchmal eben zu früh.

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar