Manchmal reichen ja auch schon kleine Verbesserungen, damit auch die Bewohner in den Ortschaften am Stadtrand das Gefühl bekommen, dass ihre Wünsche erhört werden. Zum Beispiel, wenn es um die Verlängerung einer Buslinie am Wochenende geht, wie die der Linie 62, die zwischen Lausen und Böhlitz-Ehrenberg über Burghausen und Rückmarsdorf fährt. Nur am Wochenende wird das Angebot deutlich eingekürzt.
Etwas zu sehr, fand der Ortschaftsrat Burghausen. Der Bus könne doch am Wochenende bis zur Endstelle der Linie 15 in Miltitz fahren. Dann wäre Burghausen am Wochenende nicht so abgehängt.
Die Einkürzungen im Wochenendfahrplan haben bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) natürlich vor allem finanzielle Gründe. Es sind deutlich weniger Fahrgäste unterwegs, auf manchen Strecken so wenig, dass sich der Einsatz von Bussen und Fahrpersonal nicht rechnet. Sie lehnten das Ansinnen dann auch mit einer klaren finanziellen Begründung ab. So übernahm es dann auch das Mobilitäts- und Tiefbauamt (MTA) in seinen Verwaltungsstandpunkt.
„Die Verlängerung der Linie 62 an Sonn- und Feiertagen bis Miltitz würde den Einsatz eines zusätzlichen Busses erfordern, wofür Mehrkosten von 50 T€ p.a. anfallen. Da an Sonn- und Feiertagen hohe Tarifzuschläge für Sonntagsarbeit bezahlt werden müssen, steigen die Betriebskosten überproportional“, liest man da. Das wären 50.000 Euro mehr pro Jahr.
„Hinzu kommt, dass im Rahmen der nächsten Umsetzungsstufe des ‚Liniennetzes der Zukunft‘ eine neue Buslinie 64 zwischen Miltitz und Schönefeld über Schleußig und die Südvorstadt eingerichtet wird, die an der Endstelle der Linie 15 in Miltitz beginnt und endet. Damit steht dann in Miltitz nicht mehr genügend Platz zur Verfügung, um eine weitere Buslinie dort enden zu lassen.
Den genannten Mehrkosten steht dagegen nur ein sehr geringer Nutzen gegenüber. Die Linie 62 wird für tangentiale Verbindungen zwischen Miltitz und Böhlitz-Ehrenberg außerhalb des Schülerverkehrs und außerhalb des Einkaufsverkehrs zum Löwencenter in Rückmarsdorf schon an anderen Wochentagen nur gering genutzt. Zwischen den Haltestellen ‚Burghausen‘ und ‚Miltitzer Straße‘ in Rückmarsdorf befinden sich außerhalb der genannten Zeiträume im Mittel weniger als 5 Personen je Fahrt im Bus.“
Dann doch wenigstens bis zum Löwenpark
Das waren alles nachvollziehbare Argumente. Aber auch in den Ortschaften Böhlitz-Ehrenberg und Rückmarsdorf fühlte man sich durch das eingeschränkte Wochenendangebot betroffen. Also setzten sich alle drei Ortschaftsräte zusammen und schrieben einen neugefassten Antrag, in dem sie auf das Fahrtziel Miltitz verzichten.
Nur um zwei Kilometer sollte sich das Angebot der Linie 62 am Wochenende verlängern, erklärte Markus Heidrich, Ortsvorsteher von Burghausen, als er in der Ratsversammlung am 29. April den nun gemeinsamen Antrag vorstellte.
„Der Oberbürgermeister wird beauftragt, zu prüfen, ob und wie die Linienführung der Buslinie 62 an Sonn- und Feiertagen bis zum Löwenpark in Rückmarsdorf verlängert werden kann“, lautete jetzt der Wunsch der drei Ortschaftsräte.
Der auch etwas ausführlicher begründet wurde: „Aktuell gibt es an Sonn- und Feiertagen keine direkte ÖPNV-Anbindung zwischen Rückmarsdorf und Böhlitz-Ehrenberg. Mit der Verlängerung der Linie 62 an Sonn- und Feiertagen von Böhlitz-Ehrenberg über Burghausen nach Rückmarsdorf wird die Westverbindung zwischen Böhlitz-Ehrenberg und Rückmarsdorf aufrechterhalten, was eine qualitative Verbesserung des ÖPNVs im Leipziger Westen bedeutet.“
Und Gründe für die leichte Verlängerung gibt es aus Sicht der drei Ortschaften auch: „Mit dieser Querverbindung entsteht auch an Sonn- und Feiertagen eine alternative Verbindung und eine bessere Anbindung der Mehrzweckhalle in Böhlitz-Ehrenberg durch den ÖPNV. Die in der Realität unzulängliche Parkplatzsituation im Umfeld der Sporthalle könnte somit zumindest etwas Entlastung erfahren und nicht verschärft werden, denn es ist aufgrund der ebenfalls angespannten Hallennutzungssituation sehr wohl davon auszugehen, dass an Sonn- und Feiertagen Sportveranstaltungen in der Halle stattfinden.
Sportler aus Rückmarsdorf (Schwerpunktnutzung der Halle neben Rollhockey eben auch Handball), hätten somit auch an Sonn- und Feiertagen die Möglichkeit, ihre Wettkämpfe bzw. Trainingseinheiten mittels des ÖPNVs zu erreichen.
Des Weiteren würde die Halte- und Wartestelle am Dorfplatz in Burghausen nicht benötigt.
Die Fahrbahn ‚Am Dorfplatz‘ ist für den Busverkehr nicht geeignet, da diese Straße nicht für Schwerlastverkehr ausgebaut wurde. Zu dieser Feststellung ist auch das MTA gekommen. (Siehe Sitzungsprotokoll OR-Burghausen vom 31.03.2026). Der Dorfplatz Burghausen ist in das Dorfplatzprogramm 2030 aufgenommen und soll für Personenaufenthalt aufgewertet und zum längeren Verweilen aufgewertet werden. Durch den ÖPNV-Verkehr würde dies konterkariert werden.“
Das Anliegen fand in der Ratsversammlung dann eine breite Zustimmung. Mit 33:24 Stimmen bei 5 Enthaltungen stimmte die Ratsversammlung dem neu gefassten Antrag zu. Die LVB sind jetzt also aufgefordert, den leicht veränderten Streckenwunsch auch umzusetzen.
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