In der März-Ratsversammlung zerfetzte sich der Stadtrat noch über die neue Betriebssatzung für das Schauspiel Leipzig, die erstmals ermöglichen sollte, dass nicht nur ein einzelner Intendant das Haus leitet, sondern auch mal ein ganzes Intendanz-Team. Die Diskussion kam nicht aus dem Nichts, denn tatsächlich endet ja die Intendanz von Enrico Lübbe 2027.

Die Stadt hat deshalb schon 2025 ein entsprechendes Bewerberverfahren gestartet. Und auch im März war schon klar: In der nächsten Intendanz von 2027 bis 2032 läuft alles auf ein Dreiergespann an der Spitze des Schauspiels Leipzig hinaus. Am 29. April wurde es von der Ratsversammlung auch bestätigt.

Ein wesentliches Kriterium der Diskussion in der März-Ratsversammlung war natürlich das liebe Geld. Drei Personen in der Intendanz – das ließe doch die Kosten völlig aus dem Ruder laufen. Und wozu bräuchte man überhaupt drei Intendanten?

Die Auswahlkommission – zu der eben auch Vertreter aus den Ratsfraktionen gehörten – hatte sich eigentlich schon entschieden. 50 Bewerbungen hatte es gegeben, davon 37 Einzel- und 13 Team-Bewerbungen. Es ist durchaus schon üblich, dass deutsche Theater von Teams geleitet werden, in denen sich nicht alles auf den einen Chef fokussiert, sondern Entscheidungen gemeinsam getroffen werden.

Im Ergebnis des Auswahlverfahrens hatte die Auswahlkommission dem Stadtrat tatsächlich ein Dreier-Team vorgeschlagen: Clara Weyde, Bastian Lomsché und Clemens Leander.

Das Konstrukt der neuen Leitung ab 2027 sieht dann so aus: „Die Betriebsleitung im Aufgabenfeld der Intendanz wird von allen drei Personen gleichberechtigt, mit identischen Rechten und Pflichten wahrgenommen.

Die Besetzung der Stelle erfolgt entsprechend der Stellenausschreibung befristet auf fünf Jahre, vom 1. August 2027 bis zum 31. Juli 2032. Die Vergütung erfolgt nach folgenden Eckpunkten:

Bruttojahresgehalt i. H. v. jeweils 110.000 € (zusätzlich zur Intendanz nimmt Frau Weyde die Tätigkeit der Hausregisseurin, Herr Leander die Tätigkeit des Leiters Kooperationen und Kostümbild und Herr Lomsché dramaturgische Tätigkeiten im Eigenbetrieb Schauspiel wahr).

Das Entgelt nimmt ab dem dritten Vertragsjahr (ab dem 1. August 2029), analog an den Tarifsteigerungen teil, die für Beschäftigte der Entgeltgruppe 15 TVöD-VKA in der Stadt Leipzig gelten.

Erstattung der Kosten des berufsbedingten Umzugs von Frau Weyde und Herrn Lomsché nach Leipzig i. H. v. jeweils 2.500 € brutto.

„Optionale Zusatzvergütung pro Spielzeit für maximal 2 zusätzliche Regieleistungen durch Frau Weyde, maximal 2 weitere Kostümbilder durch Herrn Leander und maximal 3 Stückaufträge durch Herrn Lomsché .“

In der Ratsversammlung gab es dann erstaunlicherweise keine weitere Diskussion. Und die Abstimmung zur Berufung der drei verlief erstaunlich harmonisch: Bis auf sechs Enthaltungen aus der BSW-Fraktion stimmte die Stadtratsmehrheit dem neuen Intendanz-Team für das Schauspiel Leipzig zu.

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