Der Ort könnte ihr schon etwas vertraut sein: Bei einem Termin am Leipziger Amtsgericht vor rund zwei Jahren hatte Partysängerin und TV-Darstellerin Melanie Müller ihren SUV auf einem Behindertenparkplatz vor dem Gebäude abgestellt. Der Ausweis hinter der Windschutzscheibe, der sie dazu berechtigt hätte, soll laut Staatsanwaltschaft eine Fälschung sein. Nun steht ein Prozesstermin fest.

Zunächst hatte die Leipziger Volkszeitung über den neuen Verhandlungstermin berichtet. Dieser ist demnach für Dienstag, den 11. August 2026, anberaumt worden. Laut Staatsanwaltschaft soll Melanie Müller am 15. August 2024 vor dem Leipziger Amtsgericht ihren SUV auf einem ausgewiesenen Parkplatz für schwerbehinderte Menschen abgestellt haben, um einen privaten Termin im Gerichtsgebäude wahrzunehmen. Allerdings wurde die heute 38-Jährige während des Vorgangs von einem Reporter fotografiert.

Fälschungsverdacht bei Ausweis: Kreis Recklinghausen erstattete Anzeige

Ein hinter der SUV-Frontscheibe deponierter Behindertenausweis war dabei vermeintlich auf den Kreis Recklinghausen ausgestellt, der dies aber ausdrücklich verneinte. Daher erstattete er Anzeige bei der Leipziger Staatsanwaltschaft. Im Dezember 2024 fand dann eine Razzia in Müllers damaligem Leipziger Privathaus statt, bei der es nach Behördenangaben um Beweismittel im Zusammenhang mit dem Park-Vorfall ging.

Offenbar wurde man dabei fündig, sodass gegen Melanie Müller ein Strafbefehl in Höhe von 60 Tagessätzen erging – der Vorwurf: Urkundenfälschung. Weil Müller Widerspruch einlegte, soll der Sachverhalt nun in einer Hauptverhandlung beleuchtet werden.

Verurteilt wegen „Hitlergruß“ und Drogenbesitz

Das Leipziger Landgericht hatte die zweifache Mutter zuletzt Anfang des Jahres in einem Berufungsprozess wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen in Tatmehrheit mit Drogenbesitz für schuldig befunden. Das Urteil: 70 Tagessätze à 50 Euro Geldstrafe. Demnach soll Müller bei einem Auftritt zum Oktoberfest der „Rowdys Eastside“ in Leipzig in der Nacht zum 18. September 2022 mehrfach den sogenannten Hitlergruß gezeigt sowie illegal Drogen besessen haben.

Müller hatte die Vorwürfe, wie zuvor schon in der ersten Gerichtsinstanz, komplett abgestritten und sich von rechtsextremer Ideologie distanziert.

Ein derartiges Weltbild sei ihr auch nicht zu unterstellen, zumindest aber habe sie sich während der aufgeheizten Konzertatmosphäre in einem Augenblicksversagen zum Heben des rechten Arms hinreißen lassen: Mindestens ein Konzertbesucher habe den „Hitlergruß“ vollführt, während die alkoholisierte Angeklagte zu „Ost-, Ost-, Ostdeutschland“-Rufen die Masse anheizte. Dabei nahm sie billigend in Kauf, wie ihre Geste zu verstehen ist, sagte die Richterin am Landgericht, Karen Aust.

Kein Schuldeingeständnis: Müller akzeptiert Geldstrafe

Gleichwohl kam Müller mit 3.500 Euro Gesamtgeldstrafe deutlich billiger als in der Vorinstanz weg – schließlich hatte ihr das Amtsgericht noch 80.000 Euro aufgebrummt.

Der Unterschied dürfte sich auch daraus erklären, dass Müller im Berufungsverfahren erstmals öffentlich über ihre finanziellen Verhältnisse sprach und diese als zerrüttet beschrieb. Sie nannte allein 150.000 Euro Schulden beim Finanzamt. Dazu seien die Auftrittsbuchungen eingebrochen, zuletzt sei sie auf Einkünfte aus einem Teilzeitjob und Hilfe ihrer Eltern angewiesen gewesen.

Im März 2026 gab Melanie Müller bekannt, dass sie die 3.500 Euro Geldstrafe nicht weiter anfechte, als schuldig sehe sie sich aber nach wie vor nicht. Die 38-Jährige wurde in Oschatz geboren und wuchs überwiegend in Grimma auf. 2014 hatte sie die achte Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ (umgangssprachlich: „Dschungelcamp“) für sich entschieden. Überdies stand sie in einer Vielzahl ähnlich gelagerter TV-Formate vor der Kamera und trat als Schlagersängerin unter anderem auf Mallorca auf.

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