Manchmal muss man es den Leuten einfach zeigen. Gerade dann, wenn Onkel Herbert am Familientisch wieder mal sein Bauchgefühl sprechen lässt, nach dem es früher auch schon so heiß war und das Klima sich sowieso schon immer geändert hat. Aber Bauchgefühl hat nichts mit Fakten zu tun. Und was das konkrete Wetter betrifft, liegen in Deutschland Messdaten aus über 100 Jahren vor. Der Schweriner Henry Ganschof hat die Daten zur Temperaturentwicklung in Deutschland einfach mal auf eine Website gepackt. Auch Leipzig hat da eine eigene Seite, die den Temperaturanstieg seit den 1950er Jahren deutlich macht.

„Die Hitzetage-Karte zeigt für Orte in Deutschland, wie viele Tage über 30 Grad aktuell im langjährigen Mittel auftreten und wie stark sich diese Zahl seit 1951 verändert hat. Dadurch sieht man zugleich, wo Hitze in Deutschland generell besonders häufig ist und wie stark der Zuwachs vor Ort ausfällt“, beschreibt Ganschof das, was ortsgenau auf der Website sichtbar wird.

Leipzig liegt auch über dem Bundesdurchschnitt

Und auch die von Ganschof eingearbeiteten Zahlen machen sichtbar, dass Leipzig in einem der Hitzehotspots von Deutschland liegt, wo es im Umfeld kaum kühlende Landschaftsstrukturen gibt. Mit dem Ergebnis, dass die Leipziger Temperaturen auch noch spürbar über den gesamtdeutschen Durchschnittswerten liegen: „Im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt waren die Sommer in Leipzig in den letzten 20 Jahren (2006–2025) deutlich wärmer. Die durchschnittliche Sommertemperatur lag 1,3 °C höher. Zudem gab es dort pro Jahr im Mittel 13,2 Sommertage und 4,7 heiße Tage mehr.“

Und das ist nur der Vergleich mit den anderen deutschen Regionen. Der Vergleich mit der jüngeren Vergangenheit macht dann erst recht deutlich, wie stark die Temperaturen in Leipzig tatsächlich gestiegen sind. Bis hin zu den mittlerweile die Gesundheit der Leipziger stark belastenden Hitzeperioden im Sommer.

20 Sommertage mehr

„Verglichen mit 1951–1970 gab es in Leipzig 2006–2025 durchschnittlich pro Jahr 19,9 mehr Sommertage und 7,9 mehr heiße Tage. Die Sommertemperatur lag 2,1 °C höher.“

Sommertage sind Tage mit Temperaturen über 25 °C. Davon werden seit 2006 im Schnitt 56 im Jahr gemessen, also fast 20 mehr als im Zeitraum 1951 bis 1970. Aber belastender sind natürlich die heißen Tage mit Temperaturen über 30 °C, deren Zahl von 7,9 auf 14,5 Tage pro Jahr gestiegen ist.

Und der Trend deutet weiter nach oben. 2024 hatte Leipzig zum Beispiel schon 73 Sommertage und 24 heiße Tage. 2025 war dann ein wenig kühler, brachte aber auch noch 54 Sommertage und 16 heiße Tage mit sich. Beide Jahre schafften locker eine Sommerdurchschnittstemperatur über 25 °C. Wenn die Entwicklung so weitergeht, dürften die Leipziger Sommertemperaturen zur Jahrhundertmitte bei 28 °C liegen, also schon 5 °C über den Durchschnittswerten der 1950er und 1960er Jahre.

Und bis zur Jahrhundertmitte ist es nicht mehr wirklich lang hin. Kaum genug Zeit, all die nötigen Investitionen zu tätigen, um die Stadt einigermaßen an die kommenden Temperaturspitzen anzupassen.

Wie sich das anfühlt, lässt der Sommer 2026 ja schon ahnen mit seinen Temperaturspitzen bei 40 Grad Ende Juni, als schmelzende Fugenmasse den Straßenbahnverkehr zum Erliegen brachte.

„Für Leipzig werden in der kommenden Woche wieder Hitzetage über 30 Grad erwartet“, stellt Henry Ganschof fest. Der seine akribisch aufgearbeitete Klimakarte empfiehlt, die aktuelle Wetterlage lokal einzuordnen und gleichzeitig eine Vorstellung davon zu gewinnen, wie sich die Temperatur in Leipzig seit 1951 verändert hat.

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