In unserer LZ-Klimareihe fragen wir: Wer muss schon heute mit den Folgen der Klimakrise umgehen? Wie verändert sie Arbeit und Alltag – und wen haben wir dabei bislang zu wenig im Blick? Dafür sprechen wir seit Anfang 2026 mit Menschen aus Leipzig und der Region, die Veränderungen unmittelbar erleben – und mit Fachleuten, die erforschen, was auf uns zukommt und wie wir damit umgehen können. Für Folge 2 trafen wir Dieter Figura. Er ist Obstbauer in Grimma und Experte für Obstkunde. Wir haben ihn gefragt, wie die Klimakrise den Obstanbau verändert, welche Auswirkungen er bereits beobachtet und was das für die Zukunft seiner Tätigkeit bedeutet.

Folge 2: Wir verlieren Zeit

Obstbäume reagieren unmittelbar auf die Temperaturen im Frühjahr. Wird es früher warm, beginnen sie früher zu blühen. Das kann zunächst nach einer längeren Vegetationsperiode klingen – wird aber zum Risiko, wenn nach dem frühen Austrieb noch einmal Frost kommt.

Auch wissenschaftliche Beobachtungen zeigen diese Verschiebung: Die Apfelblüte tritt in Deutschland heute früher ein als noch vor einigen Jahrzehnten. Gleichzeitig steigt damit das Risiko, dass empfindliche Blüten nach einem frühen Vegetationsbeginn von Spätfrösten getroffen werden. Für den Obstbau kann das erhebliche Ernteausfälle bedeuten.

Doch nicht nur der Zeitpunkt der Blüte verändert sich. Hitze und Trockenheit erhöhen den Bewässerungsbedarf, Starkregen kann Böden und Pflanzen belasten, und Wetterextreme machen die Planung einer ohnehin stark witterungsabhängigen Produktion schwieriger.

Für Obstbäuerinnen und Obstbauern geht es deshalb um mehr als die Frage, ob ein einzelnes Jahr gut oder schlecht ausfällt. Es geht um langfristige Veränderungen: Welche Sorten lassen sich unter den neuen Bedingungen noch anbauen? Wie lässt sich Wasser verfügbar machen? Welche Schutzmaßnahmen sind notwendig? Und wie viel Anpassung kann ein landwirtschaftlicher Betrieb überhaupt leisten?

Pomologe Dieter Figura auf einer Fallobstwiese bei Kaditzsch (Grimma). Foto: Jan Kaefer

Dieter Figura erlebt diese Veränderungen nicht aus der Perspektive eines Klimamodells, sondern unmittelbar auf seinen Flächen in Grimma.
Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was sich im Obstbau bereits verändert hat, welche Herausforderungen auf die Betriebe zukommen – und warum dabei eine Ressource besonders wichtig ist: Zeit.

Denn die Klimakrise zeigt sich nicht nur in Statistiken über steigende Temperaturen. Sie zeigt sich auch darin, wann ein Apfelbaum blüht, wann Frost gefährlich wird, wie viel Wasser zur Verfügung steht – und ob am Ende einer Saison überhaupt noch die Ernte steht, mit der ein Betrieb gerechnet hat.

Dieses Gespräch ist Teil der LZ-Klimareihe mit Unterstützung des KuGel e.V. In den kommenden Wochen erzählen weitere Menschen, wie die Klimakrise ihre Arbeit und ihren Alltag verändert.

Wir finden: Solche Gespräche gehören in die Öffentlichkeit. Deshalb machen wir sie. Wenn ihr sie sehenswert findet, gebt ihnen die Reichweite, die guter Journalismus verdient.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Jan Kaefer über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar