This article is also available in English: Read this article in English.

Obwohl am Dienstagabend in der Plagwitzer  Heilandskirche der Ausgang der Landtagswahl Sachsen-Anhalt ein Thema in allen Reden war, wollen die Leipziger Bündnisgrünen nicht in deren Schatten verharren. Alle Rednerinnen und Redner machten klar: Wir wollen einen grünen Oberbürgermeister und dieser wird Wolfram Günther. Die 140 anwesenden Mitglieder quittierten das mit Standing Ovations und einem Traumergebnis bei der Wahl.

Wir haben Wolfram Günther bereits am 19. August zu seiner Kandidatur interviewt, deshalb heute nur kurz Eindrücke von der Aufstellungsversammlung. Ein Hinweis im Voraus, die Aufstellungsversammlung fand im Stadtteilzentrum Westkreuz, also der Heilandskirche Plagwitz statt. Ich habe dem Stadtverband versprochen auf die stilistische Verbindung Heiland – Oberbürgermeisterkandidat zu verzichten.

Das Ambiente der Heilandskirche stimmt auf jeden Fall. Foto Thomas Köhler

Bereits Vicki Felthaus machte in ihrer Eröffnungsrede klar, worum es geht.

„Am Ende erwarten die Menschen von uns keine perfekte Politik und auch nicht, dass wir jeden Wunsch erfüllen. Sie erwarten, dass wir unseren Job machen. Dafür braucht es zwei Dinge: Haltung und Handlungsfähigkeit. Zuhören, Kompromisse schmieden, Lösungen entwickeln. Nicht mit dem Kopf durch die Wand und nichts versprechen, was gar nicht umsetzbar ist. Das ist die Politik, die wir in Leipzig brauchen. Und dafür, lieber Wolfram, bist du die richtige Person. Deshalb ist die Aufstellungsversammlung mehr als die Wahl eines Kandidaten. Es ist gelebte Demokratie und wir geben den Leipzigerinnen und Leipzigern eine echte Wahl.

Wir wollen eine Stadt, die ihre Probleme ernst nimmt und sie löst, die investiert und zusammenhält, weltoffen und wirtschaftlich stark. Und ja, das gehört zusammen. Eine kulturell vielfältige Stadt, in der sich alle Generationen wohlfühlen. Eine klimagerechte Stadt. Mit mehr Grün und Schatten, sicheren Wegen, bezahlbarer klimafreundlicher Mobilität und bezahlbarem Wohnraum. Mit Klimaschutz, der gerade die im Blick hat die wenig Geld haben und besonders unter den Folgen der Klimakrise zu leiden haben. Eine Stadt, die unterstützt und die Menschen nicht zum Problem erklärt.“

Vicki Felthaus, Thomas Dienberg und Wolfgang Günther im Gespräch. Foto: Thomas Köhler

Kristina Weyh stellte als Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat fest:

„Es fehlt bei Herrn Jung, denn er lässt das meiste einfach nur noch laufen, der Mut zu Entscheidungen und eine moderne Führungskultur nach innen zu leben. Wir brauchen dort einen Wechsel und wir brauchen auch tatsächlich eine Art von Neuanfang. Aber was es noch braucht, ist nicht nur unsere Fähigkeit auszugleichen, Bündnisse zu schaffen, die Menschen zu sehen. Was es noch braucht, ist eine Vision für Leipzig. Eine Vision für den notwendigen Wandel.“

Nach diesem Warm-up und einigen Formalien kam Wolfram Günther, für den es keinen Gegenkandidaten gab, zu Wort. Die Bewerbungsrede können Sie im Video verfolgen, hier nur kurze Auszüge.

Im Zusammenhang mit dem Thema Cappa-Wäldchen sagte Günther: „Es darf eben niemals den Durchmarsch privater Gewinnmaximierung auf Kosten der Allgemeinheit geben, die Bedürfnisse der Allgemeinheit setzen den Rahmen. Zwischen sozial, ökologisch und Ökonomie gehört kein oder, sondern ein ganz dickes und.“

Standing Ovations nach der Bewerbungsrede. Foto: Thomas Köhler

„Wir müssen menschenverachtende Haltungen mit aller Kraft bekämpfen, die dürfen keinen Platz in unserer Stadt haben. Wir müssen über Verteilungsfragen und Gerechtigkeit sprechen ohne Klassenkampfrhetorik. Wir müssen dafür sorgen, dass die Vielfalt von berechtigten Interessen und Sichtweisen tatsächlich gehört und gesehen wird. Unterschiedliche Lebenswirklichkeiten, Herkünfte, gesellschaftliche Milieus und auch die Verschiedenheit aller Stadtteile sind ein Reichtum dieser Stadt.“

Er schließt mit: „Gemeinsam können wir diese Wahl gewinnen. Wir sind der Gegenentwurf zur AfD mit ihrer Ausgrenzung, ihrem Hass auf alles, ihr Fremde, ihre Häme, ihrer Leugnung des Klimawandels. Wir sind das Angebot für ganz breite Kreise der Gesellschaft, die echte Lösungen für die Zukunftsfragen wollen und die sich selbst engagieren wollen. Uns alle eint hier in diesem Raum die Vorstellung, dass auch nach Sachsen-Anhalt die Zukunft gut, ja sogar richtig schön werden kann. Und ich bin davon überzeugt, ganz viele Menschen in dieser Stadt wollen das auch. Deshalb haben wir die reale Chance zum ersten Mal einen Oberbürgermeister aus unseren Reihen für diese Stadt zu stellen, in der größten Stadt Sachsens und des Ostens. Und das kann jetzt gelingen. Und genau dafür bewerbe ich mich hier bei euch.“

Die Rede wurde von den Anwesenden immer wieder mit Applaus unterbrochen, am Ende gab es Standing Ovations. Wolfram Günther hatte die Versammlung vollkommen auf seiner Seite. Auch die an ihn gestellten Fragen beantwortete er souverän.

Es darf gewählt werden. Foto: Thomas Köhler

Die eigentliche Wahl zog sich hin, es gab von Seiten des Kreisvorstandes schon einmal Hinweise zum Wahlkampf und eine kurze Pause.

Dann war es so weit, die Wahlkommission gab das Ergebnis bekannt. 140 abgegebene Stimmen, alle Stimmen gültig, 136 Stimmen für Wolfram Günther und 4 Enthaltungen. Unter tosendem Applaus nahm Wolfram Günther die Wahl an.

Nach dem Wahlergebnis gab es eine Torte mit Statement für den Kandidaten. Foto: Thomas Köhler

Wir haben im Anschluss mit Wolfram Günther um ein kurzes Gespräch gebeten.

Auch vier Mitglieder der Leipziger Bündnisgrünen teilten uns ihre Meinung zum Wahlergebnis mit.

Fazit: Die Bündnisgrünen wollen Wolfram Günther als Oberbürgermeister sehen, er selbst hat klar seine Ambitionen kommuniziert. Mit der Bestätigung durch die Mitgliederversammlung ist er jetzt der neunte offiziell nominierte Kandidat. Fabian Schmidt für die Humanisten, Falk Fiebig für Volt und die unabhängigen Kandidaten wie Lars Kulesch und wahrscheinlich Ralf Kohl müssen noch die Unterstützungsunterschriften sammeln.

Wir werden mit den Kandidatinnen und Kandidaten spätestens in der heißen Phase des Wahlkampfes erneut sprechen.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar