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Es gab am 23. Juni keinen Strack-Zimmermann-Moment bei der Aufstellungsversammlung der CDU Leipzig. In der Alten Handelsbörse sollte der Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl 2027 gewählt werden. Wie am 2. Juni mitgeteilt wurde hatte der Kreisvorstand den Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat Leipzig, Michael Weickert, vorgeschlagen und die Mitgliederversammlung folgte dem. Es gab keine Gegenkandidatur, somit stand Michael Weickert allein auf dem Stimmzettel.

Grußwort Sebastian Gemkow. Foto: Thomas Köhler

Zuerst gab es aber die Formalien, eine Videobotschaft von Sebastian Gemkow, der Weickert schon als Kandidaten unterstützte, obwohl noch nicht einmal die Listen geschlossen waren. Aller dings blieb es, wie vorstehend schon bemerkt, bei einem Kandidaten und Michael Weickert konnte seine Bewerbungsrede halten. Auch diese war zu Teilen vorhersehbar, nachfolgend einige Zitate:

„Nach 37 Jahren sozialdemokratischer Regierung ist es Zeit, dass wir bürgerlichen die Verantwortung an der Rathausspitze übernehmen.“

„Im Jahr 2029 dürfen in der Stadt der Friedlichen Revolution nicht jene Kräfte am Werk sein, die damals auf der falschen Seite der Geschichte standen.“

„Mein Ziel ist, in Leipzig jene bürgerschaftliche Tradition, jene Eigenverantwortung nicht nur neu beleben, sondern seitens der Rathausspitze nach Kräften befördern.“

„Für mich gibt es dabei fünf große Themen, die für unsere Zukunft entscheiden: Sicherheit, Wirtschaft und Verkehr, Wohnen, das soziale Miteinander und eine moderne und bürgernahe Verwaltung.“

Ansonsten meint Michael Weickert, dass der Wahlkampf schmutzig wird, was aber an den anderen Parteien liegt.

Die Rede kam jedenfalls bei den Anwesenden gut an, es gab Applaus und am Ende ein Wahlergebnis von 92 Prozent Ja-Stimmen. Genauer, es wurden 100 Stimmen abgegeben, bei vier Enthaltungen ergaben sich 96 gültige Stimmen. Mit Ja stimmten 88 Stimmberechtigte, also exakt 91,67 Prozent.

Gesprächspartner Michael Weickert (CDU). Foto: Thomas Köhler

Wir sprachen im Anschluss mit Michael Weickert.

Herr Weickert, 92 Prozent Zustimmung – sind Sie zufrieden?

Ich bin sehr zufrieden. Ich bedanke mich für den großen Rückhalt den mir die Mitglieder der Leipziger CDU heute auf meinem Weg, auf unseren Weg gegeben haben. Und jetzt beginnt die Arbeit erst richtig.

Sie haben in Ihrer Rede einen Fünf-Punkte-Plan vorgestellt. Was hat Priorität für Sie?

Für mich ist jetzt erstmal Priorität, dass wir unser Wahlprogramm schärfen werden in den nächsten Wochen und Monaten. Die fünf Punkte, die ich genannt habe, Sicherheit und Sauberkeit, Wohnen, Wirtschaft, sozialer Zusammenhalt und eine bürgernahe und moderne Verwaltung. Darauf wollen wir aufbauen. Darauf wollen wir zusammen mit den Mitgliedern ein Programm aufbauen. Und ich denke, da sind wir auf einem guten Weg.

Sie haben den Vorschlag gemacht, die Anzahl der Beigeordneten zu reduzieren. Wir hatten schon mal einen weniger, jetzt wollen Sie zwei abbauen, wie soll das funktionieren?

Das ist natürlich ein Weg, der etwas länger dauern wird, weil wir ja Amtszeiten auch auslaufen lassen werden müssen. Aber es geht schon darum, dass wir eine Vision davon haben, wie die Stadtspitze in Zukunft aussehen soll, wie sie arbeiten soll. Und da geht es nicht darum, dass wir jetzt die Kürzung um des Selbstzweckes betreiben, sondern weil wir eine schlanke und effiziente Verwaltung haben wollen.

Sie erwarten, dass der Wahlkampf schmutzig wird. Ich habe mit fast allen bereits feststehenden Kandidaten gesprochen, alle wollen einen sauberen und fairen Wahlkampf.

Ja, das hören wir vor jeder Wahl. Das habe ich auch vor der Wahl 2020 gehört. Ich mache mir da aber keine Illusion, dass, wenn es dann ins Eingemachte geht, schon entsprechend gearbeitet wird. Wir werden das nicht machen, aber ich kann nur sagen, wenn es darauf ankommt, dass auch mit Dreck auf uns geworfen wird, werden wir nicht einfach das Haupt in die Neige bringen.

Nehmen wir mal an, Sie würden nächstes Jahr Oberbürgermeister werden. Was wären Ihre ersten Punkte und was wäre Ihre Vision für 2034?

Mein erster Punkt wäre es, auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung zuzugehen. Denn das ist das Wichtigste, was ein Oberbürgermeister braucht, ist der Rückhalt in seiner Verwaltung. Der zweite Schritt wäre, die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates an den Tisch zu holen, damit man einen gemeinsamen Weg in diesen schwierigen Haushaltsverhandlungen findet, um dann eben Leipzig zukunftssicher zu machen. Und ein erster Schritt in der Vision bis 2034 wäre, dass wir zumindest damit beginnen, den zweiten City-Tunnel zu planen.

Sie haben in Ihrer Rede gesagt, man soll sich nicht auf Berlin und Dresden verlassen, aber in Berlin und Dresden liegen noch Gelder für Pflichtaufgaben, die ausstehen. Wie würden Sie als Oberbürgermeister damit umgehen?

Es ist ja ein müßiger Kampf geworden, dass man deutlich sagen muss, dass wenn wir Aufgaben übergeholfen bekommen, dass wir dafür auch die notwendige finanzielle Ausstattung bekommen sollen. Ich glaube, was ein Oberbürgermeister in einer Stadt wie Leipzig braucht, ist vor allem Beharrlichkeit, auch auf Bundes- und Landesebene. Aber wir müssen schon unsere Haushaltsaufgaben auch selbst erledigen.

Herr Weickert, ich bedanke mich für das Gespräch.

Michael Weickert ist bis jetzt der achte Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters, er hat einen starken Rückhalt in seiner Partei. Wir werden im Laufe des Wahlkampfes mit weiteren Kandidaten sprechen. Bestimmt auch noch einmal mit Michael Weickert.

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Es gibt 7 Kommentare

> „Na wenn das nicht alle überzeugt.“
Nicht, dass mich Herr Weickert an jeder Stelle überzeugt hätte, oder dass er für mich der beste OBM-Kandidat wäre, aber wenn sie Alle sich so sicher sind, wie doof und untauglich er ist, könnten sie sich doch eigentlich entspannt zurücklehnen, oder? 🙂

> „mit ihm als OBM werden ALLE Leipziger Straßen pro Richtung ZWEISPURIG ausgeführt. “
Dieses inzwischen ziemlich politisch agierende Amt wieder zurück zu benennen wäre doch mal ein realistischer Anfang 🙂
Und dann mal ein paar gezielte Prüfaufträge… Man wird ja noch träumen dürfen.

„Wenn man das genau nimmt, ist das ein Aufruf die SPD (oder Grüne) zu wählen.“
Auf jeden Fall, damit die Rodung des Capa Wäldchen auch gelingt. Denn wie man sieht sind die größten Verfechter dieses Projekts Mitglied der SPD oder der Grünen. Was die Nachfolgepartei der SED angeht, naja wenn man älter ist sehr schwer.

Mit ihm als OBM werden ALLE Leipziger Straßen pro Richtung ZWEISPURIG ausgeführt. Aus Platzgründen wird das aber nicht markiert…

„Im Jahr 2029 dürfen in der Stadt der Friedlichen Revolution nicht jene Kräfte am Werk sein, die damals auf der falschen Seite der Geschichte standen.“
Davon mal ab, dass die Ost-CDU 40 Jahre lang das System mitgetragen und davon profitiert hat, ist das keine Werbung für den Kandidaten und die CDU. Wenn man das genau nimmt, ist das ein Aufruf die SPD (oder Grüne) zu wählen.

Also ich kann nur den Kopf schütteln über diesen Partei-Nachwuchs, dem man seine parteiinterne Kaderausbildung anmerkt, mir aber in Teilen als Möchtegernpolitiker stirnrunzelnd aufstößt. Ernst nehmen vermochte ich ihn bisher noch nie.

Schwierige Haushaltsverhandlungen, kann ich gut nachvollziehen, aber einen 2. Tunnel planen wollen? Wo ist der Mann stehen geblieben oder falsch abgebogen? Braucht er ein Leuchtturmprojekt, damit er allen in Erinnerung bleiben kann?

Allein die Erwartungsaussage der Wahlkampfschmutzigkeit lässt doch durchblicken, dass er als Erstprophet natürlich eine reine Weste hat, die es natürlich zu bezweifeln nicht gilt. Prophylaktische Verteidigung, bevor das Match begonnen hat.

„Nach 37 Jahren sozialdemokratischer Regierung ist es Zeit,…“ – was ist denn das für eine Argumentation.
Das CDU-Quengelkind meint also ‚Ich will jetzt aber auch mal!‘.
Na wenn das nicht alle überzeugt.

Auch ein Linken-Bashing („„Im Jahr 2029 dürfen in der Stadt der Friedlichen Revolution nicht jene Kräfte am Werk sein, …“) ist kein Argument (vor allem über 35 Jahre nach der Wende), sondern auch nur politischer Blasensprech, weil offenbar ernsthafte Inhalte fehlen.

Dieser Mensch dürfte eher für eine wirtschafts- und entwicklungsorientierte Linie seiner Partei stehen, die bisher regelmäßig zu Konflikten mit Umweltverbänden geführt hat, wie gerade zu beobachten.
Da steht er hinter der Stadtverwaltung, der er aber gern in den Hintern treten und die er verschlanken möchte, bevor er auf sie zugehen will.
Ich möchte keine Investoren-Großprojekte, unter denen man sich sonnen kann, und die keine weiteren Flächen verbrauchen, sondern Realpolitik.

Zeit wäre es für einen charismatischen, fähigen und pragmatisch agierenden Kandidaten, der eine größere Schar an Bürgern hinter sich versammeln könnte. Gern auch überparteilich und streitbar.
Allerdings fällt es mir in der aktuell bekannten Aufstellung schwer, einen solchen zu erkennen.
Alles nach diversen Kriterien ausgesiebte oder hingelobte Personen, die den Job machen sollen.
(Ja, den „überparteilichen“ Olympia-Kandidaten habe ich in meine Überlegungen bereits einbezogen.)

„auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung zuzugehen“
Wird er das vor, während oder erst tun, nachdem er der selben Verwaltung mal wieder Unfähigkeit und Arbeitsunwillen vorgeworfen hat?

„der Wahlkampf schmutzig wird, was aber an den anderen Parteien liegt“
Das stimmt schon. Die CDU arbeitet lieber mit Unwahrheiten und Lügen. Dafür gibts dann vereinsintern 91,67 Prozent.

Aber eigentlich will ich vom Michi nur wissen, wann er endlich den Superblock wieder abschafft. Vielleicht fragt Thomas das auch beim nächsten Mal.

„Ansonsten meint Michael Weickert, dass der Wahlkampf schmutzig wird, was aber an den anderen Parteien liegt.“

Den ersten Schmutz werfen, indem du allen Anderen gleich bei deiner Nominierung vorwirfst, mit Schmutz werfen zu wollen. Dieser Kandidat hat offenbar das Leitungsgeschick eines Rammbocks – zum Glück können OB’s keine Weltkriege vom Zaun brechen. Anyway, die Latte liegt niedrig.

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