Bis am Matthäikirchhof irgendetwas passiert, werden wohl noch Jahre vergehen. Und mancher Irrtum wird noch korrigiert werden müssen. Hier wollte die Stadt mit Bürgerbeteiligung die Vision eines neuen Stadtquartiers entwickeln – mit lauter Vorbedingungen, die von vornherein zu faulen Kompromissen zwangen. Weil aber auf Jahre nicht mit Investitionen zu rechnen ist, sollte der Matthäikirchhof eigentlich schon vorher als erlebbarer Ort geöffnet werden. Doch selbst das scheint nicht zu klappen.

Der Matthäikirchhof soll sich als „Ort der gelebten Demokratie“ entwickeln – mit dem zukünftigen Stasi-Unterlagen-Archiv Sachsen (Bundesarchiv) als zentralem Baustein. Um dieses Zentrum soll ein nutzungsgemischtes, urbanes Quartier entstehen, das öffentlich zugänglich ist und Räume für Wohnen, Bildung, Kultur und Teilhabe bietet. Aber bis dato kann man den Ort nicht erleben, die Tore sind verschlossen. Und Erlebnisangebote gibt es im alten Stasi-Areal auch keine. Außer einem Frösteln im leblosen Betongrau.

„Die Offenheit des Ortes ist unerlässlich für eine Zwischennutzung!“, erklärt Stadträtin Katharina Krefft, die die Grünen-Fraktion im Beteiligungsverfahren vertrat.

Aus dem breiten Beteiligungsprozess und mit Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen für eine Zwischennutzung des Matthäikirchhofes wurde die Urbact local Gruppe gegründet, die die Konzepterarbeitung für eine Zwischennutzung drei Jahre lang begleitete. Im Ergebnis skizzierte die Gruppe ein Kultur- und Bildungszentrum (KuBZ). Mit dem KuBZ soll der Matthäikirchhof-Code geknackt werden – ein Möglichkeitsraum soll niedrigschwellig, kulturübergreifend und alltagsnah gesellschaftspolitische Themen wie Demokratie, Freiheit und Teilhabe sichtbar machen.

Und so lautet auch der Beschluss des Stadtrates „Konzeptverfahren (Verkauf) Solitärgrundstück Matthäikirchhof und ‚Entwicklungskonzept zur Umsetzung des städtebaulichen Wettbewerbsergebnisses’“, wie er zum Jahreswechsel gefasst wurde.

„Entgegen der Empfehlung der Beteiligten wurde das Gebäude nach Auszug der Verwaltungseinheiten nicht unmittelbar in Nutzung gebracht“, erinnert Katharina Krefft an die vorausschauende Arbeit der Gruppe. Das leerstehende Gebäude erfuhr Vandalismus und wurde mehrfach in Brand gesetzt. Folglich wurde der Ort zum Schutz abgeriegelt: Zusätzlich zur notwendigen Videobeobachtung wurde das Areal mit Bauzäunen umstellt und die Tore wurden verschlossen.

Aus Anlass der Langen Tafel der Baukultur wurden am 19. Juni 2026 auf Einladung des Bunds Deutscher Architektinnen und Architekten Ideen entwickelt und Machbarkeiten diskutiert, die auf Öffnung, Möglichkeit und Ausprobieren setzen. In Leipzig gibt es von Wächterhäusern über Feinkost bis Tapetenwerk Vorbilder für die In-Nutzung und Bewahrung leerer Gebäude.

„Wir fragen nun im Rat, was aus dieser mahnenden Initiative im Ergebnis erwachsen kann“, verweist Katharina Krefft auf die Anfrage der Grünen-Fraktion, die nun nach der Sommerpause beantwortet werden soll.

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