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Wohnen als Wagnis? In Grünau können wir heute Menschen bei ihrem  realen Lebensmodell zuschauen, in dem es um benötigten Platz geht. Gleich ums Eck wird’s hingegen eher eng, zumindest was den Besuch im Gesundheitszentrum angeht. Musikgeschichte wird im Gewandhaus wiederbelebt. Und dann ist da noch ein Thema, das … na, lesen Sie selbst.

Hoffentlich ist es nichts mit den Beinen

Patienten des Gesundheitszentrums an der Selliner Straße in Grünau kommen vorerst nicht mehr mit den Buslinien 62 und 66 zu ihren Fachärzten. Wegen Instandsetzungsarbeiten auf dem dortigen Parkplatz können beide Linien die Haltestelle nach Auskunft der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) nicht bedienen. Die LVB geben für diese Änderung den Zeitraum bis zum 25. September 2026 an. Eine Ersatzhaltestelle für den ausfallenden Halt weisen die LVB in ihrer veröffentlichten Baustelleninformation nicht aus.

Die Linien selbst fallen nicht aus. Die Buslinie 62 verbindet Böhlitz-Ehrenberg über Burghausen, Rückmarsdorf und Miltitz mit Lausen/Wolkenweg. Die Linie 66 erschließt Grünau und fährt unter anderem über Allee-Center, Schönauer Ring, Kiewer Straße/Kaufland, Lausen, Grünau-Süd und S-Bahnhof Grünauer Allee.

Für Fahrgäste der Linie 66 kommt heute eine weitere Baustelleneinschränkung hinzu. Wegen Leitungsarbeiten in der Gärtnerstraße wird der Bus ab S-Bahnhof Grünauer Allee örtlich bis zur Hermann-Meyer-Straße umgeleitet. Die Haltestelle Gärtnerstraße wird ersatzweise in der Nikolai-Rumjanzew-Straße bedient. Nach den aktuellen Angaben endet auch diese Änderung am 25. September.

Heute kluges Wohnen gucken

Wir bleiben in Grünau – und das ganz ohne Bus. Heute können Interessierte in Grünau ein Wohnexperiment kennenlernen, das einen geringeren Flächenverbrauch mit flexibel nutzbaren Wohnungen verbinden soll. Die AG Stadtentwicklung und Mobilität des Leipziger Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen lädt um 17:30 Uhr zu einer Exkursion zum Projekt „Nukleuswohnen“ in die Liliensteinstraße 29–33 ein. Geplant sind eine Führung sowie Gespräche mit Betreibern und Probewohnenden über nachhaltiges und bezahlbares Wohnen im Bestand.

Die Grundidee des Nukleuswohnens entstand im Umfeld der Münchner Wohnungsbaugenossenschaft Kooperative Großstadt eG und wurde erstmals im Projekt San Riemo umgesetzt. Seit 2022 wird das Konzept zusammen mit einem Team der RWTH Aachen weiterentwickelt und erforscht. In Leipzig wird nun untersucht, wie es sich auf einen bestehenden WBS-70-Plattenbau der Wohnungsgenossenschaft Lipsia eG übertragen lässt (LZ berichtete). Der Begriff „Nukleus“ bezeichnet dabei den privaten Kern einer Wohnung. Im Leipziger Demonstrator ist eine solche Grundeinheit für ein bis zwei Personen vorgesehen und umfasst etwa 33 Quadratmeter mit Wohnküche, Bad, Balkon und meistens einem Schlafzimmer. Je nach Lebenssituation können weitere Zimmer hinzukommen und später wieder abgegeben werden. Die Kooperative Großstadt spricht deshalb vom „atmenden Haus“.

Sieht aus, wie ne bisherige Wohung, kann aber einer Lego-Puppenstube gleich nach realistischem Bedarf angepasst werden. Foto: Thomas Köhler

Anders als in einer klassischen Wohngemeinschaft bleibt der Nukleus eine eigenständige private Grundeinheit; zusätzliche Zimmer können flexibel zugeordnet und weitere Räume gemeinschaftlich genutzt werden. Der Demonstrator in Grünau umfasst fünf Grundeinheiten, acht Individualzimmer sowie Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss und bietet während der Erprobung Platz für mindestens zwölf und maximal 18 Personen.

Mit dem Konzept verbindet sich der Begriff des „suffizienten“ Wohnens. „Suffizienz“ leitet sich vom lateinischen „sufficere“ ab und bedeutet „ausreichen“ beziehungsweise „genug sein“. Während Effizienz darauf zielt, eine Leistung mit weniger Energie oder Material zu erreichen, fragt Suffizienz danach, wie viel überhaupt benötigt wird. Beim Wohnen bedeutet das beispielsweise, nicht dauerhaft mehr private Fläche vorzuhalten, als tatsächlich gebraucht wird. Die ersten Testwohnungen wurden am 15. Juni 2026 bezogen.

Schätze heben im Gewandhaus

Bevor wir uns erneut einem baulichen Thema zuwenden, blicken wir auf ein spannendes Kapitel Musikgeschichte. Ein diesbezügliches Wiederentdeckungsprojekt bringt heute um 20 Uhr das belgische Ensemble „Terra Nova Collective“ in den Mendelssohn-Saal des Gewandhauses. „Die Stimme, die fehlt“ stellt Pieter Van Maldere (1729–1768) vor, einen zu Lebzeiten erfolgreichen, heute weitgehend vergessenen Komponisten.

Der Musiker am Brüsseler Hof von Karl von Lothringen wurde unter anderem in Wien, Paris und Dublin gespielt. In Joseph Haydns sogenanntem Quartbuch werden ihm 33 Sinfonien zugeschrieben, von denen 18 erhalten sind. Das Terra Nova Collective hat diese erstmals vollständig auf historischen Instrumenten eingespielt: mehr als vier Stunden Musik auf 57 Tracks. Der erste Teil der dreiteiligen Album-Serie, „Symphonies Vol. 1 – Haydns Quartbuch Symphonies von Pieter van Maldere“, erschien am 4. September 2026 beim Leipziger Label GENUIN. Im Gewandhaus trifft eine Sinfonie Van Malderes auf Wolfgang Amadeus Mozart.

Dessen Sinfonie g-Moll KV 550 erklingt in der Urfassung ohne Klarinetten, bevor die zuvor fehlende Klangfarbe in Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 ins Zentrum rückt, dessen Adagio als tragendes Element der Filmmusik zu Sydney Pollacks „Out of Africa“ auch Hollywood eroberte. Vlad Weverbergh leitet das Ensemble und spielt den Solopart auf der Bassetklarinette. Das Gewandhaus bezeichnet Van Maldere für seine Zeit als „keineswegs eine Randfigur“. Das Konzert gehört zum ZeitenKlänge Musikfestival 2026/27; am 4. Oktober 2026 folgt eine Aufführung im Stadtcasino Basel.

Für heute sind an der Abendkasse noch Karten erhältlich.

Er grub die Werke von Pieter van Maldere wieder aus. Vlad Weverbergh gastiert heute ik Gewandhaus. Foto: Guy Kleinblatt

Wie soll die Westvorstadt künftig aussehen?

Heute endet die öffentliche Beteiligung am Bebauungsplan Nr. 483 „Innere Westvorstadt“. Und nur noch heute können Bürger Stellungnahmen zu den Planungen für das Gebiet zwischen Dittrichring, Zentralstraße, Apels Garten, Martin-Luther-Ring, Karl-Tauchnitz-Straße, Max-Beckmann-Straße und Käthe-Kollwitz-Straße abgeben.

Die Unterlagen liegen im Stadtplanungsamt im Neuen Rathaus von 8 bis 15 Uhr sowie im Stadtbüro am Burgplatz von 13 bis 18 Uhr aus und sind HIER ONLINE verfügbar. Stellungnahmen sind über das Beteiligungsportal oder per E-Mail an Stadtplanung.Stellungnahmen@leipzig.de möglich. Verspätete Stellungnahmen können bei der späteren Beschlussfassung unberücksichtigt bleiben.

Mit dem Bebauungsplan will Leipzig die weitere Bebauung des Quartiers steuern und Grün- und Freiräume sichern. Vorgesehen sind unter anderem Regelungen für Grünflächen in Blockinnenbereichen, Regenwasserbewirtschaftung und Straßenbäume. Südlich der Gottschedstraße zwischen Bosestraße und Zentralstraße soll unter Einbeziehung des Sondergebiets „Gedenkstätte Synagoge“ eine öffentliche Grünfläche mit Spielmöglichkeiten entstehen.

Mindestens 60 Prozent der jeweiligen Dachflächen von Hauptanlagen sollen mit Solaranlagen einschließlich der zugehörigen Nebenflächen ausgestattet werden. Untersucht werden unter anderem Lärm, Altlasten, Luftqualität, Bioklima, Starkregen und Niederschlagswasser; auch eine mögliche Offenlegung des dortigen Teilstücks des Pleißemühlgrabens sowie Veränderungen von Straßenräumen und Verkehrsführungen gehören zur Planung. Der Stadtrat beschloss die Veröffentlichung des Entwurfs am 2. Juli 2026.

Ein Teil des Planungsgebietes liegt in einem vorberechneten Überschwemmungsgebiet, was bei Bauplanungen zu berücksichtigen ist. Quelle: Bebauungsplan Nr. 483

 

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