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Energie, Energieträger und ihre Bepreisung sind, nicht erst seit dem Krieg im Iran, in aller Munde. Besonders aus Unternehmenskreisen gibt es ständig Forderungen nach schnellen, am besten sofortigen, Energiepreissenkungen und die Politik reagiert oft konfus, wie aktuell mit dem Tankrabatt 2.0.

In diesem aufgeheizten Umfeld veranstaltet die Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände Ostdeutschlands und Berlins das 15. Ostdeutsche Energieforum, welches vom 30. September bis 1. Oktober in Leipzig stattfindet.

Erwartet uns dort nur Gejammer über hohe Energiepreise, oder geht es um die zukünftige Gestaltung der Energieversorgung? Wir wollten nicht bis zur offiziellen Pressekonferenz warten und trafen uns mit dem Geschäftsführer des Verbandes Lars Schaller zum Gespräch,

Das Gespräch

Herr Schaller, eine ostdeutsche Konferenz zu Energiethemen, da erwartet man in dieser Zeit eigentlich hauptsächlich Beschimpfungen der Politik. Also: Sprit ist zu teuer, Energie ist zu teuer, allgemein ist alles zu teuer, es ist alles Mist, wir brauchen Entlastungen! Ist das zu erwarten, oder ist der Zweck dieser Konferenz ein anderer?

Wir nutzen natürlich das Energieforum, um unsere Position bei der Energiepolitik, gerade bei den steigenden Energiepreisen, darzustellen. Die Energiepreisentwicklung ist natürlich auch für unsere mittelständischen Unternehmen eine Herausforderung, es besteht also die Notwendigkeit herüberzubringen, warum wir dort Entlastung brauchen. Auf der anderen Seite, das war schon immer das Ansinnen des Energieforums, ist es uns wichtig, alle Parteien an einen Tisch zu holen. Also sprich Verwaltung, Politik, Wissenschaft, Mittelstand und auch gesellschaftliche Gruppen, um gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten. Also es bewegt sich so ein bisschen dazwischen, wir werden unsere Forderungen, die wir gegenüber der Politik haben, artikulieren, auf der anderen Seite aber auch alle Akteure zusammenzubringen.

Die aktuellen Forderungen, die zum Beispiel die IHK und einzelne Unternehmer formulieren, sind Spritpreissenkung und Strompreissenkung. So verständlich diese sind, sind es Forderungen nach kurzfristigen, schnellen Lösungen, aber nicht nach einer langfristigen Energiestrategie.

Das hat nicht erst jetzt begonnen, diese Strategie verlangen wir schon, seitdem es das Ostdeutsche Energieforum gibt. Wir hatten verschiedene Positionspapiere dazu erarbeitet, es gab natürlich auch immer Veränderungen in der Ausrichtung, innerhalb der Bundesrepublik. Der Atomausstieg war damals unser Grund, da haben wir gesagt, wir glauben, das wird sich irgendwie auf das Energiesystem auswirken. Wir müssen dort aktiv werden. Dann kam jetzt der Ausstieg aus der Braunkohle und jetzt ist der letzte Atommeiler vom Netz. Eine langfristige Strategie hat uns schon in jeder Bundesregierung, egal welcher Couleur, gefehlt, eine Strategie ist nicht erkennbar. Was jetzt angedacht ist, sind kurzfristige Maßnahmen. Das geht aber aus unserer Sicht am Ziel vorbei. Wir müssen grundsätzlich schauen, wie kriegt man dieses Zieldreieck von Versorgungssicherheit, Ökonomie und Ökologie in ein Gleichgewicht.

Wenn wir über Ökonomie sprechen, dann gehört dazu, dass die Versorgung mit fossilen Energieträgern, von denen ein großer Teil der Energieversorgung und fast der gesamte Transportsektor abhängig sind, unzuverlässig geworden ist. In der globalen Lage, mit der Sperrung der Straße von Hormus und dem Krieg in der Ukraine, steigen die Preise und Lieferungen verzögern sich oder fallen aus. Müsste man nicht sagen, dass wir weg von dieser Abhängigkeit kommen müssen?

Das ist genau dieses Spannungsfeld, welches wir zwischen den drei Komponenten unbestritten haben. Neben der Versorgungssicherheit, die damit einhergeht, haben wir uns alle verpflichtet, CO₂-Emissionen zu reduzieren, mit dem Pariser Klimaabkommen bis 2045 und auch die Maßnahmen der Bundesregierung sind bis 2050 festgeschrieben. Jetzt muss man sagen, wir haben viel in die Erneuerbaren reingesteckt und jetzt stirbt das Ganze wieder ein bisschen ab. Wir machen uns zunehmend abhängig von den Zulieferern im Solar- und im Windenergiebereich, viele Rohstoffe und die meisten Solarpaneele kommen aus China. Mit Meyer Burger haben wir den letzten Produzenten von Solarmodulen verloren.

Was sagen Sie als Vertreter des Unternehmerverbandes dazu, dass der ganze Abbau der Solarindustrie politisch gewollt was, man spricht ja vom Altmaier Knick, mit dem wir uns sehenden Auges wieder abhängig gemacht haben?

Also jetzt sind wir in zwei Richtungen abhängig, bei den Erneuerbaren als auch bei den fossilen Energieträgern. Mit dem Ausstieg aus der Kohleverstromung wird das Nächste kommen. Wir haben einen heimischen Energieträger, so schlecht dieser auch für die Klimabilanz ist. Für das Thema Versorgungssicherheit sehe ich ihn immer noch als wichtigen Faktor.

Der Abbau dieses Wirtschaftszweiges hat ja gerade die sächsischen Regionen Bitterfeld-Wolfen oder Freiberg stark getroffen. Und das ist natürlich etwas, wo wir als Mittelstandsvertreter natürlich auch darauf hinwirken müssen. Natürlich geht es um das Thema Preise, ob wir diese über Erneuerbare herunterbekommen. Wir befinden uns als Verband da in einem Spannungsfeld, weil wir die Erneuerbaren pushen wollen und diese auch als ein Zukunftsfeld für Ostdeutschland sehen. Auf der anderen Seite sehen wir die aktuellen Probleme nicht nur für die energieintensiven Unternehmen die mit den hohen Preisen zu kämpfen haben.

Sie sprachen vorhin davon, dass bei dem Forum Politik, Verwaltung, Wirtschaft und auch die Zivilgesellschaft vertreten sein werden. Wer wird denn alles dabei sein?

Wir haben aus den genannten Gruppen viele verschiedene Vertreter dabei. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium, aus dem Bundesumweltministerium, Regierungsvertreter aus den Ländern Sachsen und Thüringen, das ist die politische Schiene. Vertreter aus der Wissenschaft kommen von der HTWK Leipzig und der TU Dresden. Von der Energiewirtschaft kommen Vertreter der LEAG, von der VNG, von EnviaM, vom Batteriehersteller CATL aus Arnstadt, von den Stadtwerken Leipzig als regionaler Energieversorgung und andere. Bei Vertretern aus der Wirtschaft und dem Mittelstand, sind wir breit aufgestellt, unter anderem kommt auch der Präsident der IHK Leipzig und weitere Ansprechpartner aus dem Bereich der Erneuerbaren und aus der energieintensiven Wirtschaft.

Das klingt spannend. Auf einem Forum wird diskutiert, werden Gedanken und Ideen ausgetauscht, es werden aber keine Entscheidungen getroffen. Ich nehme aber an, Sie wollen Einfluss auf die Politik nehmen, vielleicht auch in Richtung einer langfristigen Energiestrategie?

Nicht nur ich bin da ein bisschen desillusioniert. Ich mache das Forum seit 15 Jahren. Wir sind alle desillusioniert, was das betrifft. Die langfristige Strategie sehen wir nicht. Ehrlich gesagt kann man da von Partei zu Partei gucken. Ich sehe das nicht.

Letzte Frage, warum die Konzentration auf Ostdeutschland?

Die Frage wird uns oft gestellt und wir stellen uns diese auch immer wieder. Energiepolitik kann man nicht nur im ostdeutschen Rahmen, sondern muss sie im deutschen, beziehungsweise im europäischen Rahmen betrachten. Tatsächlich gab es schon die Überlegung, das als europäisches Energieforum oder ähnlich zu definieren.

Wir haben aber gesagt, dass wir gewisse Voraussetzungen in Ostdeutschland haben, die uns im Energiebereich einige Chancen ermöglichen. Wir haben die Fläche und wir haben die Netze. Wir können eigentlich unser ganzes Asset, welches wir haben, gut nutzen. Deswegen haben wir uns vorerst auf Ostdeutschland konzentriert, da muss man natürlich sagen, das war vor 15 Jahren. Da hatte man auch noch andere strukturelle Voraussetzungen in Ostdeutschland. Wie gesagt, wir sind jedes Jahr am Überlegen, ob das so bleibt. Es gibt auch andere verschiedenste Energiekongresse in Deutschland und unser Fokus und unser Mehrwert ist eben so entstanden. Also, das Ostdeutsche im Namen ist kein Ausschlusskriterium, es ist nur historisch entstanden.

Vielen Dank Herr Schaller, bei der Pressekonferenz erfahren wir dann gewiss noch mehr Details.

Fazit: Die Unternehmerverbände von Berlin, Brandenburg-Berlin e.V., Norddeutschland, Rostock-Mittleres Mecklenburg, Mecklenburg-Schwerin, Sachsen, Sachsen-Anhalt e.V. und Thüringen verfassten 2025 ein gemeinsames Positionspapier, in der sie zehn Handlungsfelder für eine mittelstandsfreundliche Energiepolitik definierten. Diese Handlungsfelder sind auch heute aktuell, in etwas mehr als einer Woche wissen wir wie die aktuellen Forderungen lauten.

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