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Das Stadtbad in Leipzig ist in die Jahre gekommen, 110 Jahre nach seiner Erbauung und 22 Jahre nach der Schließung ist seine Zukunft ungewiss. Die Stadt Leipzig wollte es verkaufen und fand keinen Käufer mit einem tragbaren Konzept. 2021 beschloss der Stadtrat das Ende der Verkaufsbemühungen und den Verbleib in städtischem Besitz.
Momentan finden dort Dinnershows und andere Events statt, einige Sanierungen zur Erhaltung der Bausubstanz wurden durchgeführt und es gibt einen Haushaltsantrag der SPD-Fraktion im Leipziger Stadtrat. Die SPD fordert, die Immobilie soll nun doch verkauft werden. Dagegen regt sich der Widerstand der Förderstiftung Leipziger Stadtbad und auch die Stadtverwaltung hat Einwände.
Die Förderstiftung Leipziger Stadtbad hat eine Vision: „Mit dem sanierten Stadtbad werden in einem einmaligen historischen Ambiente Möglichkeiten für Entspannung, Erholung und aktive Gesundheitsvorsorge geschaffen. Neben der Erhaltung von Wasserflächen sowie der orientalischen Sauna soll das Haus einem breiten Spektrum für Wellness, Gesundheitsvorsorge, Erholung und Bildung Platz bieten.“
Wir haben bei der Förderstiftung nachgefragt. Dirk Thärichen, einer der Vorstände, gab uns gern Antworten. Aufgrund terminlicher Probleme haben wir die Kommunikation per Mail durchgeführt.

Herr Thärichen, im nächsten Monat wird die Förderstiftung, als selbständige Stiftung 17 Jahre, insgesamt aber schon 20 Jahre alt. In dieser Zeit ist einiges passiert am Stadtbad, das oben genannte Ziel scheint aber kaum erreichbar zu sein. Jetzt hat die SPD-Fraktion im Stadtrat einen Antrag eingebracht, der wieder den Verkauf an einen privaten Investor zum Ziel hat. Kann die Förderstiftung ihr selbst gestecktes Ziel überhaupt noch erreichen?
Die Förderstiftung Leipziger Stadtbad wurde 2006 mit dem Ziel gegründet, das unter Denkmalschutz stehende historische Stadtbad Leipzig zu erhalten, zu sanieren und der Öffentlichkeit zur Nutzung wieder zugänglich zu machen. Dabei soll es nach Möglichkeit seiner ursprünglichen Funktion wieder zugeführt werden. Trotz langjähriger Verkaufsbemühungen seitens der Stadt Leipzig konnte kein Investor für die Sanierung und den Betrieb gefunden werden.
Gemeinsam mit dem Liegenschaftsamt hat die Förderstiftung weitere Untersuchungen veranlasst, welche den vom Stadtrat geforderten Variantenvergleich (große oder kleine Badlösung) betrachten. Für uns als Förderstiftung ist es wichtig, dass hier ein tragfähiges Konzept gefunden wird, welche ohne jährliche Zuschüsse aus dem Haushalt der Stadt Leipzig auskommt. Aktuelle Zwischenergebnisse machen hier Mut.
Mit dem zuständigen Bürgermeister Clemens Schülke ist abgestimmt, dass dem Stadtrat als Nächstes eine Vorzugsvariante für den künftigen Betrieb vorgestellt werden soll. Letzte Untersuchungen dazu laufen momentan. Erst wenn der Stadtrat hier entschieden hat, ist es möglich Mittel für die Sanierung einzuwerben.
Die Förderstiftung Leipziger Stadtbad ist fest davon überzeugt, dass eine Sanierung und Wiedereröffnung als Stadtbad möglich ist.
In welchem Zustand ist die Bausubstanz des Gebäudes und der Installationen zurzeit?
2021 wurde der Verkaufsbeschluss durch den Stadtrat aufgehoben und zugleich Mittel für eine Machbarkeitsstudie zur Revitalisierung des Stadtbades freigegeben. Diese Mittel flossen in eine umfangreiche Studie zur Untersuchung von Bausubstanz und zu erwartenden Investitionskosten für die Sanierung. Daher wissen wir sehr genau, dass die Bausubstanz in einem verhältnismäßig guten Zustand ist.

Das Leipziger Stadtbad hatte zur Zeit seiner Erbauung eine geradezu revolutionäre Technik, denkt man nur an die Wellenanlage. Was ist davon übrig und was lässt sich retten?
Zur Eröffnung im Jahr 1916 war die UNDOSA-Wellenanlage die erste in Europa, die in einem Hallenbad verbaut war. Sie erschuf bis zu ein Meter hohe Wellen. Die Technik der ersten Wellenanlage ist nicht mehr erhalten. In den 80er Jahren wurde sie durch eine pneumatische Anlage ersetzt. Diese ist zwar noch vorhanden, aber nicht mehr funktionstüchtig. Dies gilt generell für die gesamte Technik im Haus. Lediglich im Veranstaltungsbereich (Männerschwimmhalle und Nebenräume) wurden Elektrik und Sanitärinstallationen erneuert, um den Anforderungen für die Genehmigung einer Versammlungsstätte gerecht zu werden.
Welche finanziellen Mittel wurden durch die Förderstiftung bisher eingeworben und in die Sanierung des Gebäudes investiert?
Es ist tatsächlich schwer Mittel für die Revitalisierung einzuwerben, wenn noch nicht einmal feststeht, was aus dem Stadtbad werden soll. Auch die langjährigen Verkaufsbemühungen der Stadt Leipzig haben nicht zu einer Erhöhung der Spendeneinnahmen beigetragen. Dennoch generiert die Förderstiftung Einnahmen durch Führungen Veranstaltungen und auch einige Spenden. Diese werden meist noch im selben Jahr für Studien zur Entwicklung ausgegeben. Hier unterstützen wir den Eigentümer – die Stadt Leipzig – durch Übernahme dieser Kosten.
Dafür dass das Stadtbad noch immer in einem sehr soliden Zustand ist, trägt die Förderstiftung einen erheblichen Anteil. So hätten ohne Vorarbeiten der Stiftung die Mittel aus dem Konjunkturpaket II für die energetische Dachsanierung nicht eingeworben werden können. Insgesamt wurden ca. 5 Mio. Euro in den letzten 20 Jahren in den Erhalt des Stadtbades investiert, die direkt oder indirekt mit dem Wirken der Stiftung zu tun haben.
Wie hoch ist der Finanzbedarf um Ihr selbst gestecktes Ziel zu erreichen und ist das ohne einen Großinvestor überhaupt zu schaffen?
Dazu ist die Förderstiftung im engen Austausch mit dem Liegenschaftsamt und der Wirtschaftsförderung. Nach aktuellem Stand kostet die Sanierung des gesamten Gebäudekomplexes knapp 80 Mio. €. Auch mit Investor wird eine Sanierung ohne Fördermittel kaum möglich sein. Daher warten wir die Entscheidung des Stadtrates ab, für welche Nutzungsvariante wir alle gemeinsam kämpfen wollen und unterstützen dann aktiv bei der Akquise von Finanzmitteln.
Gibt es Ihrerseits einen „Fahrplan“ für das Stadtbad?
So sehen wir die Zukunft: Wenn durch den Stadtrat eine Entscheidung für eine Entwicklungsvariante des Stadtbades getroffen worden ist, können wir als Stiftung aktiv werden.
Fazit: Dirk Thärichen legt, für die Förderstiftung, Optimismus für eine spätere Wiedereröffnung des Stadtbades teilweise in seiner ursprünglichen Funktion an den Tag. Die Stadtverwaltung sagt: „Die Verwaltung arbeitet gemeinsam mit der Förderstiftung des Stadtbades an Kostenschätzungen, die einen (teilweisen oder alternativen) Badbetrieb erlauben würden.“ Das bedeutet auch, die von Dirk Thärichen genannte Investitionssumme von etwa 80 Millionen Euro ist nur eine Schätzung, es kann auch teurer werden. Es bleibt abzuwarten für welche Vorzugsvariante der Stadtrat sich entscheidet, welche tatsächlichen Kosten dann entstehen und wie diese Finanzmittel aufgebracht werden können.
Eine persönliche Anmerkung des Autors: Ich habe im Stadtbad in den 1960-er Jahren Schwimmunterricht gehabt, wir haben uns als Kinder und Jugendliche dort zum Baden getroffen. Die ersten Saunagänge habe ich ebenfalls dort gehabt. Rein emotional fände ich eine Wiedereröffnung gut, ob sich das wirtschaftlich darstellen lässt – daran habe ich Zweifel.
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