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Die meisten kunstinteressierten Menschen kennen wohl ausschließlich die typografischen Arbeiten des Leipziger Künstlers Hans (Hans-Olaf) Bote. Die andere Seite seines Schaffens, die Gemälde zeigt aktuell die Leipziger Galerie akanthus im Westwerk. Im Raum 2 ist die Ausstellung unter dem Titel „Im Land der Tugend“ zu sehen.

Wir haben uns selbstverständlich nicht nur Hans Botes Werke angeschaut, auch die Werke einer Vielzahl von Leipziger, nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern in der Dauerausstellung ist beeindruckend. Der Galerist Jürgen M. Pietsch beantwortete gern unsere Fragen.

„Prometheus fürchtet sich“ Gemälde von Jürgen Schäfer. Foto: Thomas Köhler

Herr Pietsch, seit wann gibt es die Galerie akanthus hier im Westwerk?

Uns gibt es hier vor Ort seit 2019, und wir betreiben die Galerie in zwei Räumen. Raum 2 ist für Wechselausstellungen da und dieser Raum ist für die Künstler da, die mir besonders am Herzen liegen. Die sind also ständig präsent.

Das Westwerk ist ja nicht der bevorzugte Standort für eine Galerie in Leipzig, man denkt da eher an die Baumwollspinnerei. Ist der Standort für Sie optimal?

Ja, es ist ein guter Standort, natürlich ist er nicht zu vergleichen mit der Ansammlung von zwölf oder 15 Galerien in der Spinnerei. Das muss aber auch nicht sein. So ein Alleinstellungsmerkmal hat auch viele Vorteile und die Kunden gewöhnen sich daran und kennen den Standort.

Wir machen auch viel Werbung, das muss man auch tun für so einen Standort. Wobei, das gilt für alle Galerien, Laufkundschaft nicht die entscheidende Kundschaft ist. Sie ist gern gesehen, überhaupt keine Frage, man hat eigentlich immer interessiertes, freundliches Publikum.

Welche von letztgenannten Künstlerinnen und Künstlern sehen wir hier?

Verschiedene Objekte von Eckhard Meisel. Foto: Thomas Köhler

An allererster Stelle ist natürlich Gerhard Kurt Müller zu nennen. Einer der Leipziger Maler, zweimaliger Rektor der Kunstschule, er hatte eine Professur an der HGB, seine Arbeiten sind hier immer präsent, weil die Gerhard Kurt Müller Stiftung zumindest bis Jahresende keine eigenen Räume hat. Gerhard Kurt Müller war eine Figur, die mehrere Generationen von Künstlern geprägt hat.

Wer ist noch zu nennen? Als nächster wäre Strawalde, ein Berliner Künstler, zu nennen. Er war gebürtig im Raum Dresden, hat in Dresden studiert und auch gelehrt. Er war mit Gerhard Richter befreundet und Penck war sein Schüler. Strawalde ist gerade 95 geworden, aus diesem Grunde zeige ich ihn ein zweites Mal, mit Malerei und Zeichnung über einen großen Zeitraum hinweg. Es wird also auch ganz aktuelle Zeichnungen von Strawalde geben.

„Ohne Titel“ Gemälde von Christiane Wachter, rechts auf dem Sockel die Skulptur Thrax von Timm Kregel. Foto: Thomas Köhler

Zu nennen ist Gerda Lepke, sie ist so etwas wie die Grande Dame der ostdeutschen Malerei, lebt in Dresden und in Gera und ist bekannt für ihre Malereien und Zeichnungen.

Momentan zeige ich in diesem Raum auch Peter Laube, einen Künstler, der leider viel zu jung verstorben ist. Er ist bekannt für seine Federzeichnungen, das sind diese winzig kleinen, ganz aufwendigen Zeichnungen dort.

Also diese, die ich als Miniaturen bezeichnen würde?

„Ohne Titel“ Grafik von Peter Laube. Foto: Thomas Köhler

Ja, genau. Peter Laube hat in seinem kurzen Künstlerleben über 50 Bücher illustriert, er war ein unglaublich fleißiger Künstler. Was die Internationalität angeht, finden Sie hier tatsächlich Künstler aus Italien, aus Litauen, auch anderen Ländern, so wie es gerade anfällt.

In der Wechselausstellung zeigen Sie gerade Hans Bote?

Robo Pleasure Girl, Gemälde von Hans Bote. Foto: Thomas Köhler

Er ist ein Leipziger Künstler, hat an der HGB Malerei und Zeichnen studiert und ist vielen bekannt als ein Künstler, der typografische Kunstwerke schafft. Zum ersten Mal zeigen wir seinen großen Vorrat an Gemälden. Also es ist tatsächlich eine Premiere.

Ich kannte ihn tatsächlich auch nur mit den typografischen Arbeiten und wusste nicht, dass er gemalt hat.

Er hat aus welchen Gründen auch immer seine Gemälde zurückgehalten. Umso mehr freut es mich, dass ich sie zeigen kann. Und es ist eine sehr aufregende, es ist auch eine provokante Ausstellung natürlich. Durchaus. Das darf es auch mal sein, Kunst soll und kann und muss provozieren.

Sie haben auch Skulpturen, von wem sind diese?

Da ist für die Galerie Timm Kregel ganz wichtig. Ein Bildhauer, der mit Aluminium arbeitet. Was Sie da sehen, ist Aluminiumguss in Verbindung mit Holz, das ist technisch aufwendig und ganz brillant, wie er das beherrscht. Sie müssen sich vorstellen, 600 Grad heißes Aluminium fließt um Holz, da ist nicht viel Zeit.

Das gibt aber tolle Effekte, wie man sieht.

Genau, auch Eckhard Meisel gehört zu den Künstlern, die ich ein fast ein Leben lang begleite. Er ist ein Leipziger Maler, Grafiker, Objektkünstler, Keramiker, da gäbe es noch ganz viel zu sagen, ein großartiger Maler.

Sie kommen gerade aus Italien zurück, das habe ich vorhin mitbekommen. Was haben Sie dort gemacht?

Arbeiten von Brunivo Buttarelli, auf dem Tisch rechts die Skulptur Rigermogliazione. Foto Thomas Köhler

Ich war in Italien tatsächlich, um mir die große Ausstellung zum Lebenswerk, eines meiner Künstler, anzusehen und ihm zum achtzigsten Geburtstag zu gratulieren. Das gehört dazu, ich bin öfter bei diesem Künstler, weil er in Italien sehr bekannt ist. Eine seiner Arbeiten hängt auch in New York im MoMA, ein ähnliches Werk hat sich ein Leipziger Sammler gesichert. Die Werke von Brunivo Buttarelli sind schon beeindruckende Kunst.

Machen wir hier Schluss, Herr Pietsch. Ich bedanke mich für das Gespräch und die Möglichkeit mir Ihre Galerie anzuschauen.

Die Ausstellung der Gemälde von Hans Bote geht noch bis zum 14.11.2026, die Werke von Peter Laube werden noch bis zum 28.11.2026 gezeigt. Die genauen Daten und Öffnungszeiten sind hier zu finden.

Auch das ist Kunst – Graffiti am Westwerk. Foto: Thomas Köhler

Disclaimer: Eine Kunstgalerie ist selbstverständlich kein Museum, sondern ein kommerzielles Unternehmen. Das hat den Vorteil, man muss keinen Eintritt zahlen. Die Galeristen freuen sich durchaus über interessierte Besucherinnen und Besucher und vielleicht verliebt sich ja der oder die eine in ein Objekt. Nicht alle kosten ein Vermögen.

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