Die Arthur-Hoffmann-Straße gehört schon seit Jahren zu jenen Straßenprojekten, die von der Stadt immer wieder verschoben werden. Seit Jahren weisen Schilder auf Straßenschäden gerade im Gleisbereich hin. Bis auf ein winziges Stück im Norden gibt es keine ausgewiesenen Radfahrstreifen. Das muss alles nichts mit dem tragischen Unfalltod einer jungen Radfahrerin am Mittwoch, 21. Oktober, zu tun haben. Aber für den Leipziger Ökolöwen macht dieser Unfall einmal mehr deutlich, dass Radfahrstreifen auf der gesamten Straßenlänge bis heute fehlen.

„Mit großer Bestürzung hat der Ökolöwe e.V. vom Tod einer 20-jährigen Radfahrerin infolge eines Verkehrsunfalls auf der Arthur-Hoffmann-Straße erfahren. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie, ihren Freund/-innen und allen Angehörigen“, betont der Ökolöwe. Formuliert dann aber seine deutliche Forderung: „Auf der Arthur-Hoffmann-Straße fehlen bis heute sichere Radwege. Der Ökolöwe e.V. setzt sich seit Jahren dafür ein, dass Menschen dort sicher mit dem Fahrrad unterwegs sein können, und hat konkrete Vorschläge für die Umgestaltung der Straße vorgelegt.“

Warten seit 2012

Wie lange die Arthur-Hoffmann-Straßer tatsächlich schon darauf wartet, dass hier einfach mal ein paar Radfahrstreifen aufgetragen werden, merkt der Ökolöwe dann auf seiner eigenen Website zur Arthur-Hoffmann-Straße an: „Im Radverkehrsentwicklungsplan der Stadt Leipzig wurden bereits 2012 viele neue Radwege beschlossen, von denen bis heute leider nicht alle umgesetzt wurden.

Das haben wir Ökolöwen immer wieder kritisiert und deshalb im November 2020 eine Petition für neue Pop-up-Radwege in Leipzig gestartet. Unser Ziel: endlich mehr Tempo beim Ausbau von Leipzigs Fahrradinfrastruktur! Im Oktober 2021 kam dann ein wichtiger Erfolg für uns Ökolöwen: Der Stadtrat stimmte unserer Forderung für mehr Radwege in Leipzig zu. Viele dieser beschlossenen Radwege flossen anschließend in das neue ‚Aktionsprogramm Rad‘ des Verkehrsamtes ein und sollen nun Stück für Stück umgesetzt werden.“

So können Radfahrstreifen in der Arthur-Hoffmann-Straße aussehen. Visualisierung: Ökolöwe
So können Radfahrstreifen in der Arthur-Hoffmann-Straße aussehen. Visualisierung: Ökolöwe

Doch die Arthur-Hoffmann-Straße hat – bis auf ein ganz kurzes Stück –-auf ihrer kompletten Länge zwischen Arno-Nitzsche-Straße und dem Bayrischen Platz keinerlei Markierungen für Radfahrer/-innen.

Stark befahrene Parallelroute zur KarLi

„Aus Ökolöwen-Sicht braucht sie das auch nicht, um fahrradfreundlich zu werden: Im südlichsten Abschnitt zwischen Arno-Nitzsche-Straße und Richard-Lehmann-Straße hat sie eher den Charakter einer Wohngebietsstraße. Hier reicht es, den Abschnitt als Tempo-30-Strecke auszuweisen bzw. ihn in die umliegende Tempo-30-Zone zu integrieren – ähnlich, wie das bereits in der Bernhard-Göring-Straße umgesetzt wurde. Außerdem können in diesem Abschnitt sehr gut Straßenbäume nach dem sogenannten ‚Zwickauer Modell‘ nachgepflanzt werden.“

Passiert ist der Unfall aber genau in jenem Anschnitt zwischen Richard-Lehmann- und Arno-Nitzsche-Straße an der Einmündung der Scharnhorststraße. Und ganz so „wohngebietsartig“ ist die Radnutzung hier eben nicht, denn für viele Radfahrer/-innen aus dem Süden ist die Arthur-Hoffmann-Straße die direkte Alternative zur stark befahrenen Karl-Liebknecht-Straße.

Das zeigen auch die Zahlen aus der Radverkehrszählung 2025. Danach nutzen im Abschnitt kurz vor dem Bayerischen Platz täglich 5.600 Radfahrer/-innen diese Route. Damit gehört dieser Abschnitt zu den am stärksten genutzten im Leipziger Radwegenetz. Richtung Süden werden die Zahlen zwar geringer, weil ja logischerweise die Radfahrer/-innen von rechts und links in diese Route einbiegen.

Aber zwischen Hohe Straße und Richard-Lehmann-Straße lagen die Zahlen 2025 ebenfalls noch auf sehr hohem Niveau von 2.500 bis 3.600. Das ist der eigentlich engste und gefährlichste Abschnitt der Arthur-Hoffmann-Straße für Radfahrer/-innen.

Aber wirklich Wohngebietscharakter hat auch der südlich anschließende Teil längst nicht mehr. In dem Abschnitt, in dem der Unfall passierte, wurden 2025 eben auch noch 1.900 bis 2.300 Radfahrer/innen gezählt. Hier grenzen auch gleich noch zwei Grundschulen an.

Kein Platz für eine Fahrradstraße?

Gerade weil ihm auch das Radfahren in der Arthur-Hoffmann-Straße längst zu brenzlig geworden war, hat der Stadtrat Thomas Kumbernuß (Die PARTEI) schon mehrfach von der Stadt gefordert, die parallel verlaufende Bernhard-Göring-Straße zur Fahrradstraße umzuwidmen. Doch auch mit diesem Vorstoß wurde er von der Verwaltung vertröstet.

„Niemand sollte auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder auf dem Nachhauseweg um sein Leben fürchten müssen. Die Arthur-Hoffmann-Straße braucht endlich sichere Radwege“, sagt Matthias Uhlig, verkehrspolitischer Sprecher des Ökolöwe e.V.

Der Ökolöwe e. V. fordert die Stadt Leipzig auf, die seit Jahren geplanten Verbesserungen auf der Arthur-Hoffmann-Straße jetzt umzusetzen. Dazu gehören:

sichere und durchgängige Radwege auf den dafür geeigneten Abschnitten der Straße,

die Schließung bestehender Lücken im Radwegenetz,

mehr Sicherheit für Radfahrende an Kreuzungen und Einmündungen,

sowie eine höhere Priorität für den Ausbau sicherer Radwege auf Leipziger Hauptstraßen.

„Menschen müssen sich in Leipzig sicher mit dem Fahrrad fortbewegen können“, so der Ökolöwe. „Die Arthur-Hoffmann-Straße braucht deshalb jetzt sichere Radwege. Sie schützen Menschenleben.“

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