Der Verkehrstod einer jungen Radfahrerin hat heute rund 200 Menschen zu einer Demonstration auf die Straßen getrieben. Sie forderten „Sichere Radwege jetzt!“. Auf eine morgen anstehende Demonstration der sogenannten Generation Z bereitet sich indes die Polizeidirektion vor. Und: Die Stadt Leipzig startet das Winterprogramm zur Notunterbringung wohnungsloser Menschen. Die LZ fasst zusammen, was am Freitag, dem 30. Oktober 2026, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Fahrraddemo nach tödlichem Unfall
Nach dem tödlichen Verkehrsunfall einer jungen Radfahrerin am 21. Oktober in der Arthur-Hoffmann-Straße, haben heute unter dem Motto „Sichere Radwege jetzt!“ etwa 200 Menschen an einer Fahrraddemonstration durch Leipzig teilgenommen. Sie gedachten damit der mit gerade einmal 20 Jahren verstorbenen Frau und forderten zugleich Verbesserungen der Verkehrssicherheit. So sollten an besonders gefährlichen Straßen zügig sichere Radverkehrsanlagen eingerichtet werden.
Das betrifft unter anderem die Arthur-Hoffmann-Straße, Zschochersche Straße, Georg-Schwarz-Straße, Käthe-Kollwitz-Straße und Mockauer Straße. Wo noch keine dauerhaften Lösungen möglich sind, sollen zunächst provisorische Radfahrstreifen entstehen. Dafür müsse gegebenenfalls auch auf Pkw-Parkplätze verzichtet werden. Lieferzonen hingegen sollen erhalten bleiben.
Zudem fordern die Initiatoren des ADFC Leipzig konsequentere Kontrollen gegen Falschparker auf Geh- und Radwegen sowie gegen zu geringe Überholabstände. Weitere Anliegen sind sichere Schulwege und Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet. Die Stadt müsse entsprechende Maßnahmen nicht nur beschließen, sondern zeitnah umsetzen und dafür im nächsten Haushalt ausreichend Geld bereitstellen.
Die Route der Rad-Demo startete am Wilhelm-Leuschner-Platz und führte anschließend über Windmühlenstraße, Bayerischen Platz, Hohe Straße und Bernhard-Göring-Straße zur Scharnhorststraße/ Arthur-Hoffmann-Straße. An der Stelle, wo vor wenigen Tagen der tragische Unfall passierte, hielten die Teilnehmenden mit einer Schweigeminute inne und legten Blumen nieder. Nach dieser Zwischenkundgebung kehrten die Demonstrierenden über die Richard-Lehmann- und Karl-Liebknecht-Straße zurück zum Ausgangspunkt am Leuschner-Platz. Auch dort waren bereits 2018 und 2024 Radfahrende tödlich verunglückt.
Polizei bereitet sich auf Gen-Z-Demonstration vor
Wie die Polizeidirektion Leipzig heute mitteilte, begleitet sie die morgige Demonstration der Generation Z mit einem größeren – nicht näher bezifferten – Kräfteaufgebot. Unterstützt wird sie dabei von Hundertschaften der Bereitschaftspolizei. Hintergrund ist ein deutschlandweites Protestgeschehen, das auch von Aktionen in anderen europäischen Ländern beeinflusst wird.
Unter dem Motto „Gen Z regelt! Solidarität mit den Protestierenden in Frankreich“ wurde zunächst eine Versammlung mit 100 Teilnehmern angemeldet. Nach einem Kooperationsgespräch erhöhten die Organisatoren die erwartete Zahl auf 2.500. Die Demonstration beginnt um 14 Uhr auf dem Augustusplatz und führt überwiegend im Uhrzeigersinn über den Innenstadtring. Gegen 17 Uhr soll sie wieder am Augustusplatz enden.
Bei der Polizei gingen Hinweise von Anwohnern aus dem Leipziger Süden und Innenstadt-Gewerbetreibenden ein. Sie äußerten Befürchtungen vor Ausschreitungen und Plünderungen, wie sie in Frankreich und Italien vorgekommen sind. Nach Einschätzung der Polizei liegen jedoch keine Erkenntnisse vor, die einen Vergleich mit der dortigen Lage rechtfertigen. Die Sorgen würden dennoch ernst genommen. Zugleich seien die Demonstrierenden für einen friedlichen und rechtskonformen Protest verantwortlich.
Zur Einsatzsteuerung und Dokumentation möglicher Straftaten können ein Hubschrauber und eine Drohne eingesetzt werden. Auch Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten stehen bereit. Besucher und Bewohner müssen sich in der Innenstadt auf Verkehrsbehinderungen und zeitweise Sperrungen einstellen.

Winterprogramm zur Notunterbringung wohnungsloser Menschen
Die Stadt Leipzig startet am 1. November ihr Winterprogramm für wohnungslose Menschen. Bis zum 31. März stehen in den Notunterkünften täglich insgesamt 353 Schlafplätze für alleinstehende Männer und Frauen zur Verfügung. Dazu gehören auch ein Übernachtungshaus ausschließlich für Frauen und eine Notschlafstelle für drogenabhängige Menschen. Die Kapazitäten können bei Bedarf kurzfristig erweitert werden. Bei anhaltend niedrigen Temperaturen soll das Angebot über Ende März hinaus bestehen bleiben.
Ergänzend bieten die Tagesaufenthalte „Leipziger Oase“ in der Nürnberger Straße, „Insel“ in der Plautstraße und die Ökumenische Bahnhofsmission warme Mahlzeiten, Getränke, Duschmöglichkeiten sowie bei Bedarf Kleidung und Schuhe an. Wohnungslose Familien werden in der Regel vorübergehend in Gewährleistungswohnungen untergebracht. Eine Übersicht der Hilfsangebote mit Kontakt- und Öffnungszeiten gibt es unter www.leipzig.de/obdachlos.
Straßensozialarbeiter, der Hilfebus und Beratungsstellen informieren Betroffene über die Unterbringungsmöglichkeiten und versorgen sie. Wer eine Notunterkunft ablehnt, kann bei Bedarf einen Schlafsack und einen Nothilferucksack erhalten. Der Hilfebus nimmt täglich zwischen 18 und 23 Uhr unter der Telefonnummer 01523-3661087 Hinweise auf hilfsbedürftige Menschen entgegen. Bei Bedarf bringt er Wohnungslose auch in Notunterkünfte.
Das Sozialamt warnt davor, im Freien zu übernachten. Auch mit Schlafsack und Wärmedecke könne dies lebensgefährlich sein. Wer Menschen in einer akuten Gefahrensituation antrifft, soll den Notruf 112 wählen. Auf Hilfsangebote hingewiesen werden sollen auch Menschen, die in Abrisshäusern oder anderen ungesicherten Gebäuden übernachten. Das Sozialamt ist dazu unter 0341-1234504 (Notunterbringung) und 0341-1239139 (Wohnungsnotfallhilfe) sowie per E-Mail (notunterbringung@leipzig.de und soziale.wohnhilfen@leipzig.de) erreichbar. Sachspenden können direkt in den Übernachtungseinrichtungen abgegeben werden. Eine Übersicht des aktuellen Bedarfs soll online veröffentlicht werden.
Worüber die LZ heute berichtet hat:
Silvester darf weiter geböllert werden! Beim Bundesministerium des Innern nachgefragt
Hallo Leipzig: So startet Freitag, der 30. Oktober 2026, ins Wochenende
Wo die Straße endet: Ein geradezu leiser Krimi aus einem Dorf in Rumänien
Festakt, Party und Ausstellung: Das Theater der Jungen Welt feiert den 80. Geburtstag
Was sonst noch wichtig war:
Sind bald weniger Züge auf Deutschlands Schienennetz unterwegs, dafür aber pünktlich? Das zumindest ist ein Vorschlag der von der Bahn neu geschaffenen Expertenkommission „Robuster Fahrplan“. Diese nimmt am Dienstag offiziell ihre Arbeit auf und wird dabei von dem Schweizer Unternehmen SMA und Partner unterstützt, das auf Fahrpläne spezialisiert ist.
Nachdem in der Nacht am Flughafen Kassel drei Baustellenfahrzeuge gebrannt hatten, ermittelt nun der Staatsschutz. Es wird vorsätzliche Brandstiftung aus politischen Motiven vermutet. Die Baustelle gehört zum Rüstungsunternehmen Rheinmetall, das vor Ort ein Drohnentestzentrum errichtet. Eine Schadenshöhe wurde nicht angegeben.
Das Langgericht Wuppertal hat einen 60-jährigen Mann aus Remscheid wegen Waffenhandels zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt und die Einziehung von 74.000 Euro angeordnet. Vor einem Jahr waren unter der Autowerkstatt des Angeklagten vier Waffenkammern entdeckt und von der Polizei über Wochen geräumt worden. Dabei kamen 300 scharfe Schusswaffen ans Tageslicht. Neben Maschinengewehren, Maschinenpistolen und Revolvern, lagerten dort auch Handgranaten, Panzerabwehrwaffen, Munition und obendrein Nazi-Uniformen.
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