Manchmal ergibt es auch aus redaktioneller Sicht keinen Sinn, eine Stadtratdiskussion zu kommentieren, in der die Argumente immer wilder und hitziger werden und sich zuletzt im Kreis drehen, so wie am 30. September in der Ratsversammlung zu beobachten, in der gleich zu Beginn der Fragestunde eine CDU-Anfrage aufgerufen wurde, die das Umbau-Projekt eines Radwegs in der Prager Straße infrage stellte. Ein Projekt, über das die Stadt am 10. September informiert hatte. Und im Mediendschungel begann postwendend das große Lamento.
Wie es jedes Mal passiert, wenn Autostellplätze betroffen sind. Oder doch eher Freisitze? Denn das war ja gleich die erste Frage aus dem langen Fragenkatalog, den die CDU-Fraktion formuliert hatte und zu dem CDU-Stadtrat Lucas Schopphoven am 30. September noch etliche Nachfragen hatte: „Auf welcher Rechtslage wurden Auslagen (Sondernutzung) in Höhe von 65.000 € genehmigt, obwohl der Fußweg auf den Radweg verdrängt und Radfahrer nunmehr auf die Straße verdrängt werden?“
Entflechtung von Fuß- und Radverkehr
Die Stadt selbst hatte das Vorhaben am 10. September so beschrieben: „Um die Verkehrssicherheit insbesondere von Fußgängerinnen und Radfahrern zu erhöhen, wird auf der Prager Straße zwischen Volckmarstraße und Oststraße stadteinwärts ein Fahrradstreifen eingerichtet. Damit kann der vorhandene Gehweg künftig ausschließlich von Fußgängern sowie für Freisitze und Geschäftsauslagen genutzt werden. Die Arbeiten starten am Montag, 14. September, und sollen bis zum Freitag, 9. Oktober, abgeschlossen sein.
Hintergrund ist, dass es hier immer wieder zu Konflikten zwischen Radfahrerinnen und Fußgängern auf dem derzeit noch gemeinsam genutzten, dafür jedoch zu knapp bemessenen Geh- und Radweg kommt. In diesem Abschnitt der Prager Straße gibt es stadteinwärts viele Freisitze und Geschäfte, zugleich sind hier allein in stadtwärtiger Richtung rund 1.500 Radfahrerinnen täglich unterwegs.
Auch in der Bürgerbeteiligung zum Fußverkehrsentwicklungsplan war dies als Problemstelle gemeldet worden. Laut kommunaler Bürgerumfrage werden Radfahrerinnen auf Gehwegen zudem als Sicherheitsrisiko gesehen.
Um den Fuß- und Radweg baulich voneinander zu trennen, reicht der vorhandene Seitenraum nicht aus. Deswegen wurde eine sichere Alternative gesucht, die den Autoverkehr auf der Bundesstraße 2 nicht zu stark einschränkt: Der bisher als Kurzzeitparkstreifen genutzte Seitenraum wird nun zum Radfahrstreifen umgestaltet und muss dafür baulich nur minimal angepasst werden.“
Ein bisschen Lebensqualität auf der Prager Straße
Eigentlich sehr unmissverständlich: Hier gibt es eine ganze Reihe von kleineren Gastronomien, die bei der Stadt die Zulassung eines Freisitzes vor den Läden beantragt und genehmigt bekommen haben. Was dann natürlich dazu führte, dass der verbleibende Fußweg zu schmal wurde und die Fußgänger mit den Radfahrern in Konflikt gerieten.
Michael Jana, Leiter des Mobilitäts- und Tiefbauamtes, sagt zu diesem Projekt: „Die Prager Straße ist eine unserer Hauptrouten im Radnetz und an dieser Stelle eine lebendige Geschäftsstraße. Der zu schmale Seitenraum führt deshalb ständig zu Konflikten und der Umbau trägt nun zu einem besseren Miteinander von Fußgängerinnen und Radfahrern bei. Durch die Umgestaltung können verschiedene Interessen des Fuß-, Rad- und Wirtschaftsverkehrs miteinander in Einklang gebracht und der öffentliche Straßenraum verschiedenen Nutzungsansprüchen gerecht werden.“
Die Idee, diese Konflikte zu entschärfen, war – so teilte die Stadt ebenfalls mit – dem Fußverkehrsrundgang des Oberbürgermeisters 2024 entstanden und wurde vom Mobilitäts- und Tiefbauamt ausgearbeitet. Die Arbeiten (nicht die genehmigten Freisitze) kosten insgesamt rund 65.000 Euro und sind abgestimmt auf das aktuell in der Prager Straße bereits laufende Bauvorhaben der Wasserwerke.
Und auch für die Anlieferung für die Geschäfte hat man eine Lösung gesucht: „Weil einige Kurzzeitparkplätze entfallen, werden vor dem Ostplatz sowie in der Volckmarstraße neue Lade- und Lieferzonen eingerichtet, sodass die Geschäfte weiterhin gut angedient werden können.“
Immer gegen die Kurzzeitparker
Aber gerade der Verlust der Kurzzeitparkplätze schien am 30. September einige Stadträte zutiefst zu empören. Andere fragten verwirrt, warum die Stadt überhaupt Außenfreisitze genehmigt habe. Dann wieder wurde die Aussage zur Verkehrssicherheit durch den Wolf gedreht.
Am Ende verließ die Diskussion, die nicht mehr viel mit einer regulären Nachfrage zu tun hatte, das eigentliche Thema, dass der Radweg an der Prager Straße eben kein gewöhnlicher Radweg ist, sondern einer der am stärksten befahrenen an Leipziger Hauptstraßen, und die schnell fahrenden Radfahrer gerade im Abschnitt Ostplatz bis Volckmarstraße mit den ausweichenden Fußgängern immer wieder in Konflikt geraten sind, völlig aus dem Fokus.
.In der Antwort des MTA heißt es dazu z. B.: „Gleichzeitig verläuft an dieser Stelle eine Hauptroute des Radverkehrs, der auf einem geteilten Geh- und Radweg geführt wurde und immer wieder zu Konflikten führte.
Seit 2006 haben sich die Anforderungen an die optimale Breite von Fußverkehrsanlagen weiterentwickelt. Für einen gemeinsamen Geh- und Radweg mit der gegebenen hohen Frequenz von Fuß- und Radverkehr ist nach den Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen ‚RASt 06‘ bereits eine Mindestbreite von 4 m vorgesehen.“
So oder so waren Rad- und Fußweg an dieser Stelle zu schmal. Und Baubürgermeister Thomas Dienberg verwies aus guten Gründen auf die Karl-Liebknecht-Straße, wo die Radfahrer schon viel früher komplett auf die Fahrbahn verlegt wurden und sich heute ein Freisitz an den anderen reiht.
Und in gewisser Weise ähnelt gerade dieses kleine Stück in der Prager Straße mit seinen vielen kleinen Gastronomien eben der KarLi, bringt ein bisschen Aufenthaltsqualität in eine Straße, die es dort sonst nicht gibt. Da erstaunt es schon, wenn Falk Dossin nachfragt, warum die Stadt ausgerechnet dort Außengastronomie zugelassen hat.
Und das war noch eine der klaren und deutlichen Nachfragen am 30. September.
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