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Die HTWK bleibt wegen bevorstehender Demonstration geschlossen, eine Stadtführung zeigt, wie Proteste 1965 endeten. Staubaustellen finden ihr Ende, dafür heißt es für Bahnreisende wieder, den Bus zu nehmen. Und Deutschlands bislang einzige Bundeskanzlerin bekommt einen Preis. Mit ihr wird auch Jörg Widmann geehrt. Hernach tun beide, was sie am besten können: Merkel spricht und Widmann musiziert. Somit werden die Mendelssohn-Festtage eröffnet.

Zug um Zug zu prüfen

Bahnreisende müssen an diesem Wochenende einen genauen Blick auf die Fahrpläne haben und mehr Zeit einplanen. Wegen Bauarbeiten fallen auf mehreren Strecken Züge aus. Die Einschränkungen beginnen heute und dauern voraussichtlich bis zum 16. November. Sie gelten jeweils von Freitag bis Sonntag.

Auf der S-Bahn-Linie S1 zwischen Leipzig Hauptbahnhof und Miltitzer Allee kommt es zu Zugausfällen. Die S1 fährt normalerweise vom Hauptbahnhof über Gohlis, Möckern, Leutzsch, Lindenau und Plagwitz weiter durch Grünau bis zur Endhaltestelle Miltitzer Allee. Auf dem Streckenabschnitt werden Busse eingesetzt. Fahrgäste, die aus Grünau in die Innenstadt oder in die Gegenrichtung fahren möchten, müssen deshalb mit längeren Fahrzeiten rechnen.

Einschränkungen gibt es außerdem zwischen Leipzig und Halle (Saale). Hier verkehren eigentlich mehrere S-Bahn-Linien auf unterschiedlichen Strecken. Die S3 verbindet beide Städte über Schkeuditz, die Linien S5 und S5X über den Flughafen. Die Bahn kündigt für die Verbindung zwischen den beiden Städten Zugausfälle und Ersatzverkehr an.

Zwischen Leipzig Hauptbahnhof und Großkorbetha wird ebenfalls gebaut. Betroffen ist damit die Bahnverbindung in Richtung Weißenfels und Naumburg. Auf dieser Strecke verkehrt unter anderem die S-Bahn-Linie S6. Wegen der angekündigten Bauarbeiten fallen auf dem Abschnitt zwischen Leipzig und Großkorbetha Züge aus, für die Busse vorgesehen sind. Damit müssen insbesondere Reisende aus Markranstädt und dem westlichen Leipziger Umland mit Änderungen rechnen.

Wer über Großkorbetha hinaus nach Weißenfels oder Naumburg fahren möchte, sollte auch mögliche Auswirkungen auf seine Anschlussverbindungen berücksichtigen. Die Arbeiten betreffen insgesamt drei aufeinanderfolgende Wochenenden.

Nach DB-Angaben sind Einschränkungen vom bis 1. November, vom 6. bis zum 8. sowie vom 13. bis zum 16. November vorgesehen. Reisende sollten sich vor Fahrtantritt über die aktuellen Verbindungen informieren. Die geänderten Fahrzeiten sowie die Einsätze der Busse sind in der elektronischen Reiseauskunft und im DB Navigator abrufbar.

Leipzigs Wochenende ist geprägt von Dingen, die einst nicht gingen, die heute nicht gehen – aber dennoch auch von ziemlich viel Bewegung. Foto: Benjamin Weinkauf

Von hüben nach drüben, auch von Bad Düben

Das Wochenende erfreut uns jedoch auch mit dem Wegfall mehrerer Verkehrseinschränkungen. An der Ostseite des Leipziger Hauptbahnhofs sollen die Bauarbeiten so weit abgeschlossen sein, dass die Buslinie 196 ab Samstag (31. Oktober) wieder regulär bis zum Hauptbahnhof fahren kann. Nach Angaben von Nordsachsen Mobil werden dann auch die Haltestellen Hauptbahnhof/Ostseite und Messeverwaltung wieder bedient. Die Buslinie 196 verbindet Leipzig mit Bad Düben über Krostitz seit vielen Jahren. Heute verkehrt sie als PlusBus-Linie im Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) und verbindet Bad Düben über Leipziger Messe mit der Innenstadt.

Zwischen Bad Düben und  Hauptbahnhof fährt wieder ein Bus Foto: Benjamin Weinkauf

Ebenfalls heute soll die seit Anfang August bestehende Vollsperrung der Pittlerstraße in Leipzig enden. Grund für die Sperrung war der Neubau zweier mehr als 100 Jahre alter Eisenbahnbrücken. Die Bauarbeiten hatten insbesondere im Sommer zu erheblichen Belastungen für die Anwohner geführt. Während der Abrissarbeiten kam es zu massivem Baulärm und starken Erschütterungen. Besonders betroffenen Haushalten bot die Bahn sogar Hotelübernachtungen an. Die Gehwege unter der Brücke sollen voraussichtlich erst im April 2027 wieder freigegeben werden. An der Angerbrücke läuft zudem die vorübergehende Haltestellenverlegung der Buslinie 131 aus. Die Sonderregelung, nach der Fahrgäste in Richtung Merseburg an der Haltestelle der Linie 74 in der Zschocherschen Straße einsteigen müssen, ist heute noch bis 22 Uhr vorgesehen. Auch in Markkleeberg ist eine Verkehrsfreigabe geplant. Nach Angaben des Landkreises Leipzig soll die Vollsperrung der Städtelner Straße heute enden. Dort wurde seit dem 19. Oktober die Fahrbahndecke saniert.

Die maroden Eisenbahnbrücken an Pittler- und Lispiusstraße mußten erneuert werden. Foto: Benjamin Weinkauf

Beat it! Erinnerung an SED-Knüppelorgie

Im Herbst 1965 gab es in Leipzig 47 Rockbands mit einer Spielerlaubnis. Das begehrte, von staatlicher Seite ausgegebene Dokument war die Grundlage, überhaupt öffentlich auftreten zu dürfen. Den Parteifunktionären waren die Gruppen zunehmend ein Dorn im Auge bzw. ein brennender Stachel im Herzen ihrer kulturrevolutionären Träume, die so rein gar nichts mit der vom Westen beeinflussten Beatmusik zu tun hatten.

Kurzerhand wurde im Oktober dieses Jahres 44 Gruppen die Lizenz entzogen, darunter den populären „Butlers“. Die SED betrachtete deren Musik als „westliche Unkultur“ und diffamierte langhaarige Jugendliche generell als „Rowdys“, „Gammler“ und „Asoziale“. Aus Protest gegen die Verbote versammelten sich am 31. Oktober 1965 mehr als 500 Jugendliche zunächst auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz.

Sicherheitskräfte lösten die friedliche Demonstration gewaltsam auf und nahmen 267 Menschen vorläufig fest. Gegen 162 Jugendliche wurden Strafmaßnahmen verhängt. Zahlreiche Betroffene kamen für mehrere Wochen in Arbeitserziehungslager und wurden zu Zwangsarbeit in der Braunkohle verdonnert. Ein Hörspaziergang durch die Stadt erinnert am Sonnabend an die Rock-Repression und ihre Auswirkungen.

ACHTUNG! Der ursprünglich für 14 Uhr angekündigte Rundgang beginnt nach einem aktuellen Änderungshinweis bereits um 13 Uhr, um eine Überschneidung mit einer anderen Großveranstaltung zu vermeiden. Treffpunkt ist der Wilhelm-Leuschner-Platz.

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung unter bildung@archiv-buergerbewegung.de oder telefonisch unter 0341 3065175 aber zwingend erforderlich, am besten noch heute. Die Künstlerin Diana Wesser begleitet den Rundgang, der auf einem 2025 gemeinsam mit dem Archiv Bürgerbewegung e. V. entwickelten Audiowalk basiert. Als Zeitzeugen sind Thomas Loest, Gerhard Pötzsch und Sabine Onnasch angekündigt.

In der Innenstadt kommt es im Zuge der Beat-Demo zu Festnahmen. Foto: Archiv Bürgerbewegung Leipzig/ L. Kullrich

Hochschule schließt sich ein, Schülervertreter distanzieren sich: Leipzig erwartet am Samstag Jugendproteste

Unmittelbar nach der Erinnerung an den Beataufstand vor 61 Jahren wird eine ganz aktuelle Demonstration in Leipzig ihre Runde drehen. Für Sonnabend ist unter dem Motto „Gen Z regelt!“ Protest angekündigt. Nach einem Koordinierungsgespräch zwischen Veranstaltern, Versammlungsbehörde und Polizei sind derzeit 2500 Teilnehmende angemeldet.

Die Versammlung beginnt um 14 Uhr auf dem Augustusplatz. Der Demonstrationszug soll im Uhrzeigersinn über den Innenstadtring zum Richard-Wagner-Platz und anschließend über den Brühl und die Goethestraße zurück zum Augustusplatz führen. Dort ist eine Abschlusskundgebung geplant. Bis 17 Uhr müssen Verkehrsteilnehmende insbesondere auf dem Innenstadtring mit zeitweiligen Sperrungen rechnen.

Die Demonstration ist Teil eines bundesweiten Aktionstages in mehr als 20 Städten. Die Initiative „Gen Z regelt“ orientiert sich an Jugendprotesten in Frankreich und fordert unter anderem höhere Investitionen in Bildung und soziale Angebote, bezahlbare Lebenshaltungskosten, mehr Klimaschutz und eine stärkere politische Beteiligung junger Menschen. Außerdem richtet sich der Protest gegen eine mögliche Wehrpflicht und zusätzliche staatliche Überwachung.

Umstritten sind die bislang nicht vollständig transparenten Organisationsstrukturen der Bewegung. Die Bundesschülerkonferenz distanzierte sich deshalb am 24. Oktober von den geplanten Demonstrationen und warnte vor politischer Instrumentalisierung. In einer Mitteilung heißt es konkret: „Wir distanzieren uns vom 31. Oktober – nicht vom Einsatz für bessere Bildung.“ Direkte Hinweise auf beabsichtigte Ausschreitungen liegen der Leipziger Polizei aber nach eigenen Angaben nicht vor.

Dennoch hat die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) vorsorglich beschlossen, am Sonnabend sämtliche Hochschulgebäude ganztägig zu schließen, und begründet dies mit dem Schutz der Hochschulangehörigen und ihrer Einrichtungen angesichts der angekündigten Demonstrationen. Die Schließung gilt ausdrücklich auch für Studierende und Beschäftigte, die normalerweise mit HTWK-Card, Transponder oder anderen Berechtigungen Zugang haben. Büros, Labore und Werkstätten bleiben damit ebenso unzugänglich wie Veranstaltungsräume.

Mendelssohn-Festtage mit Merkel-Ehrung

Mit der Verleihung des Internationalen Mendelssohn-Preises Leipzig an die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Komponisten und Klarinettisten Jörg Widmann werden am Sonntag, 1. November, um 11 Uhr die Mendelssohn-Festtage 2026 im Großen Saal des Leipziger Gewandhauses eröffnet. Die Auszeichnungen überreicht Oberbürgermeister Burkhard Jung im Rahmen eines Benefizkonzerts zugunsten des Mendelssohn-Hauses.

Angela Merkel erhält den Preis in der Kategorie „Europa“, weil sie sich aus Sicht der Jury in besonderer Weise um die Einigung und Integration Europas sowie dessen Zusammenhalt als Friedens- und Wertegemeinschaft verdient gemacht hat. Die Jury würdigt zudem ihren Einsatz für die Überwindung der Ost-West-Teilung Europas und sieht ihr politisches Handeln von humanistischen Idealen geprägt. Merkel wird bei der Preisverleihung auch eine Rede halten.

Jörg Widmann wird in der Kategorie „Musik“ ausgezeichnet, weil die Jury seine künstlerische Vielseitigkeit und seine Leistungen als Komponist, Klarinettist und Dirigent als herausragend bewertet. Besonders hebt sie seine internationale Bedeutung, seine intensive Beschäftigung mit dem Werk Felix Mendelssohn Bartholdys und sein Engagement für die musikalische Nachwuchsförderung hervor. Das musikalische Eröffnungskonzert gestalten unter anderem die Pianistin Elena Bashkirova, Jörg Widmann, seine Schwester, die Geigerin Carolin Widmann, sowie das Leipziger Vokalensemble amarcord. Auf dem Programm stehen Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Jörg Widmann und Sergej Prokofjew.

Die Mendelssohn-Festtage dauern bis zum 8. November. Das gemeinsam vom Mendelssohn-Haus und dem Gewandhaus veranstaltete Festival erinnert mit Konzerten, Gesprächen und Führungen an Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen Todestag sich am 4. November jährt. Das gesamte Programm gibts HIER ONLINE zur Recherche, Auswahl und Buchung von Veranstaltungen.

so Kanzlerin Merkel in der Pressekonferenz nach der MPK. Foto: CDU/ Laurence Chaperon
Die einstige Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto: CDU/ Laurence Chaperon

 

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