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Am Freitag, dem 14. August, wurden noch die Schaufensterscheiben an der Kolonnadenstraße 9 geputzt, als ich zufällig dort vorbeikam und das Plakat sah. Mein Kollege Benjamin hatte am Morgen, in seinem täglichen „Hallo Leipzig“ geschrieben, dass dort eine Galerie eröffnet und nun stand ich davor. Kurz entschlossen fragte ich, ob vielleicht Zeit für ein kurzes Gespräch wäre, was die Galeristin Anja Mutschler mit Ja beantwortete.
Nach einem kurzen Rundgang saßen wir dann auf dem Sofa und los ging es.

Frau Mutschler, Sie eröffnen heute Abend Ihre neue Galerie 20blue.arts in der Kolonnadenstraße 9. Was bekommen Besucherinnen und Besucher hier zu sehen?
Hier sehen wir eine Auswahl von zehn Künstlerinnen und Künstlern aus meinem Künstlernetzwerk, das ich jetzt schon über drei Jahre hinweg aufgebaut habe. Ich hatte 2024 einen Kunstsalon im Bahnhof Plagwitz gegründet, weil ich Lust hatte Kunst auszustellen, aber auch um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Es ist nicht nur eine klassische Verkaufsgalerie, deswegen heißt es „Raum für Kunst und Gesellschaft“. Ich will hier einen Begegnungsort schaffen.
Es soll also nicht so sein, wie in manchen Galerien, dass der Verkauf im Vordergrund steht, sondern die Begegnung mit der Kunst?
Es soll ein Begegnungsraum sein, Zugänglichkeit zu Kunst ist mir wichtig. Ich finde, die Zeiten sind schwierig und kompliziert und wir reden immer so viel miteinander und übereinander, aber das führt eher dazu, dass wir uns missverstehen. Kunst kann nochmal eine andere Dimension in unser Gespräch reinbringen, die ist ja oft so friedlich und dann träumt man sich mal ein bisschen weg und begegnet sich plötzlich anders. Das habe ich in verschiedenen Veranstaltungen getestet und jetzt ist hier der Raum offen und ich begebe mich mitten in die Stadt und hoffe, dass das auch vielen anderen gefällt.

Haben Sie sich zur Aufgabe gemacht den Leuten zu erklären, was Kunst ist, oder sollen die Leute diese sich erarbeiten, erkennen und erfühlen?
Auf jeden Fall zweiteres. Ich bezeichne diesen Raum hier gern als Gefäß, das ich aufstelle und dann geben die Leute was rein. Viele Künstler kommen natürlich auch zu mir, machen das Angebot und es gibt Publikum welches kommt. Ich verstehe mich mehr so als Öffnerin einer Welt, in der dann verschiedene Sachen passieren können.
Die Künstlerinnen und Künstler, deren Werke hier ausgestellt werden, Sie sagten ja schon diese sind aus Ihrem Netzwerk, sind das jetzt Leipziger Künstler, sind das junge Künstler oder geht das querbeet?
Ich habe zwei Gruppen, die besonders sind. Das eine sind Silver-Artists. Das sind Künstler, die immer Kunst gemacht haben, aber dann kam das Leben dazwischen und sich so richtig auf Kunst konzentrieren war schwierig. Man gründete eine Familie, musste Geld verdienen und irgendwie blieb man künstlerisch, man ist ja Künstler oder nicht. Und dann waren irgendwann diese Aufgaben erledigt und man hatte Zeit, ist dann aber schon aus dem Kunstmarkt rausgeworfen. Wer hat mit 60 noch eine Chance, im Kunstmarkt was zu werden?
Das wäre beispielsweise diese Collage, Sie haben gerade dahin gezeigt?
Genau, die ist von Micaela Pagener, einer ganz tollen Frau. Sie ist an die 80 und hat erst mit Anfang, Mitte 60 richtig losgelegt. Die hat zwar immer was gemacht mit ihrem Mann, die beiden machen jeder für sich Sachen und machen auch Sachen zusammen. Sie kommt sehr gut an, weil sie Kunst macht als Frau, die sehr frei ist. Der ist auch schon alles scheißegal, sie macht einfach. Das finde ich toll, das Versprechen welches Kunst geben kann ist ja Freiheit und ein anderer Blick. Das können aus meiner Sicht die Silver-Artists, deswegen nenne ich die so ganz liebevoll, sehr gut.

Dann habe ich natürlich auch die jungen Talente. Ich finde das schon auch wichtig, Zugänglichkeit zu schaffen. Wie geht das eigentlich los, es heißt immer, man müsste erst eine Galerie haben, bevor man etwas werden kann. Das sind meine zwei Zielgruppen, die ich hauptsächlich habe und manche wachsen halt auch mit mir. Also die Susanne Hanna kenne ich jetzt schon länger und jetzt hat sie gerade in Erfurt eine große Ausstellung. Das soll natürlich auch sein, dass wir miteinander wachsen können.
Vielen Dank für den kurzen Einblick, wie hat die Galerie geöffnet?
Donnerstag und, Freitag, 14 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag, 13 bis 18 Uhr. Heute Abend ist das Grand Opening, ich nenne das so, weil wir davor schon einige Tests hatten. Jeden ersten Freitag im Monat habe ich bis 22 Uhr geöffnet und da kann man auch ein bisschen Mini-Party machen und hier anderen neuen Leuten begegnen.
Es ist jeder gern gesehen, auch Menschen die sagen: Ich habe eigentlich Bock auf etwas Neues aber ich weiß gar nicht wie das mit der Kunst geht. Genau für die ist das gedacht. Kommt rein und probiert es.
Frau Mutschler, nochmal vielen Dank für Ihre Zeit und viel Erfolg.
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