This article is also available in English: Read this article in English.
Nachdem inzwischen auch die AfD einen Kandidaten ins Rennen geschickt hat, ist Ralf Kohl der fünfzehnte Anwärter auf den Job als Oberbürgermeister von Leipzig für die nächsten sieben Jahre. Obwohl das nicht ganz stimmt, wie im Interview später zu lesen und hören ist, will Ralf Kohl „Oberbürger“ werden, den Meistertitel muss man sich ja erst verdienen.
Ralf Kohl ist parteilos und wirft seinen Hut als „WIR sind LEIPZIGER“ in den Ring. Er ist vielleicht der bekannteste Kandidierende, der noch nie gewählt wurde. Zumindest sammelt er seit 2009 mit unterschiedlichen Ergebnissen bei jeder Landtags- und Bundestagswahl Unterstützungsunterschriften. Hat er die erforderliche Anzahl erreicht, nimmt er auch an der Wahl teil. Sein Konzept ist, wie der Autor es gern nennt, „radikale Bürgerbeteiligung“. Er will die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Leipzig jederzeit und bei allen Entscheidungen befragen und beteiligen. Zumindest war das bei der letzten Landtagswahl seine Ansage.

Wir trafen Ralf Kohl am 11. Oktober auf dem Neustädter Markt in Leipzig und haben mit ihm gesprochen.
Das Gespräch
Ralf Kohl, Sie sind schon ganz oft bei verschiedenen Wahlen hier in Leipzig angetreten. Sagen Sie doch bitte, Sie wollen jetzt für das Oberbürgermeisteramt kandidieren. Was bewegt Sie denn?
Also erstmal muss ich korrigieren, es ist eine Oberbürgerwahl. Der Meistertitel muss ja geschützt werden.
Ja, aber was motiviert Sie dort anzutreten?
Der Hauptgrund ist, dass ich den amtierenden Oberbürgermeister, weil der ist ja über sieben Jahre gewesen, da kann ich ja den Meistertitel dann geben, gefragt habe, ob er ein halbes Jahr eher geht, damit wir keinen Winterwahlkampf haben. Und er hat nein gesagt. Das ist meine Motivation jetzt anzutreten, um ein halbes Jahr früher aufzuhören, damit wir dann endlich wieder eine Herbstwahl haben.
Jetzt kommen ja ein paar Schwierigkeiten auf die Kandidierenden zu, die keine Partei im Stadtrat oder im Landtag haben. Sie müssen erstmal einige Stimmen sammeln. Die Leute müssen ins Rathaus beziehungsweise ins Wahlamt gehen, um diese Unterstützerunterschriften abzugeben. Denken Sie, Sie schaffen das und was wollen Sie dafür tun, um das zu schaffen?
Das ist eine gute Frage, das muss man wie gesagt. Da habe ich noch keine richtige Strategie dazu, muss ich sagen.
Was wäre denn so die Hauptsache was Sie, sollten Sie Oberbürgermeister werden, für Leipzig machen würden?
Also es gibt schon Themen, zum Beispiel wäre ein Vorschlag, dass wir in ganz Leipzig 30 km/h haben. Das wäre zum Beispiel ein Thema, was ich auch gern mit den anderen Kandidaten bereden würde. Das habe ich schon mit Leuten beredet, die zum Beispiel ein Taxiunternehmen haben oder auch hier in der Stadt viel fahren müssen, weil man übersieht mal schnell ein Schild, wenn eine Baustelle ist oder wieder ein 30 oder eine Schule oder irgendwas. Das wird einfach übersehen. Wenn man weiß, dass man nur mit 30 fahren kann, ist gut. Und dann sollten wir doch lieber die Strecken, wo man schneller fahren kann, die wir ausschildern mit 50 oder 60 km/h. Das wäre vielleicht auch preiswert für die Stadt.
Die meisten Kandidierenden sagen ja jetzt, es gibt ganz viel zu tun in Wirtschaft und Sozialem. Gibt es da von Ihrer Seite Sachen, die Sie machen würden, die Sie bevorzugen würden?
Also wie gesagt, mein Thema ist ja immer Bürgerbeteiligung. Und dann müsste man sich ja dann erst einmal die Stimmen der Bürger anhören, ranholen und die aber auch in die Kommunalpolitik mit einarbeiten. Und genau so ist es bei der Wirtschaft. Und das Beste ist, die auch alle gemeinsam an den Tisch zu kriegen. Deswegen auch heute hier die Veranstaltung, wo wir gesagt haben, wir laden erst einmal alle Anwärter auf das Oberbürgermeisteramt ein, damit die mit den Bürgern ins Gespräch kommen.
Letzte Frage schon, die habe ich jedem Kandidierenden bisher gestellt. Vorausgesetzt Sie würden Oberbürgermeister werden oder wie Sie sagen Oberbürger. Wie sähe denn nach einer siebenjährigen Amtszeit Leipzig aus? Was wäre Ihre Vision?
Wie gesagt, erst einmal in sechseinhalb Jahren, da müssen wir mal dabei bleiben. Und das kann man, glaube ich, in heutigen Zeiten gar nicht mehr festlegen mit irgendwelchen Sachen, wie irgendwas sich entwickelt. Wichtig wäre für mich auf jeden Fall, dass die Bürger mit dem, der dann in das Amt gewählt worden ist, zufrieden sind.
Okay, da bedanke ich mich.
Fazit: Ob Ralf Kohl, Fabian Schmidt, Lars Kulesch und Falk Fiebig die erforderlichen Unterstützungsunterschriften für die offizielle Nominierung schaffen, das bleibt abzuwarten. Bis dahin gehen wir von aktuell fünfzehn Kandidierenden, mit einem sehr geringen Frauenanteil, aus. Wir werden über die Unterschriftensammlungen, die Bestätigung durch den Gemeindewahlausschuss und die „heiße“ Wahlkampfphase berichten.
Empfohlen auf LZ
So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:




















Keine Kommentare bisher