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Ferien sind Erholungszeit – nur eben nicht für alle. Wenn die meisten verreisen, kommen auf heimischen Straßen Presslufthammer, Bagger und Co. zum Einsatz. LZ zeigt zum Morgen, wo es ab heute langgeht. Zudem modernisieren die LVB ihr Kundenzentrum, im Alten Rathaus wird der gestern gekürte Buchhandels-Friedenspreisträger erwartet, und die Nationalbibliothek würdigt Ingeborg Bachmann zum 100. Geburtstag.

Gleisarbeiten bringen Bimmel-Bau und Auto-Stau

Mit Beginn der Herbstferien starten viele Familien in den wärmeren Süden. Ins Schwitzen kommen direkt in Leipzig aber auch die fleißigen Leute vom Gleis- und Straßenbau. Denn heute beginnen umfassende Bauarbeiten am Augustusplatz und am Hauptbahnhof. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) erneuern zunächst die Schienen im Bereich zwischen Georgiring und Grimmaischem Steinweg und bereiten zugleich die Gleisanlagen an der Westseite des Hauptbahnhofs für die gemeinsame Nutzung mit dem Busverkehr vor. Die gesamten Arbeiten sollen bis zum 13. November dauern.

Für Straßenbahnfahrgäste, Autofahrer und Fußgänger bringen sie erhebliche Einschränkungen mit sich. Bereits seit 4 Uhr gelten umfangreiche Änderungen im Straßenbahnnetz. Zwischen Roß- und Augustusplatz ist der Straßenbahnverkehr während dieser Zeit unterbrochen. Die Linien 8 und 10 verkehren auf verkürzten Strecken und werden am Wilhelm-Leuschner-Platz im Peterssteinweg miteinander verknüpft.

Die Linie 11 fährt über Thomaskirche und Goerdelerring zur Westseite des Hauptbahnhofs, während die Linie 14 über Gottschedstraße und Goerdelerring umgeleitet wird. Auch die Linie 16 und die Nachtlinie N10 nehmen den Weg über Thomaskirche und Goerdelerring. Für die Linie 12 gelten besondere Regelungen im Spätverkehr sowie am frühen Wochenende: Sie beginnt beziehungsweise endet am Johannisplatz und wird in diesen Zeiten nicht mit der Linie 14 verbunden.

Zusätzlich setzen die Verkehrsbetriebe die Baulinie 38 zwischen Wahren und Paunsdorf-Nord ein, die abschnittsweise Verbindungen der Linien 8 und 10 übernimmt. Vom 12. bis 25. Oktober fährt sie über Chausseehaus, Zoo, Goerdelerring, Hauptbahnhof mit den Steigen C und D sowie Torgauer Platz. Der Wilhelm-Liebknecht-Platz wird dabei nicht bedient.

Vom 26. Oktober bis 8. November ändert sich die Strecke: Dann verkehrt die Baulinie über Chausseehaus, Hauptbahnhof mit den Steigen A und B sowie Torgauer Platz. In der offiziellen Störungsübersicht sind außerdem die Straßenbahnlinien 4 und 15 als betroffen aufgeführt. Für Fahrgäste der Buslinien 72, 73 und 89 sowie der Nachtlinien N1, N2 und N4 bestehen am Hauptbahnhof bis zum 25. Oktober ebenfalls Änderungen.

Die Erneuerung der Gleise am Augustusplatz ist überfällig. Als die LZ sich an der hochfrequentierten Kreuzung umsieht, berichtet ein Straßenbahnfahrer, dass die Fahrt mit der „Bimmel“, wie die Leipziger ihre Tram liebevoll nennen, nur noch mit maximal 10 km/h möglich ist, um Schäden an den Fahrzeugen zu vermeiden.

Das Gleisbett auf dem östlichen Teil des Augustusplatzes ist in keinem guten Zustand. Foto: Benjamin Weinkauf

Nicht nur im öffentlichen Nahverkehr müssen sich die Leipziger auf Behinderungen einstellen. Mit dem heutigen Baustart werden am Augustusplatz und auf dem Georgiring auch Fahrspuren eingeschränkt. Aus Richtung Roßplatz steht weniger Platz für den Autoverkehr zur Verfügung. Wer vom Johannisplatz über den Grimmaischen Steinweg kommt, darf an der Kreuzung zum Innenstadtring nur noch rechts in Richtung Hauptbahnhof abbiegen. Die LVB rechnen mit Staugefahr und empfehlen eine weiträumige Umfahrung über die Dresdner Straße, die B2 beziehungsweise Ludwig-Erhard-Straße, den Friedrich-List-Platz sowie die Mecklenburger Straße und Brandenburger Straße.

Fußgänger müssen ebenfalls mit veränderten Wegen rechnen, da die beiden ampelgeregelten Übergänge zwischen dem Augustusplatz und der Innenstadt abwechselnd gesperrt werden. Der Überweg am Schwanenteich soll dagegen passierbar bleiben.

Weitere Einschränkungen kommen an der Westseite des Hauptbahnhofs hinzu. Dort wird ab heute auf Höhe der Kurt-Schumacher-Straße eine Geradeausfahrspur verkürzt. Gleichzeitig fällt der westliche Fußgängerüberweg im nördlichen Gleisbereich der Haltestelleninsel weg. Wer zwischen dem nördlichen Bahnsteig A und dem mittleren Bahnsteig B/C wechseln möchte, kann dafür weiterhin den mittleren Überweg nutzen. Diese Regelungen sollen voraussichtlich bis zum 27. Oktober gelten.

Hintergrund der erneuten Arbeiten am Hauptbahnhof ist die notwendige Herrichtung der Gleiskurven für den Busverkehr. Nach den Bauarbeiten im Sommer waren bei einer Kontrolle noch nicht vollständig erfüllte Anforderungen an die Gleisanlagen A und B festgestellt worden. Die LVB nutzen nun die Herbstferien, um die betreffenden Bereiche erneut zu bearbeiten. Eine detaillierte Übersicht der aktuellen Baumaßnahmen veröffentlichen die Verkehrsbetriebe HIER ONLINE auf ihrer Service-Seite.

Hier gehts lang! Das sind die aktuellen Umleitungen. Karte: LVB

LVB-Kundenzentrum im Übergangsquartier

Wir bleiben noch einen Augenblick beim  Thema Straßenbahn. Wer ab heute eine persönliche Beratung bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) benötigt, steht jetzt am bisherigen Kundenzentrum gegenüber Kaffee-Richter vor verschlossener Tür. Denn dort wird bis Anfang 2027 umfassend modernisiert.

Stattdessen empfangen die LVB ihre Kunden nun im Petersbogen. Der vorübergehende Standort befindet sich im Erdgeschoss des Einkaufszentrums in der Petersstraße, unmittelbar an den Rolltreppen. Geöffnet ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 16 Uhr. Die Mitarbeiter beraten dort zu Fahrscheinen, Abonnements und Vertragsangelegenheiten.

Eine wichtige Änderung betrifft die Bezahlung: Bargeld wird am neuen Standort aus logistischen Gründen nicht angenommen. Möglich sind Zahlungen mit EC-Karte, Visa und Mastercard (außer American Express). Wer zwingend bar bezahlen möchte, kann das Mobilitätszentrum am Hauptbahnhof oder den Fahrscheinautomaten vor dem bisherigen Service-Center nutzen.

Keine Barzahlung im Interim-Kundenzentrum der LVB. Foto: Benjamin Weinkauf

Die Modernisierung des bisherigen Standortes bringt barriereärmere Zugänge mit sich, moderne Beratungsplätze und ein Wartebereich mit Kinderspielecke kommen hinzu. Vorgesehen sind außerdem ein elektronisches Aufrufsystem und ein Expressschalter für kurze Anliegen und den Ticketverkauf. Auch die Arbeitsplätze der Beschäftigten werden technisch und ergonomisch erneuert.  „Unser Ziel ist es, unseren Kundinnen und Kunden auch künftig einen leistungsfähigen, persönlichen und zeitgemäßen Service anzubieten“, erklärt Tanja Pohl, Leiterin Kundenservicezentren der LVB.

Während der Bauzeit bleibt übrigens das Mobilitätszentrum am Hauptbahnhof, Willy-Brandt-Platz, geöffnet. Dort werden Kunden montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr und samstags von 8 bis 16 Uhr beraten, ausgenommen an Feiertagen. Abonnements können unabhängig von Kundenzentren online über www.l.de/meinABO abgeschlossen und verwaltet werden. Die App LeipzigMOVE ermöglicht die Verbindungssuche und den Ticketkauf. Telefonisch sind die LVB täglich rund um die Uhr unter 0341 19449 erreichbar.

Erstmal zu wegen neu. Die LVB modernisieren ihr Service-Center. Foto: Benjamin Weinkauf

Von der Frankfurter Paulskirche ins Alte Rathaus

Der französisch-britische Jurist und Schriftsteller Philippe Sands ist heute, unmittelbar nach der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2026 in der Frankfurter Paulskirche, in Leipzig zu Gast und nimmt im Rahmen des Literaturfestivals „Literarischer Herbst“ an einem öffentlichen Gespräch über sein Leben, seine Bücher und seine Arbeit als international tätiger Jurist teil.

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Festsaal des Alten Rathauses am Markt 1 in Leipzig. Gesprächspartner ist Stephan Detjen, Frankreich-Korrespondent des Deutschlandradios. Die Schauspielerin Verena Noll ergänzt den Abend mit Lesungen aus Sands’ Werken. In deren Mittelpunkt stehen Fragen des internationalen Rechts, die Aufarbeitung historischer Verbrechen und die Bedeutung juristischer Verantwortung. Dazu gehören insbesondere Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Folter und koloniales Unrecht. Sands beschäftigt sich in seinen Veröffentlichungen mit den Lebensgeschichten von Opfern und Tätern und untersucht, wie sich persönliche Schicksale mit der Entwicklung des Völkerrechts verbinden.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels würdigt mit dem Friedenspreis seinen Einsatz für Menschenrechte, Gerechtigkeit und internationale Verständigung. In der Begründung der Jury heißt es über den Autor: „Als eine der wichtigsten intellektuellen Stimmen unserer Zeit setzt sich der französisch-britische Jurist und Schriftsteller für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche Verteidigung des Völkerrechts ein.“ Die Auszeichnung wird seit 1950 vergeben, ist mit 25.000 Euro dotiert und wurde Sands gestern, am 11. Oktober, in der Frankfurter Paulskirche verliehen.

Philippe Sands wurde am 17. Oktober 1960 in London geboren und stammt aus einer Familie von Holocaustüberlebenden. Er ist Professor für Internationales Recht am University College London und lehrt außerdem als Gastprofessor an der Harvard Law School. Als Menschenrechtsanwalt war er an bedeutenden internationalen Gerichtsverfahren beteiligt, darunter Fälle im Zusammenhang mit dem früheren chilenischen Diktator Augusto Pinochet. Zudem setzt er sich für die strafrechtliche Verfolgung schwerer Umweltzerstörungen ein.

Seit 2016 veröffentlicht er neben wissenschaftlichen Arbeiten auch literarische Sachbücher, darunter „Rückkehr nach Lemberg“ (deutsch 2018), „Die Rattenlinie“ (2020), „Die letzte Kolonie“ (deutsch 2023) und „Die Verschwundenen von Londres 38“ (2025). Zu seinen Auszeichnungen gehören der Baillie Gifford Prize (2016), der Wingate Literary Prize und der British Book Award (beide 2017), der Prix Montaigne (2018), der Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln (2023), der George Barrett Award for Public Interest Law (2024) sowie der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis (2025). Im Jahr 2026 erhielt er neben dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels auch Ehrendoktorwürden der University of Cambridge und der Pompeu Fabra University in Barcelona.

Der Eintritt ist kostenlos, allerdings war wegen der begrenzten Zahl an Plätzen eine verbindliche Anmeldung bis zum 10. Oktober vorgeschrieben. Über die Vergabe von frei gewordenen Plätzen kann nur direkt am Abend entschieden werden.

Im Alten Rathaus wird heute der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels begrüßt. Foto: Benjamin Weinkauf

Bachmann-Ehrung zum Hundertsten

Unter dem Titel „Who the fuck is Malina?“ ist heute um 18 Uhr im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek eine szenisch-theatrale Auseinandersetzung mit Leben und Werk der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann zu erleben. Anlass ist der diesjährige 100. Geburtstag der Schriftstellerin.

Die österreichische Schauspielerin Charlotte Kaiser widmet sich insbesondere Bachmanns 1971 veröffentlichtem Roman „Malina“ und bezieht auch die Korrespondenz der Schriftstellerin mit Paul Celan und Max Frisch ein. Die Inszenierung untersucht, wie sich biografische Erlebnisse, zwischenmenschliche Beziehungen und literarisches Schaffen gegenseitig beeinflussen. Zugleich richtet sie den Blick auf Bachmanns künstlerische Eigenständigkeit und die Bedeutung ihres Werks. Der Eintritt ist frei.

Ingeborg Bachmann wurde 1926 im österreichischen Klagenfurt geboren und zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Nach dem Studium der Philosophie, Germanistik und Psychologie promovierte sie 1950 mit einer Arbeit über die Philosophie Martin Heideggers. 1953 erhielt sie für ihre Gedichte den Preis der Gruppe 47. Zu ihren wichtigsten Ehrungen gehören der Georg-Büchner-Preis 1964 und der Große Österreichische Staatspreis für Literatur 1968. Bachmann lebte unter anderem in Italien, der Schweiz und Berlin und starb am 17. Oktober 1973 im Alter von 47 Jahren in Rom an den Folgen schwerer Brandverletzungen.

Charlotte Kaiser kam am 3. Januar 1999 in Berlin zur Welt, wuchs in Dresden auf. Von 2019 bis 2023 studierte sie Schauspiel in Graz, gastierte anschließend unter anderem am dortigen Schauspielhaus und am Landestheater Linz. Für ihre Soloarbeit „Who the fuck is Malina? – Eine szenische Annäherung an Ingeborg Bachmann“ erhielt sie 2023 einen staatlichen Würdigungspreis für einen der besten Studienabschlüsse an österreichischen Hochschulen. Nach einem Engagement am Theater Hof von 2024 bis 2025 nahm sie 2025 ein Regiestudium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin auf.

Charlotte Kaiser bietet Lesung und Schauspiel zu Ingeborg Bachmann. Foto: Michael Bader

 

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