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Anfang 2027 wählt Leipzig einen neuen Oberbürgermeister, diesmal wirklich einen Neuen, da der Amtsinhaber nicht mehr antreten kann. Das Kandidierendenfeld füllt sich langsam, allerdings ist der Frauenanteil mit einer Kandidatin von neun leider sehr überschaubar. Auch die Partei der Humanisten (PdH) hat jetzt mit Fabian Schmidt ihren Kandidaten nominiert.
Die Aufstellungsversammlung der PdH ist schon einen Monat her, aus Termingründen trafen wir uns erst am 27. Juli zum Gespräch.
Herr Schmidt, was wollen die Humanisten?
Was wir wollen? Politik vor allem an drei Sachen festmachen: Menschlichkeit, Fakten und Freiheit. Das sind drei Grundwerte, für die wir stehen. Und das Ganze mit Vernunft und auf Basis von Fakten. Das ist, glaube ich, das Kernthema.
Ich gehe davon aus, zu den Themen stehen Sie natürlich auch persönlich.
Zu den Themen stehe ich persönlich auch, wenngleich ich noch meine persönlichen Themen für den Wahlkampf mitbringe.
Eine kleine Vorstellung. Wer sind Sie, was machen Sie?
Also, ich bin Fabian Schmidt, ich bin 37 Jahre jung. Ich bin 2007 nach Leipzig gekommen, für mein Studium Sozialwissenschaften und Philosophie. Bin dann lange Zeit in der Gastronomie gewesen, also sozusagen direkt am Bürger mit dem Teller. Nach Corona bin ich in die IT-Branche gewechselt, wo ich ja heute noch tätig bin. Ich bin IT-Fachconsultant und, bin da für ein Unternehmen tätig, berate Kunden im Bereich Lizenzoptimierung, Digitalisierung. Privat bin ich Familienmensch, bin verheiratet seit sieben Jahren, habe zwei Kinder, einmal Grundschule, eins am Gymnasium. Das heißt, auch die Leipziger Bildungslandschaft ist mir durchaus vertraut. Und in meiner Freizeit bin ich gerne unterwegs mit Freunden, mache Urlaub oder so das eine oder andere Mittelalter-Fest zieht mich dann auch mal an.
Aber Sie wollen ja nicht Leipzig zurück ins Mittelalter werfen, hoffe ich zumindest. Sie sagten schon, das sind die Themen der Humanisten. Was sind Ihre speziellen Themen?
Meine speziellen Themen, also ich gehöre innerhalb der PdH zum sozialen Flügel, das heißt Themen aus dem Bereich sind mir besonders gewogen. Aufgrund des Faktes, dass ich zwei Kinder habe, ist Bildung natürlich ein ganz großes Thema für mich, die gesamte Bildungslandschaft. Wir haben, wenn wir uns die Schulgebäude hier in der Stadt ansehen, desolate Zustände was Ausstattung angeht, was Klimatisierung angeht. Das ist also ein Kernthema, wie man hier Verbesserungen schaffen kann für die Kinder, für die Bildung.
Das zweite Thema ist Soziales. Ich selber habe noch da Glück einen relativ alten Mietvertrag zu haben, also günstig zu wohnen. Ich suche seit Jahren eigentlich eine größere Wohnung für mich und die Familie, das ist aber aussichtslos, wenn man nicht gerade Spitzenverdiener ist in dieser Stadt. Und ich glaube, da müssen wir ansetzen, dass Leipzig auch einfach für alle bewohnbar bleibt.
Das Dritte ist so ein bisschen angelehnt an das Thema der inneren Sicherheit tatsächlich. Es gibt, glaube ich, in Leipzig eine zunehmende Wahrnehmung, dass es nicht mehr sicher ist. Sei es durch gestiegene Armut, durch den Bereich im Bahnhof beispielsweise, wo auch Pressemeldungen mit „gefährlichster Bahnhof Deutschlands“ betitelt werden. Ich glaube, hier haben wir Nachholpotenzial, um den Bürgern einfach wieder zu sagen: Das ist deine Stadt und hier kannst du dich sicher fühlen, hier bist du zu Hause.
Sie meinen jetzt mit Sicherheit, nicht Sicherheitspolitik, wie massiv Polizei aufbauen, sondern einfach das Gefühl, dass es sicher ist, zu vermitteln?
Genau, keinen großen Polizeiapparat aufzubauen, das ist richtig, sondern einfach mit Maßnahmen beispielsweise gerade im Bahnhofsgebiet, hier reden wir über Drogenpolitik, Drogenkriminalität. Hier muss einfach massiv mehr Präventionsarbeit erfolgen, auch in Hinsicht auf armutsgefährdete Regionen, in denen wir Obdachlosigkeit haben. Das geht mit dem Thema sozialer Wohnungsbau natürlich einher. Ich glaube, hier kann man viel mehr bewirken, als mit strikter Staatsmacht.
Jetzt stellen Sie sich ja auf zur Oberbürgermeisterwahl, machen wir mal einfach ein Spiel: Was wäre, wenn der Fabian Schmidt Oberbürgermeister würde, was würden Sie in den ersten 100 Tagen tun?
In den ersten 100 Tagen würde ich mich auf jeden Fall dem Thema der Digitalisierung widmen. Hier bin ich als Bürger selbst betroffen, ich bin vor einiger Zeit dienstlich ins Ausland gereist und brauchte dann Reisepass. Wer es kennt, auf dem Bürgeramt einen Termin zu bekommen, ist schwierig bis manchmal unmöglich. Sprich die Stadt digitaler zu machen, wenngleich man aber auch alle abholen muss. Das heißt, nicht vor Ort physische Angebote abzuschaffen, sondern ein gesundes Mittelmaß zu finden. Junge Leute, die es können, die mit Technik affin sind, die Möglichkeit zu geben von zu Hause aus auf dem Handy sich einen Termin zu buchen, Unterlagen zu beantragen. Es muss aber für ältere Bürger der Stadt die Möglichkeit geben, vor Ort ins Gespräch zu kommen und da auch den Austausch zu haben, bei Unverständnis wie eine solche Sache bedient wird.
Ein zweites, ganz klar, ich würde mir die Schulpolitik hier in der Stadt angucken. Das heißt, was wir verbessern können hinsichtlich eventuell bei den Schulbezirken, wo wir nachrüsten können. Ich meine, dass Kinder geboren werden und sechs bis sieben Jahre später in eine Schule kommen, das ist keine Überraschung. Es ist planbar und da kommt wieder die PDH ins Spiel, Fakten, Zahlen.
Oberbürgermeister ist man für sieben Jahre, das wäre dann 2034. Jetzt wären Sie sieben Jahre Oberbürgermeister. Was ist Ihre Vision, wie sollte Leipzig nach diesen sieben Jahren aussehen?
Leipzig sollte, glaube ich, auf seine Wurzeln zurückkehren als Messestadt. Und Messestadt ist für mich ein Begriff, wo ich sage, eine Stadt von Vielfalt, von Bildung, von Austausch, auch eine Stadt in der man sich wohlfühlt. Sprich ein kulturelles Zentrum mit der Möglichkeit sich zu erholen. Wir sind schon mit dem grünen Ring hier in Leipzig eine sehr grüne Stadt, was Pflanzen und Parks angeht. Ich glaube aber hinsichtlich der letzten Wochen und Temperaturen kann man in Sachen Stadtklima noch etwas tun. Und die ganz große Baustelle, die ich gerne angehen würde, ist die Infrastruktur der Stadt. Sprich, die Stadt ist verstopft mit dem Verkehr. Sei es das Auto, sei es Fahrräder die von Autofahren genervt sind, sei es die Straßenbahn die bremsen muss, weil irgendetwas nicht funktioniert. Hier haben wir Nachholbedarf, damit Leipzig auch in Zukunft eine mobile, moderne Stadt bleibt.
Ich bedanke mich und alles Gute.
Mit Fabian Schmidt sind es aktuell neun Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters von Leipzig. Wir werden später, in der heißen Phase des Wahlkampfes mit den Kandidierenden erneut sprechen.
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