Und ewig grüßt das Murmeltier. Oder eben der Saugbagger auf dem Elsterbecken, der für einen sechsstelligen Betrag wieder Tonnen von abgelagerten Sedimenten aus dem Flussbett holt, um den Wasserabfluss zu sichern. Ein teures Unterfangen, das schon lange nicht mehr notwendig wäre, würden sich Stadt und Landestalsperrenverwaltung endlich auf eine Renaturierung des künstlichen Wasserbeckens einigen. Dann könnten die Sedimente im Becken bleiben und Basis für natürlichen Bewuchs bilden. Und die Weiße Elster würde wieder als Flusslauf sichtbar.
Doch die Stadt lässt sich Zeit. Erst 2027 will sie das Auenentwicklungskonzept vorlegen. Und ob dann tatsächlich eine nachhaltige Revitalisierung des Elsterbeckens drinsteht, ist bislang nicht auszumachen. Obwohl es auch zur Stärkung des an dieser Stelle viel zu schmalen Auenverbunds dringend notwendig wäre.
Und so plant die Landestalsperrenverwaltung Sachsen auch in diesem September wieder, Sedimente aus dem Leipziger Elsterbecken (Weiße Elster) zu entfernen. Seit Dienstag, 8. September, laufen die Bauvorbereitungen dafür. Insgesamt sollen diesmal rund 7.500 Kubikmeter Ablagerungen beseitigt werden. Die Arbeiten sollen bis Ende Oktober 2026 dauern und kosten rund 400.000 Euro, finanziert aus Mitteln des Bundes, teilt die LTV mit.
Was passiert mit den Sedimenten?
Die Sedimente werden entlang des linken Ufers des Elsterbeckens zwischen der Zeppelinbrücke und dem Palmengartenwehr entnommen. Dafür wird ein hydraulisches Baggerverfahren genutzt. Im sogenannten Saug-Spül-Verfahren wird ein Sediment-Wasser-Gemisch am Gewässerboden aufgenommen und über eine Spülleitung auf ein rund zwei Kilometer entferntes Sedimentationsbecken in Leipzig-Möckern transportiert.
Dort wird der Schlamm getrocknet. Danach werden die teilweise stark mit Schadstoffen belasteten Sedimente in Abstimmung mit der zuständigen Abfallbehörde fachgerecht entsorgt, so die LTV.
Das Wasser wird über ein Entwässerungssystem abgeleitet. Die Spülleitung quert den Radweg auf dem rechten Hochwasserschutzdeich der Neuen Luppe im Bereich Marienweg in Leipzig‑Möckern. Radfahrer werden gebeten, in diesem Bereich abzusteigen.
Der Sinn des Verfahrens
Mit der regelmäßigen Sedimentberäumung wird die hydraulische Leistungsfähigkeit des Elsterbeckens aufrechterhalten, sodass der Hochwasserschutz für Leipzig gewährleistet bleibt. Mithilfe des Beckens ist die Stadt vor Überschwemmungen geschützt, wie sie statistisch alle 150 Jahre vorkommen (HQ150).
Außerdem sollen die Abflussverhältnisse bei Niedrig- und Hochwasser sowie die Lebensbedingungen für aquatische Lebewesen deutlich verbessert und ihre Wanderkorridore reaktiviert werden. Das Gewässer wird somit ökologisch aufgewertet und entspricht dann den Anforderungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie.
Die Sedimentberäumung wurde beim Amt für Umweltschutz der Stadt Leipzig und der Fischereibehörde angezeigt. Die Arbeiten werden von einer ökologischen Baubegleitung und dem Anglerverband betreut, betont die LTV. Denn natürlich greift die Beräumung auch in die Lebensräume der hier lebenden Fische ein. Schon daher ist das ein nicht unerheblicher Eingriff in das Ökosystem.
Das Elsterbecken
Das Elsterbecken in Leipzig wurde zwischen 1913 und 1925 zum Schutz vor Hochwasser gebaut. Gleichzeitig diente es analog der Hamburger Binnenalster als städtebauliches Element. An den Ufern des damals größten Gewässers der Region wurden Parkanlagen, Badestellen und Bootshäuser sowie später das Leipziger Zentralstadion errichtet.
Seit dem Hochwasser 2013, bei dem es zu einem hohen Sedimenteintrag kam, wird dieser regelmäßig alle ein bis zwei Jahre in verschiedenen Bereichen des Elsterbeckens entfernt. Dafür nutzt die Landestalsperrenverwaltung hydraulische oder mechanische Baggerverfahren. Die Sedimentberäumung kann nur abschnittsweise erfolgen, da das Sedimentationsbecken eine begrenzte Kapazität hat.
Die letzten Arbeiten dazu fanden zwischen Oktober und Dezember 2024 statt.
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