Diskutieren kann man da eigentlich nicht mehr: Wenn ein Bauprojekt wie das riesige Projekt der Georg-Schwarz-Brücken zwischen Leutzsch und Böhlitz-Ehrenberg erst einmal gestartet ist, kann man es nicht einfach stoppen, wenn unterwegs die Kosten steigen. Nicht alles lässt sich von vornherein auf Heller und Pfennig genau kalkulieren. Gestartet ist das Mega-Projekt, das den Leipziger Westen bis 2031 in Atem halten wird, 2025 mit einem Kostenziel von knapp 99 Millionen Euro.
Aber 2026 kam es nun zu einem ersten Aufschlag, über den der Stadtrat am 2. September befinden musste. Ein Aufschlag, der vor allem mit höheren Anfangskosten zu tun hat, die die STRABAG als Auftragnehmer gemeldet hat. Baubeginn war der 29. September 2025. Und anders als erwartet erhöhen sich die Kosten für 2026 deutlich – um 22 Millionen Euro. Dafür wird die Jahresscheibe 2027 jetzt mit 13 Millionen Euro niedriger kalkuliert. Und die Vorausberechnungen stammen ohnehin schon aus dem Jahr 2023.
Mit den Worten des Baudezernats in der Vorlage für den Stadtrat: „Die ursprüngliche Kostenprognose wurde durch das MTA bereits drei Jahre vor Baubeginn erstellt. Für die Haushaltsplanung wurden die Gesamtkosten damals vereinfachend in sechs gleichmäßige Jahresscheiben aufgeteilt, da zu diesem Zeitpunkt noch kein belastbarer Bauablauf vorlag. Diese lineare Verteilung bildet jedoch den tatsächlichen, dynamischen Bauablauf nicht realistisch ab. Ein Großbauprojekt kann durchaus in der Startphase überproportional hohe Kosten verursachen.“
Hohe Startkosten
Das ist jetzt auch bei den Georg-Schwarz-Brücken der Fall: „Das BMH-Projekt i-5 Georg-Schwarz-Brücken/Am Ritterschlößchen befindet sich seit dem 29.09.2025 in der Realisierung und läuft entsprechend des Bauablaufplanes weitgehend planmäßig. Durch den Auftragnehmer Bau wurde ein Zahlungsplan am 12.03.2026 vorgelegt, der mit den verfügbaren Jahresscheiben im Haushalt entsprechend des vorliegenden Bau- und Finanzierungsbeschlusses VII-DS-09251 hauptsächlich im Jahr 2026 nicht übereinstimmt.
Zusätzlich liegen zum aktuellen Zeitpunkt geprüfte Nachträge i.H.v. 1.214.391,35 Euro (brutto) vor. Des Weiteren wurden die erforderlichen Grunderwerbsmittel für die Jahre 2027/2028 im Haushalt des Mobilitäts- und Tiefbauamtes i.H.v. 1.233.350,19 Euro eingeplant. Im Jahr 2026 entsteht ein voraussichtlicher Mehrbedarf in 2026 i.H.v. ca. 22.437.571,45 Euro.“
Und ein mögliches Kostenrisiko steckt weiterhin in diesem Projekt, führt das Planungsdezernat aus: „Aufgrund eines Kampfmittelverdachtes im Bereich der herzustellenden Bohrpfähle für die Gründung des Brückenbauwerkes II/R11, welcher durch eine Kampfmitteluntersuchung festgestellt und durch eine Kampfmittelnachuntersuchung nicht ausgeschlossen werden konnte, sind Verzögerungen im Bauablauf möglich.
Es wird derzeit ein Konzept erarbeitet, welches die Freilegung des Störkörpers ermöglicht – hierfür sind kurzfristige Sperrpausen abzustimmen. Je nach Ergebnis der weitergehenden Erkundungen sind Verzögerungen im Bau zu erwarten. Dies kann dazu führen, dass der bisher prognostizierte Mittelabfluss im Jahr 2026 entsprechende Reduzierungen erfährt.“
Deutlich mehr Fördergeld
Da möchte man nicht unbedingt in der Warnweste des Bauleiters stecken.
Gestartet ist das Riesenprojekt mit einer kalkulierten Bausumme von 98,7 Millionen Euro, davon 20,9 Millionen Euro Fördermittel. Aus Sicht der Stadt hat sich die Finanzierungssituation – unter anderem durch deutlich mehr Förderung durch den Freistaat – wesentlich verbessert.
Zwar rechnet das Planungsdezernat jetzt mit 101,2 Millionen Euro Gesamtkosten, davon werden aber nun 48,3 Millionen Euro durch Fördermittel abgedeckt, sodass die Stadt statt 77,9 nur noch 52,9 Millionen Euro aufbringen muss. Durch Kreditaufnahme übrigens, denn die prekäre Haushaltssituation zwingt die Stadt ja bekanntlich, wichtige Infrastrukturinvestitionen wie den Neubau der Georg-Schwarz-Brücken komplett über Kredite zu finanzieren.
Der Stadtrat nahm die Vorlage zur Kostenerhöhung am 2. September mit klarer Mehrheit und nur einer Gegenstimme an.
Empfohlen auf LZ
So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:















Keine Kommentare bisher