Seit die Klingerbrücke über das Elsterflutbett für den Verkehr drastisch beschränkt werden musste und die Zeppelinbrücke aufwendig für das nächste halbe Jahrhundert gesichert wird, geht auch in einigen Stadtratsfraktionen die Sorge um, dass Leipzig beim Sanieren und Ersetzen seiner alten Brücken ein Problem bekommen könnte. Der Einsturz der Carolabrücke in Dresden 2024 hat die Sinne dafür geschärft, dass Brücken nicht ewig halten. Und gleichzeitig wird das Geld immer knapper, um diese in die Jahre gekommenen Brücken rechtzeitig zu ersetzen. Den aktuellen Sachstand fragte in der Ratsversammlung am 28. Januar die SPD-Fraktion ab.

Denn es sind ja nicht nur die Spannbetonbrücken aus den 1970er Jahren – wie die Brücke der B2 über den agra-Park – die die Grenze ihrer Stabilität erreichen und dringende Notmaßnahmen erfordern. Auch ältere und recht stabil gebaute Brücken kommen nun in Leipzig ans Ende ihrer Lebensdauer. Und zwei Dutzend von ihnen sind vorsichtshalber schon lastbeschränkt, wie das Mobilitäts- und Tiefbauamt (MTA) in seiner Antwort mitteilte.

Das sind alles Brücken, die im Grunde dringend saniert werden müssen. Wobei auch eine Brücke darunter ist, die die Stadt inzwischen aus dem Verkehr gezogen hat: die Kettenbrücke über die Parthe im Rosental.

Für die anderen in dieser Liste aufgeführten 25 Brücken gelten inzwischen entweder deutliche Lastbeschränkungen, sie sind also für größere Lkw gesperrt. Oder die Brücke selbst ist schon – wie die Geithainer Brücke in Paunsdorf – komplett gesperrt.

Die Liste lastbeschränkter Brücken in Leipzig.

Für acht dieser 25 Brücken haben die Vorplanungen begonnen. Die Georg-Schwarz-Brücken, die in den nächsten Jahren komplett neu gebaut werden, stehen auch noch in der Liste. Für die streng beobachtete Klingerbrücke ist ein Neubau ab 2029 vorgesehen, genauso wie für die Brücke in der Göteborger Straße.

Baupläne ab 2028

Und auch die diversen Brücken im Verlauf der Gustav-Esche-Straße hat die Stadt noch oder wieder im Plan: die Brücke über die Neue Luppe 2028, die Leutzsch-Wahrener Brücke über die Nahle dann 2032. Die Brücke in der Sasstraße, die eigentlich 2028 neu gebaut werden sollte, wurde ins Jahr 2032 verschoben.

Gustav-Esche-Brücke.
Die Gustav-Esche-Brücke über die Neue Luppe. Foto: Ralf Julke

Und dann gibt es noch acht Brücken, deren Bauzustand ebenfalls schon besorgniserregend ist, für die also in nächster Zeit eine Lastbeschränkung droht. Darunter der Rennbahnsteig übers Elsterflutbett und die Beipertbrücke im Verlauf des Schleußiger Weges. Der Rennbahnsteig soll 2028 instand gesetzt werden. Für die Beipertbrücke laufen die Vorplanungen. Und auch für die Riebeckbrücke laufen Planungen für einen lange überfälligen Ersatzneubau ab 2029.

Wenn denn die Bautermine gehalten werden können und die Gelder zur Verfügung stehen. Denn aufgrund der desolaten Haushaltslage muss Leipzig auch seine dringenden Investitionen in Brückenerneuerungen immer wieder schieben. Was die Sache nicht billiger macht.

Wenn man denn die Kapazitäten hat …

In seiner Antwort an die SPD-Fraktion betont das MTA:

„Die Instandsetzung bzw. der Ersatzneubau der Brücken erfolgt nach einer abgestimmten Priorisierungsliste. Die Planungsbeginne sind entsprechend der Liste veranlasst und die finanziellen Mittel für Planung und Bau für die zukünftigen Haushalte angemeldet.

So die für die Umsetzung notwendigen Kapazitäten finanziell und personell zur Verfügung gestellt werden können, ist aktuell davon auszugehen, dass es nicht zu Einschränkungen durch eine Verschlechterung des baulichen Zustands der Brücken kommen wird. Momentan wird dazu ein lebenszyklusorientiertes Erhaltungsmanagement entwickelt, das die notwendigen Aufwendungen dezidiert darstellt und untersetzt.

Die Ausnahme von dieser Aussage ist die Kettenbrücke, die wegen höher zu priorisierender Baumaßnahmen und ihrer untergeordneten Lage im Wegenetz nicht planmäßig ersatzneugebaut werden konnte und aufgrund ihres schlechten Bauzustandes kurzfristig gesperrt werden musste.“

Nach der wundersamen Vokabel „lebenszyklusorientiertes Erhaltungsmanagement“ fragte dann am 28. Januar SPD-Stadtrat Marius Wittwer, wollte gern wissen, was darunter zu verstehen sei. Immerhin klingt das nach provisorischen Flick- und Stützmaßnahmen, damit die bejahrte Brücke noch ein bisschen länger hält. Aber was darunter genau zu verstehen ist, will Baubürgermeister Thomas Dienberg dann im Fachausschuss Bau erläutern.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Ralf Julke über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar