Eigentlich ist bei der Rettung des Leipziger Auwalds Eile angesagt. Jedes Jahr Trockenheit schädigt die Baumbestände weiter. Dem Auwald fehlt das Wasser. Und eigentlich sollte er es mit einem großangelegten Auenentwicklungskonzept in den nächsten Jahren nach und nach wiederbekommen. Doch auch das Auenentwicklungskonzept verspätet sich. Eigentlich sollte es schon im Frühjahr 2025 vorliegen. Aber die Erarbeitung hat dann doch etwas länger gedauert. Aber 2026 könnte es nun endlich so weit sein, dass es öffentlich wird.

Immerhin stecken über fünf Jahre Arbeit drin. Einer, der sich immer sehr intensiv damit beschäftigt hat, wollte jetzt von der Verwaltung wissen, wo das Konzept denn nun geblieben ist: Jürgen Kasek.

In seiner Einwohneranfrage formulierte er das Problem: „Der Stadtrat hat neben einem Auenentwicklungskonzept auch ein Kommunikationskonzept beschlossen, ersteres sollte zumindest für die Nordwestaue zunächst bis Anfang 2025, dann bis Ende 2025 vorliegen. Gleichwohl liegt ein solches, bislang nicht vor.

Da erst mit dem Beschluss zum Konzept in der Nordwestaue, die Arbeiten im Süden folgen sollten, stellen sich dazu Fragen. Hinzu kommt, dass ebenfalls angedacht war, die Schutzgebietsfestlegungen etwa für das NSG Elster-Pleiße Auwald im Zuge der Bearbeitung des Auenentwicklungskonzepts anzupassen und auch zu prüfen, ob das NSG ausgeweitet werden kann.

Der Zustand des Auwaldes ist bedenklich, ohne dass der Eindruck entsteht, dass auf die alarmierende Situation angemessen reagiert wird.“

Auwald unter Trockenstress

Und dazu kommt: Die Gesamtniederschlagsmenge in Leipzig ist seit Jahren rückläufig. Der Grundwasserspiegel ist gesunken und erholt sich kaum noch. Und der Auwald als großer Wasserspeicher fällt praktisch aus, weil er noch immer mit Deichen von Elster, Nahle und Neuer Luppe abgeschottet ist.

„Weiterhin kommt hinzu, dass durch das Fehlen der natürlichen Überschwemmungen und mithin einer charakteristischen Auendynamik im Unterholz des Waldes der Bergahorn, der ursprünglich nicht heimisch ist, dominiert und damit den charakteristischen Auwaldbäumen zusätzlich das Leben schwermacht. Damit einher geht auch ein dramatischer Verlust an Biodiversität. Hinzu treten Pathogene und nichtheimische Tier- und Pflanzenarten“, betonte Kasek in seiner Anfrage.

Das alles ist nicht neu. Das wurde schon 2018/2019, in den beiden Dürrejahren, wieder einmal deutlich. 2019 stellten dann die Grünen einen Antrag, endlich ein Konzept aufzustellen, wie der Leipziger Auwald wieder ans Wasser kommt. Beschlossen wurde das dann 2020 in einer Variante der Linksfraktion.

Und eine Gefahr sieht Kasek, die sogar gewachsen ist: „Hinsichtlich des so dringend notwendigen Auenentwicklungskonzepts ist das Ineinandergreifen von unterschiedlichen Ebenen, da für die Gewässer der ersten Ordnung bekanntlich der Freistaat zuständig ist, der in der aktuellen Legislaturperiode nicht hat erkennen lassen, dass er den in der letzten Legislaturperiode eingeschlagenen Weg weiterhin fortsetzen will, notwendig.

Wir haben viel Verständnis dafür, dass es viele drängende Fragen in herausfordernden Zeiten für die Stadt und Verwaltung gibt, gerade in Zeiten knapper Kassen.

Aber der Erhalt des Auwaldes, als grüne Lunge der Stadt und seiner vielfältigen Nutzung, sollte Priorität haben, zumal die Folgekosten eines Verlustes von Biodiversität und Baumbestand, weit jenseits dessen liegen, was an Mitteln jetzt aufzubringen wäre.“

Wir haben intensiv dran gearbeitet

Vielleicht hat er aufgeatmet, als er zur letzten Ratsversammlung am 25. März die Antwort aus dem Amt für Stadtgrün und Gewässer bekam: Das Konzept ist tatsächlich endlich in der finalen Ämterrunde angekommen.

„Seit den Beschlüssen der Ratsversammlung (VI-DS-02029-DS-02 und VII-A-00516-ÄA-02-NF-01) wird intensiv an der Erstellung eines gesamträumlichen, integrierten Auenentwicklungskonzepts (AEK) gearbeitet“, meldet das Amt für Stadtgrün und Gewässer zum aktuellen Arbeitsstand für das Konzept. Ein erster Teil ist sogar schon seit 2024 fertig, wurde aber noch nicht veröffentlicht.

„Im August 2024 wurde das Auenentwicklungskonzept für die Elster-Luppe-Aue (Nordwestaue) erfolgreich erarbeitet und im Fachausschuss Umwelt, Klima und Ordnung sowie den beteiligten Akteuren vorgestellt. Im zweiten Teilraum, der Elster-Pleiße-Aue (Südaue), werden derzeit die Lösungsansätze konkretisiert und für die hydraulische Modellierung durch die LTV vorbereitet, die für eine Überprüfung der Lösungsansätze bzw. ihrer Wirkräume erforderlich ist.

Die Erarbeitung des Auenentwicklungskonzepts für die Südaue erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Fachstellen des Landes, insbesondere mit der Landestalsperrenverwaltung, und mit Beteiligung von Akteuren aus Behörden, der Wissenschaft und den Umweltverbänden. Die intensiven Abstimmungen legen die Grundlage für die spätere Umsetzung der erarbeiteten Lösungsansätze.

Abhängig vom zeitlichen Abschluss der hydraulischen Modellierung soll das Konzept für die Elster-Pleiße-Aue (Südaue) bis Ende 2026 fertiggestellt werden. Daran anknüpfend wird das Auenentwicklungskonzept für die Elster-Pleiße-Luppe-Aue (Gesamtaue) abgeschlossen und im Anschluss der Ratsversammlung zum Beschluss vorgelegt.“

Baubeginn wohl 2029

Heißt im Klartext: Stadtrat und Öffentlichkeit bekommen das komplette Auenentwicklungskonzept erst 2027 zu Gesicht. Und da wird dann trotzdem noch nicht los- oder rückgebaut, wie das Amt für Stadtgrün und Gewässer mitteilt: „Das Auenentwicklungskonzept bildet die Grundlage für den Pflege- und Entwicklungsplan des von den Städten Leipzig und Schkeuditz beantragten Naturschutzgroßprojekts  (VII-DS-09803).“

Das heißt: Auch 2028 wird noch kein Eingriff in die Auenverdeichung gestartet. Das wird frühestens 2029 der Fall sein, erklärt das Amt für Stadtgrün und Gewässer: „Der Pflege- und Entwicklungsplan ist das Ergebnis der ersten Projektphase (geplanter Abschluss: 2029) und Basis für die Umsetzung von Maßnahmen in der daran anschließenden Projektphase II.“

Der Burgauenbach in der Nordwestaue. Foto: Ralf Julke
Der Burgauenbach in der Nordwestaue. Foto: Ralf Julke

Weiterarbeiten wird man derweil im Gebiet des Burgauenbaches, der in den letzten Jahren schon in wesentlichen Abschnitten revitalisiert wurde: „Im Sinne einer weiteren Sofortmaßnahme zur Auenrevitalisierung sollen bereits in der Planungsphase des Naturschutzgroßprojekts in der Burgaue zusätzliche Rinnen und trockengefallene Altläufe an den Burgauenbach angeschlossen werden. Daneben sind die Entwicklung von Auengrünland und die Förderung der Stieleiche geplant sowie Pflegemaßnahmen an den Lachengewässern.“

Und das Kommunikationskonzept?

Wo aber steckt das dazugehörige  Kommunikationskonzept gerade und wann bekommt man es zu sehen, wollte Kasek wissen.

„Das Auenkommunikationskonzept wurde im vergangenen Jahr final erarbeitet und zu Jahresbeginn Vertreterinnen und Vertretern der Umweltverbände und der Wissenschaft vorgestellt“, erwiderte das Amt für Stadtgrün und Gewässer. „Die Ergebnisse dieses Termins fließen in die Informationsvorlage für den Stadtrat ein, die derzeit in Erarbeitung ist.“

Das klingt so ein bisschen nach Zielgerade. Und parallel passiert noch etwas, das jüngst bei der Diskussion um die Allgemeinverfügung zum Cospudener See öffentlich wurde: Wenn der Auwald schon zu einem Naturschutzgroßprojekt wird, dann muss auch sein Status hochgestuft werden – vom Landschaftsschutzgebiet, das der Leipziger Auwald heute ist, zum Naturschutzgebiet, wo dann deutlich strengere Regeln gelten.

Im Wortlaut aus dem Amt für Stadtgrün und Gewässer klingt das so: „Die Schutzgebietsanpassungen für das NSG ‚Elster-Pleiße Auwald‘ werden geprüft, sobald die Maßnahmen des Auenentwicklungskonzepts Südaue und der sich daraus ergebende Wirkungsraum hydraulisch modelliert und räumlich abgegrenzt sind.“

Und zum südlichen Auwald gehört nun einmal auch der komplette Südteil des Cospudener Sees. Aber für diese Neueinordnung des Schutzgebietes hat das ASG noch kein Zieldatum genannt.

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