Klein, schnell, fleissig – und trotzdem vom Aussterben bedroht. Heute Vormittag wildert der Leipziger Zoo 20 kleine Feldhamster aus, die zuvor in dessen Obhut aufgewachsen sind. Die Aktion ist Teil eines Programmes der Europäischen Union. Am Abend eröffnet im Stadtarchiv eine neue Ausstellung mit Fotografien von Silvia Hauptmann. „Aufbruch und Tradition – 30 Jahre jüdisches Leben der Gegenwart in Sachsen“ erzählt vom Neueuntstehen jüdischen Lebens in Leipzig.

Aus dem Zoo in die Freiheit

Der Feldhamster, einst in weiten Teilen Deutschlands verbreitet, als Schädling bekämpft und wegen seines Fells industriell gejagt, zählt heute zu den akut vom Aussterben bedrohten Tierarten. Verantwortlich dafür sind vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft sowie die Folgen des Klimawandels. Um die Art zu erhalten, werden die Tiere inzwischen gezüchtet. Im Rahmen des EU-Projektes „LIFE4HamsterSaxony“ gibt es deshalb heute Vormittag auf einer geeigneten Ackerfläche nordwestlich von Wiedemar sogar eine Auswilderung der kleinen Nager, die zuvor im Zoo Leipzig gezüchtet wurden.

An dem Termin nehmen Landwirtschafts- und Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch, Prof. Jörg Junhold, Direktor des Leipziger Zoos, Dr. Eckhard Rexroth, Umweltdezernent des Landkreises Nordsachsen, sowie Wiedemars Bürgermeister Steve Ganzer teil. Nach einer Pilotphase in den Jahren 2024 und 2025 sollen nun 20 weitere Tiere freigelassen werden, um die Population der bedrohten Art in der Region zu stabilisieren. Das Projekt „LIFE4HamsterSaxony“ verfolgt das Ziel, im letzten sächsischen Vorkommensgebiet des Feldhamsters geeignete Lebensbedingungen zu schaffen und dauerhaft eine überlebensfähige Population zu sichern.

Beteiligt sind das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, der Zoo Leipzig sowie der Landkreis Nordsachsen. Der Zoo Leipzig engagiert sich seit 2021 für den Schutz des Feldhamsters und nahm gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft im Jahr 2022 eine Zuchtstation in Betrieb.

Seit 2021 ist der Zoo Leipzig Teil der Fedhamster-Familie. Zoo-Direktor Jörg Junhold (li.) bringt die Schützlinge höchst selbst in die Freiheit. Foto: Zoo Leipzig

Wie jüdisches Leben neu entsteht

Jüdisches Leben in Leipzig wurde durch die Shoah beinahe ausgelöscht. Umso eindringlicher erzählen die Fotografien von Silvia Hauptmann von einem Neubeginn, der nach 1990 langsam wieder sichtbar wurde. Im Stadtarchiv Leipzig wird heute um 18 Uhr die Ausstellung „Aufbruch und Tradition – 30 Jahre jüdisches Leben der Gegenwart in Sachsen. Fotografien von Silvia Hauptmann“ eröffnet. Zur Vernissage im Wustmann-Saal spricht Bürgermeister Ulrich Hörning ein Grußwort.

Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt der Ephraim Carlebach Stiftung und des Stadtarchivs Leipzig im Rahmen des Themenjahres der jüdischen Kultur „Tacheles“ unter dem Motto „Jüdisch. Sächsisch. Mentshlich.“ 2026. Gezeigt werden ausgewählte Arbeiten aus dem umfangreichen Archiv der Leipziger Fotografin Silvia Hauptmann, die im Auftrag der Stiftung über drei Jahrzehnte hinweg jüdisches Leben in Sachsen dokumentierte. Ihre Bilder halten fest, wie sich die jüdischen Gemeinden seit den frühen 1990er Jahren entwickelten — von vorsichtigen ersten Schritten nach der Wiedervereinigung bis hin zu einer selbstbewussten und vielfältigen Gemeinschaft.

Vor allem die Zuwanderung jüdischer Familien aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion habe diese Entwicklung geprägt und neues jüdisches Leben in Sachsen entstehen lassen. Hauptmanns Fotografien zeigen dabei nicht nur Veranstaltungen und religiöse Feste, sondern auch Alltag, Begegnungen und persönliche Momente. Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning erklärt: „Diese Fotografien zeigen nicht nur jüdisches Leben in seiner Vielfalt, sondern erinnern uns daran, wie wertvoll das Miteinander für unsere Stadt ist. Die Bilder dieser Ausstellung machen sichtbar, wie lebendig, prägend und unverzichtbar jüdisches Leben für Leipzig und Sachsen ist.“

Auch der Direktor des Stadtarchivs, Dr. Michael Ruprecht, hebt die besondere Kraft der Bilder hervor. „Fotografien eröffnen einen besonderen Zugang zur Geschichte, weil sie nicht nur Fakten zeigen, sondern Dinge sichtbar machen, die in schriftlichen Quellen oft fehlen, etwa Atmosphären, Gesten oder Beziehungen. Bilder zeigen, wie Menschen lebten und machen Geschichte auf besondere Weise erfahrbar“, so Ruprecht. Eröffnet wird die Ausstellung gemeinsam von Ulrich Hörning, Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung, Dr. Kerstin Plowinski, Geschäftsführerin der Ephraim Carlebach Stiftung, sowie der Fotografin Silvia Hauptmann. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Ausstellungsmotiv zu “Aufbruch und Tradition” – 30 Jahre Jüdisches Leben der Gegenwart in Sachsen. Foto: Silvia Hauptmann

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