In seiner Ruhe lag wirkliche Kraft. Karl-Heinz Dallmann, der Pfarrer aus Mölbis, gehörte zu den Protagonisten der Umweltbewegung in der untergehenden DDR. Unvergessen sind die von ihm organisierten „Spaziergänge“ an den Tagebaukanten. Als Demonstrationen wären sie verboten worden. Jetzt ist der mutige Mann mit dem markanten weißen Haar und dem Nikolausbart im Alter von 80 Jahren gestorben. Das berichtet am Nachmittag zuerst die Leipziger Volkszeitung.
Grundlagenstudium und Rock´n´Roll
Dallmann wurde 1945 in Lichtenau bei Chemnitz geboren. Nach dem Besuch des Kirchlichen Seminars in Moritzburg bei Dresden legte er dort das Sonderabitur ab, bevor er von 1964 bis 1969 an der „Karl-Marx-Universität“ in Leipzig Theologie studierte.
Schon während dieser Jahre zeigte sich seine enge Verbindung zu Musik und gesellschaftlichem Engagement. In seiner Freizeit spielte er als Rockmusiker – ein ungewöhnlicher Weg für einen Theologen in der DDR. Im Frühjahr 1973 erhielt er jedoch ein Spielverbot, ein Eingriff, der beispielhaft für die staatliche Kontrolle kultureller und kirchlicher Freiräume jener Zeit stand. Als Pfarrer wirkte er zunächst in Lambertswalde in der Dahlener Heide.
Ankunft in der Mondlandschaft
1986 wurde er Pfarrer in Mölbis, wo er sich weit über die kirchliche Arbeit hinaus einen Namen machte. Dort organisierte er die „Umwelttage“ und engagierte sich damit in einer Region, die besonders stark von Umweltzerstörung betroffen war und schwere Verluste an Siedlungen und Landschaft durch den Braunkohleabbau ertragen musste. Dallmanns Arbeit verband christlichen Glauben, gesellschaftliche Verantwortung und kulturelles Engagement auf besondere Weise.
Würdigung für den Kohle-Pfarrer
Christian Dietrich, selbst Pfarrer und langjähriger Landesbeauftragter Thüringens für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, würdigt den stillen, aber kraftvollen Helden von Mölbis: „Der SED und ihrem Schwert Stasi war er ein Dorn im Auge, doch er ließ sich nicht verängstigen… In seinem Haus wurden in den ersten Tagen des Jahres 1989 mehrere Tausend Flugblätter gedruckt, mit denen zur ersten Leipziger Demonstration des Jahres 1989 eingeladen wurde. Er bleibt in heller Erinnerung! Gott sei mit ihm und allen, die dieser Verlust schmerzt.“
In einem Zeitzeugeninterview des Leipziger Archivs Bürgerbewegung e.V. berichtet Pfarrer Dallmann über diese Ereignisse.

Ein literarisches Denkmal setzte der Schriftsteller Erich Loest dem unbeugsamen Geist in seinem Wende-Epos „Nikolaikirche“. Der widerständige Südraum-Pastor erscheint dort als Pfarrer Reichenborck, in der Romanverfilmung gespielt von Rolf Ludwig.
Empfohlen auf LZ
So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:










Keine Kommentare bisher