Das Bundeskabinett hat am 13. Mai 2026 den Gesetzentwurf zur Gebäudemodernisierung (GModG) beschlossen. Mit dem Bild einer Wärmepumpe als Aufmacher wurde uns mitgeteilt, dass auch Gas- und Ölheizungen nun wieder zulässig sind. Es ist, wenn man der Veröffentlichung glaubt, ein Stück Freiheit für die Besitzer von Gebäuden bei der Wahl der Heizungssysteme, also die Abkehr von “Habecks Heizhammer”. Ist das wirklich so? Es wird ein wenig polemisch, das nur als Vorwarnung.
Zum GModG stellen sich Fragen
Frage 1: Glauben Sie, dass nach dem Ende des Iran-Konflikts, egal wie dieser ausgeht, die Preise für Öl und Gas auf das Niveau von 2021 oder früher zurückgehen? Wenn ja, dann kennen Sie die Akteure auf dem Öl- und Gasmarkt, für die Wirtschaftsministerin Reiche lobbyiert, schlecht. Selbst wenn die Situation entstehen würde, dass es wieder russische Lieferungen gäbe, ist ein Preisrückgang auf dieses Niveau äußerst unwahrscheinlich. Ausreden der Akteure wird es in Hülle und Fülle geben.
Frage 2: Glauben Sie, dass der Verzicht auf eine Steigerung der CO₂-Abgabe im Jahre 2027 für Sie positive Effekte hat? Diese Frage stellt sich selbstverständlich nur, wenn Sie zu den Menschen gehören, bei denen Merz & Co. zukünftig sparen wollen, also zu 70 – 80 % der Bevölkerung. Das Geld für die CO₂-Abgabe war schließlich im Haushalt eingeplant, irgendwo anders muss man es sich ja holen.
Frage 3: Glauben Sie an das Märchen von „Biomethan, Bioheizöl, biogenem Flüssiggas oder aber grünem, blauem, orangenem oder türkisfarbenem Wasserstoff einschließlich daraus hergestellter Derivate“ zur Wärmeerzeugung, welches die Bundesregierung propagiert? Die Frage richtet sich besonders an diejenigen, die gegen den Ausbau der erneuerbaren Energien polemisieren. Ja, blühende Landschaften mit ökologisch und für die Ernährung nutzlosen Energiepflanzen, die vom Wirkungsgrad her weitaus mehr Fläche verbrauchen als Solaranlagen oder Windräder mit gleicher Leistung, mögen schöner aussehen. Aber wo soll der Strom für die Erzeugung des grünen Wasserstoffs herkommen?
Man könnte den Fragenkatalog noch weiterführen, belassen wir es dabei. Allerdings darf man nicht fragen:
Ist Katherina Reiche die schlechteste deutsche Wirtschaftsministerin aller Zeiten? Die Antwort wäre: JA, sie ist ja auch die Erste. Also eine sinnlose Frage.
Was ist nun mit dem Heiz-Preis-Hammer?
Fakt ist: Ab 2028 steigt die CO₂-Abgabe erneut, und zwar kräftig. Das wird zu weiteren Preissteigerungen bei allen fossilen Brennstoffen führen.
Fakt ist: Wie die Preisgestaltung für die oben genannten „grünen Zusätze“ zu fossilen Brennstoffen aussehen wird, denken wir nur an Wasserstoff, den „Champagner der Energiewende“, ist vollkommen offen.
Fakt ist: Wenn diese Zusätze nicht ausreichend zur Verfügung stehen, wahrscheinlich wird es im endgültigen Gesetzestext heißen „Lieferbarkeit vorausgesetzt“, dann wird eben mit Öl oder Gas geheizt und die „Bio-Treppe“ bleibt ein theoretisches Konstrukt.
Fakt ist: Die Kosten, die durch die Bio-Treppe auf die Vermieter zukommen, werden diese in irgendeiner Weise auf die Mieter umlegen. Es sei denn, sie merken, dass das GModG den ökonomischen Zwang zum Verzicht auf Öl und Gasheizungen nur besser versteckt hat, als „Habecks Heizhammer“.
Fazit: Hinter dem Märchen „Es gilt jetzt eine freie Heizungswahl für alle Gebäudeeigentümer.“ verbirgt sich ein knallharter ökonomischer Zwang auf die Gebäudeeigentümer zum Heizungstausch. Zum einen müssen sie den Eigenanteil an den Kosten für die „grünen Brennstoffe“ tragen, zum anderen müssen sie mit Widerstand der Mieter, auch der Firmen die Gewerbeobjekte gemietet haben, rechnen. Das Gebäude-Modernisierungs-Gesetz ist geschrieben von der Öl- und Gas-Lobby, die ihre Profite auf Kosten der Allgemeinheit sichern will. Es ist Reiches Heiz-Preis-Hammer.
Ach ja, dann ist ja noch die Frage: Was ist mit dem Klima? Dazu ein anderes Mal.
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Keine Kommentare bisher
Vor zwei Monaten schrieb ich hier: “Warum wir jetzt die Energiewende in den Dörfern selbst in die Hand nehmen müssen”. Damals ging es um die 15 Tage Dunkelflaute – und um die 350 Tage, an denen Sonne und Wind uns reichlich Strom liefern.
Heute lese ich den Kommentar vom 14. Mai – und muss sagen: Der Autor hat Recht mit seinem Zorn. Das neue Gebäude-Modernisierungsgesetz ist tatsächlich ein “Heiz-Preis-Hammer”. Es verspricht Wahlfreiheit, liefert aber einen ökonomischen Zwang zu teuren, grünen Brennstoffen, die es in der Fläche gar nicht gibt. Wer heute eine Öl- oder Gasheizung einbaut, wird in zehn Jahren die Rechnung präsentiert bekommen – von den schrumpfenden Netzentgelten bis zur CO₂-Abgabe.
Aber: Der Aufschrei allein reicht nicht.
Der Kommentar fragt zu Recht: “Wo bleibt der Aufschrei?” – doch die wichtigere Frage lautet: “Was tun wir stattdessen?” Genau hier setzt mein Gastbeitrag an. Die Antwort liegt nicht in Berlin, nicht in noch mehr Förderdschungel, sondern bei uns auf dem Land.
Die 15-Tage-Wahrheit besagt: An 96 % aller Tage produzieren wir reichlich Ökostrom. Uns fehlen keine Ressourcen – uns fehlen die Gemeinschaften, die diesen Strom speichern, teilen und in Wärme verwandeln.
Deshalb meine Bitte an alle, die gerade mit Recht wütend sind über den Heiz-Preis-Hammer:
Organisiert euch nachbarschaftlich. Jede Energiegemeinschaft beginnt mit einem Gespräch. Wer hat eine Scheune für einen Batteriespeicher? Wer macht bei einer Agri-PV auf dem Acker mit? Wer koordiniert die Wärmepumpen?
Macht Politik vor Ort. Stadt- und Gemeinderäte entscheiden über Wärmeplanung, Netze und Flächen. Setzt euch in diese Gremien – oder stellt Anträge. Das Kurzpapier zur Agri-PV als Ausgleichsmaßnahme liegt bereit.
Lasst euch nicht einreden, dass die 15 Tage ein Grund sind, die nächsten 30 Jahre zu verschlafen. Ja, der Heiz-Preis-Hammer ist ungerecht. Aber wir haben eine Alternative – und die bauen wir jetzt, Dorf für Dorf, Hof für Hof.
Die länderübergreifende Arbeitsgruppe zu Agri-PV und Energiedörfern lädt alle ein, die mitmachen wollen. Nicht meckern – machen.
Matthias Malok, Initiator mehrerer Cradle-to-Cradle-Pilotprojekte mit Agri-PV