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Wenn ich sehe, welche Wege mein Buch „Weil Wegsehen keine Option ist“ inzwischen gegangen ist, erfüllt mich das mit großer Dankbarkeit und auch mit einer gewissen Verwunderung. Eigentlich begann alles hier in Leipzig, mit meinen persönlichen Erlebnissen, mit Begegnungen, mit Menschen, die Hilfe brauchten, und mit Situationen, in denen ich für mich entschieden habe: Wegsehen ist keine Option.

Dass mein Buch inzwischen aber nicht nur in Leipzig oder Deutschland gelesen wird, sondern seinen Weg nach Erbil in den Irak, nach Chicago und New York in die USA, nach Ungarn, sowie Kosovo und sogar bis nach Thailand gefunden hat, berührt mich sehr. Denn damit überschreitet dieses Buch Grenzen, die ich mir zu Beginn wahrscheinlich selbst nicht hätte vorstellen können.

Natürlich frage ich mich: Warum interessieren sich Menschen in so unterschiedlichen Ländern für diese Geschichte? Was bewegt jemanden in Erbil dazu, dieses Buch zu lesen? Was denkt ein Leser in Chicago oder New York darüber? Warum wird es nach Ungarn bestellt oder bis nach Thailand verschickt?

Vielleicht ist es tatsächlich der Wunsch nach mehr Demokratie. Vielleicht suchen Menschen überall auf der Welt nach Antworten auf ähnliche Fragen: Was kann ein einzelner Mensch bewirken? Wann muss man seine Stimme erheben? Wie weit reicht unsere Verantwortung für andere? Und was passiert mit einer Gesellschaft, wenn immer mehr Menschen einfach nur wegsehen?

Unrecht nicht einfach hinnehmen

Vielleicht ist es aber auch ganz anders. Vielleicht ist es einfach die Geschichte selbst, die Menschen neugierig macht. Vielleicht wollen sie wissen, was ein einzelner Mensch erlebt hat, warum er sich immer wieder eingemischt hat und weshalb er nicht bereit war, Unrecht oder menschliche Not einfach hinzunehmen.

Ich weiß es nicht.

Vielleicht liegt es auch daran, dass die Geschichten, die ich in meinem Buch erzähle, selbst an ganz unterschiedlichen Orten dieser Welt ihren Ursprung haben – und dass Menschlichkeit, Verantwortung und die Schicksale von Menschen keine Grenzen kennen.

Und vielleicht ist es auch gar nicht wichtig, den Grund genau zu kennen. Denn jeder Mensch liest ein Buch mit seinen eigenen Erfahrungen, seinen eigenen Fragen und seinen eigenen Hoffnungen. Was für den einen eine Geschichte über Menschlichkeit ist, kann für den anderen eine Geschichte über Demokratie sein. Wieder ein anderer erkennt vielleicht darin den Mut, den es manchmal braucht, nicht einfach still zu bleiben.

Wer ist zuständig?

Für mich war das Schreiben dieses Buches auch eine Möglichkeit, etwas weiterzugeben. Nicht, weil ich glaube, auf alle Fragen Antworten zu haben. Sondern weil ich erlebt habe, dass man manchmal einfach handeln muss. Dass es Situationen gibt, in denen man nicht erst lange überlegen sollte, ob man zuständig ist. Manchmal reicht es schon, da zu sein. Hinzusehen. Zuzuhören. Einzugreifen. Zu helfen.

Dass diese Gedanken nun Menschen in so unterschiedlichen Teilen der Welt erreichen, bedeutet mir sehr viel. Leipzig, Erbil, Chicago, New York, Ungarn oder Thailand – die Entfernungen sind groß. Aber vielleicht sind die Fragen, die uns beschäftigen, überall erstaunlich ähnlich.

Wie wollen wir miteinander leben? Was bedeutet Menschlichkeit wirklich? Wie viel Demokratie wollen wir nicht nur fordern, sondern auch selbst leben? Und was tun wir, wenn wir sehen, dass etwas nicht richtig ist?

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Reise dieses Buches. Es reist nicht nur von einem Land in ein anderes. Es trägt Fragen mit sich. Fragen, die jeder Leser für sich selbst beantworten muss.

Ob Menschen das Buch wegen des Wunsches nach mehr Demokratie lesen, weil sie sich für Menschlichkeit und Verantwortung interessieren oder einfach nur, weil sie eine spannende Geschichte erwarten, kann ich letztlich nicht wissen.

Herausfinden kann man es nur auf eine Weise: Man muss das Buch selbst lesen.

Und vielleicht stellt man sich danach die wichtigste aller Fragen: Was würde ich tun.

Denn für mich gilt auch weiterhin: Wegsehen ist keine Option.

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