Das Wetter meinte es an diesem Septembertag schon einmal gut: kein Regen, nicht zu heiß, nicht zu kalt – unter diesen Bedingungen hatten sich ab Samstagmittag mehrere Tausend Menschen auf dem Leipziger Marktplatz versammelt. Laut Veranstaltern nahmen 5.000 Personen teil. Anlass war der Wahlerfolg der AfD am letzten Wochenende bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

Auch wenn es angesichts der Umfragen keine Überraschung war, sitzt der Schock vielen Menschen immer noch in den Knochen: Mit 43,8% und einem Rekordgewinn an Stimmen hatte die AfD einen Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September eingefahren. Deren dortiger Landesverband wird vom Landesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Die Regierungsbildung in Magdeburg gestaltet sich gleichwohl kompliziert, da die AfD zumindest die absolute Mehrheit verfehlte.

Veranstalter sprechen von 5.000 Personen auf dem Marktplatz

Ein Grund zum Zurücklehnen ist das keineswegs – so der einhellige Tenor vieler besorgter Menschen in ganz Deutschland. Für das Wochenende haben sich bundesweit dutzende Großdemonstrationen in Städten angesagt. Für Leipzig stand die Kundgebung, die am Samstag um 12:00 Uhr auf dem Markt begann, unter dem Motto „Zeit zum Handeln: AfD stoppen!“ Dazu aufgerufen hatten eine Reihe von Bündnissen, darunter unter anderem das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“, die „Omas gegen Rechts“ und weitere.

Die Rednerinnen und Redner der Kundgebung, deren Teilnehmerzahl nach Angaben der Veranstalter auf geschätzt 5.000 Personen angewachsen war, kamen aus verschiedenen Bereichen. Zu ihnen gehörten unter anderem die frühere SPD-Bundestagsabgeordnete und heutige DGB-Chefin Sachsens, Daniela Kolbe, der Leipziger Ex-Thomaspfarrer Christian Wolff, der sächsische Autor und Aktivist Jakob Springfeld und der Leiter des Leipziger Universitätschors, David Timm.

„Das muss alle Demokratinnen und Demokraten auf den Plan rufen“

Die Band „100 Kilo Herz“ und der Singer-Songwriter „Schraubenyeti“ sorgten für musikalische Untermalung der Demo. In den Redebeiträgen wurden verschiedene Aspekte beleuchtet: Das Entsetzen über den Wahlausgang in Sachsen-Anhalt und die Angst bestimmter Gruppen, von der AfD regiert zu werden, spielten eine entscheidende Rolle, ebenso der Umgang mit AfD-Wählern, die vielleicht aus dem eigenen Umfeld kommen, der Familie, der Nachbarschaft, dem Bekannten- oder Kollegenkreis.

So mühsam es sei, so solle man doch nach Möglichkeit das Gespräch suchen, ohne dass man die klare Kante gegen die AfD aufgebe, so eine entscheidende Botschaft. Schließlich gedeihe deren Erfolg auf dem Boden einer schlechten Politik, nicht zuletzt der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz, hieß es. Der CDU-Chef, dessen Kürzungspläne sowie das Agieren seiner Partei waren in den Reden Gegenstand harter Kritik, die ebenso die im Bund mitregierende SPD traf.

Dass die AfD in Sachsen-Anhalt mit ihrem Rekordergebnis demokratisch gewählt wurde, mache aus ihr noch keine demokratische Partei, vielmehr sei diese rechtsnationalistisch und verfassungsfeindlich und bekam nun eine große Mehrheit, zeigte sich Pfarrer a.D. Christian Wolff in seiner Ansprache alarmiert: „Das muss alle Demokratinnen und Demokraten auf den Plan rufen.“ Es sei wichtiger denn je, jetzt zu handeln, für Vielfalt und Zusammenhalt einzustehen. Auch wurden ein deutlicher Appell gegen Gewalt und die Forderung nach einem AfD-Verbot ausgesprochen.

Protestkundgebung gegen sozialen Kahlschlag in zwei Wochen geplant

Ausdrückliches Lob bekamen das Orga-Team der Veranstaltung, welches die Kundgebung auch mit begrenzten Mitteln innerhalb kurzer Zeit auf die Beine stellen konnte, und „100 Kilo Herz“, die sich nach einem gestrigen Gig sowie einem weiteren Auftritt heute Abend im Täubchenthal kurzerhand noch etwas Zeit freigeschaufelt hatten: „Das ist nicht selbstverständlich.“

Die Versammlung endete unter großem Applaus am Nachmittag. Über Zwischenfälle wurde nichts bekannt. Weiterer Protest ist für den Sonntag in Berlin, Dresden und anderen deutschen Städten angekündigt. Und: In zwei Wochen findet in Leipzig ein Aktionstag für den Sozialstaat statt, bei dem gegen Kahlschlag und Rotstift im Sozialwesen Position bezogen werden soll.

 

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar