Es sind nur wenige Schritte, die ihn von Hektik und Straßenlärm der Großstadt trennen: Der Alte Johannisfriedhof direkt hinter dem Grassimuseum fristet seit Jahrhunderten ein fast verwunschenes Dasein. Nun soll Leipzigs ältester kommunaler Begräbnisplatz, ein bedeutendes Zeugnis der Stadtgeschichte, umfassend umgebaut und saniert werden. Entsprechende Maßnahmen laufen an.

Umfassende Maßnahmen – eingeschränkter Zugang bis November

Zu dem Paket, das die Stadt jetzt ankündigte und dessen Umsetzung dieser Tage startet, zählen die Platzierung von 22 historischen Grabmalen an ihrem historischen Standort, die Sanierung der Hauptzufahrt sowie die Korrektur des einstigen Hauptwegs im Bereich der III. und V. Friedhofsabteilung.

Obendrein ist die Anpflanzung von Bodendeckern bei der Neuaufstellung von Grabmälern geplant. Zum pyramidenförmigen Wachstum angelegte Bäume in der V. Abteilung sollen alte Bäume ersetzen und dem historischen Wegeraster wieder zu besserer Erkennbarkeit verhelfen.

Grabmalplatzierung und Erneuerung der Hauptzufahrt dürften laut Stadt im Wesentlichen bis November 2026 abgeschlossen sein. Die mit insgesamt 150.000 Euro berechneten Kosten werden demnach zum Großteil (130.000 Euro) aus dem Tourismusförderungs-Topf finanziert. Der Zugang zum Friedhof ist vom Täubchenweg aus während der Umbauarbeiten nicht möglich, jedoch können Interessierte den Ort weiterhin von der Prager Straße aus betreten. In den nächsten Wochen sollen auch die nördliche und südliche Umfriedung auf ihre Standfestigkeit geprüft werden. Mit einer abschnittsweisen Sanierung der Friedhofsmauer ist in den kommenden Jahren zu rechnen.

Entstanden im späten 13. Jahrhundert

Der Alte Johannisfriedhof gilt als bedeutendes Zeugnis der Kultur- und Stadtgeschichte. Sein Ursprung geht zurück auf das Jahr 1278: Damals hatte eine Genossenschaft Leprakranker für fünf Mark Silber von einem Kaufmann namens Walther ein Stück Land vor dem Grimmaischen Tor erworben. Die dort wenig später gebaute Kirche, dem heiligen Johannes geweiht, sowie das gleichnamige Hospital finden 1305 urkundliche Erwähnung. Lange wurden hier ausschließlich Seuchenopfer beerdigt.

Die einstige Abteilung I des Alten Johannisfriedhofs, wo einst auch die Johanniskirche stand. Foto: Ralf Julke
Die einstige Abteilung I des Alten Johannisfriedhofs, wo einst auch die Johanniskirche stand. Foto: Ralf Julke

1476 erfolgte eine Vergrößerung des Friedhofs, der ab 1536 durch Dekret von Sachsens Herzog Georg dem Bärtigen (1471–1539) zum alleinigen Begräbnisort Leipzigs erklärt wurde. Geschuldet war die Intervention des Landesherrn wohl vor allem den katastrophalen Hygieneproblemen, die durch innerstädtische Bestattungen auftraten.

Mehr als 257.000 Bestattungen und große Namen

Heute ist der Alte Johannisfriedhof, auf dem am 22. Dezember 1883 letztmalig beerdigt wurde, eine museale Parkanlage. Erhalten haben sich im Wesentlichen die Abteilungen III, IV und V. Über die Jahrhunderte sind bis 1834 über 257.000 Beisetzungen nachweisbar: Leipziger, Nicht-Leipziger, Seuchentote, Kriegsopfer.

Zur Prominenz, die hier ihre letzte Ruhe fand, gehören so große Familiennamen wie Dufour, Grassi, Harkort, Apel und Frege, Johanna Rosina Wagner und Johanna Rosalie Marbach, geb. Wagner, die Mutter und die Schwester von Richard Wagner. Außerdem unter anderem Künstler wie Franz Matthias von Treuenfeld und Karl Theodor Küstner oder Goethes Jugendliebe Anna Katharina „Käthchen“ Schönkopf.

400 Grabmäler repräsentieren verschiedene Kunststile und eine breite Vielfalt an zeittypischer Todessymbolik. In einem sogenannten Lapidarium werden Grabmonumente vom Neuen Johannisfriedhof aufbewahrt, dem heutigen Friedenspark. 

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