Am 29. Oktober gab der Stadtrat auch Grünes Licht für zwei wichtige Grundlagenpläne der Stadt: den Masterplan Grün und das Biotop-Verbundkonzept. Beide kein Selbstzweck, wie Baubürgermeister Thomas Dienberg betonte. Denn längst sind das Artensterben und der Verlust unersetzlicher Biotope auch in Leipzig im Gange. Die lebendigen Güter der Stadt müssen endlich systematisch geschützt werden. Allen voran der Auwald. Und bis auf die Traumtänzer von der AfD stimmte die Ratsversammlung auch beiden Konzepten zu.
Dass man in der AfD-Fraktion nicht
einmal begriffen hat, was da eigentlich geschützt werden soll und
wie elementar das für das Leben in der Stadt ist, demonstrierte in
seiner Rede AfD-Stadtrat Christian Kriegel, der in beiden Plänen
nur die Absicht erkennen wollte, das Bauen in der Stadt zu
erschweren.
Da hat er wohl weder in den vorhergehenden Ausschusssitzungen zugehört noch auch die mindesten Kontakte in die Leipziger Bauwirtschaft. Denn Konflikte bei Neubauplänen in der Stadt gab es in der Vergangenheit fast immer dann, wenn die Grenzen nicht klar definiert waren, und selbst die Verwaltung herumgeeiert ist, wenn es um schützenswerte Biotope und Kernflächen im Umweltverbund ging.

Denn selbst die Bauherren haben ja kein Interese daran, die Stadt einfach zuzubetonieren und damit die Qualitäten zu verspielen, die das Kaufen, Mieten und Leben in ihren Beständen erst attrakiv machen. Jedes größere Baufeld wird mit Erholungs- und Naturfunktionen geplant. Die Unsicherheiten tauchen eher in der Verwaltung auf.
Zuletzt öffentlich durchexerziert beim Capa-Wäldchen, von dem das Liegenschaftsamt der Stadt tatsächlich glaubte, man könne es einfach zur Verhandlungsmasse für das Kleinmessegelände und die Interessen von RB Leipzig machen. Daran erinnerte am 29. Oktober die Grünen-Stadträtin Nicole Schreyer-Krieg.
Und die SPD-Fraktionsvorsitzende Anja Feichtinger erinnerte daran, dass der Masterplan Grün in Bauleitverfahren Abwägungsmaterial ist. Das jetzt erst einmal festgeschrieben und damit aufgewertet wurde. Aber da hätte Kriegel die Vorlage wohl genauer lesen sollen.

Die Umweltverbände riefen aus guten Gründen zur Demonstration für das Capa-Wäldchen auf. Denn auch die bis dahin noch nicht beschlossenen Karten zum Biotopverbund zeigten eindeutig, dass das Capa-Wäldchen zu den Kerngebieten im Leipziger Biotopverbund gehört und überhaupt nicht angerührt werden darf. Schon gar nicht an dieser eh schon viel zu schmalen Stelle im Auwaldverbund.
Während die Vorlage zum Biotopverbund nun umfassend zeigt, welche unbedingt schützenswerten Biotope in Leipzig erhalten und verschont werden müssen und an einigen Stellen auch deutlich gestärkt werden müssen, bildet der Masterplan Grün jetzt endlich eine Grundlage für die Verwaltung, um ein auch in der kommenden Klimaerhitzung lebendiges Grün-Areal in der Stadt zu bewahren.
Besonderer Schutz für Parks, Wälder, Gewässer und Kleingärten
Entsprechend äußere sich dann auch
das Dezernat Umwelt, Klima, Ordnung und Sport, nachdem die
Ratsversammlung am 29. Oktober beiden Grundlagen-Plänen zugestimmt
hat.
„Leipzigs Parks, Wälder, Gewässer und Kleingärten werden auch bei
städtischem Wachstum künftig besonders geschützt. Mit dem von der
Stadt Leipzig langfristig vorbereiteten und nun im Stadtrat
beschlossenen ‚Masterplan Grün – Leipzig grün-blau 2030‘ wird die
blau-grüne Infrastruktur fest in die Stadtentwicklung verankert“,
betonte das Dezernat.
„Inhaltlich ausgerichtet ist der Masterplan an den Leitthemen Klimaanpassung, Biodiversität, Gesundheit, Umweltgerechtigkeit und aktive Mobilität.“
„Die grün-blaue Infrastruktur ist Teil der städtischen Grundversorgung und eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Leipzig trotz Klimawandel und Wachstum klimaangepasst, lebenswert und zukunftsfähig bleibt“, betont Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal.
„Der Masterplan Grün macht sichtbar, wo Stadtgrün besonders wichtig ist und Handlungsbedarf besteht. Er schafft die Grundlage, um Flächennutzung, bauliche Entwicklung und Investitionen besser und aufeinander abzustimmen und die grün-blaue Infrastruktur langfristig zu sichern und zu stärken.“
Der Masterplan Grün formuliert Ziele, setzt räumliche Schwerpunkte und zeigt konkrete Projekte auf. Ob es um die Sicherung wertvoller Flächen geht oder die Einhaltung von Mindeststandards für Stadtgrün – die Vorgaben müssen ab sofort bei Bebauungsplänen oder Investitionen berücksichtigt werden. Sie geben zwar noich nicht vor, was dann in Bebauungsplänen konkretz steht. Aber Stadt und Bauheren kommen jetzt an den grundlegenden Vorgaben des Masterplans nicht mehr vorbei und müssen sie in ihre Pläne integrieren.
Vorzeigebeispiel Ritzschke-Aue
Konkrete Projekte wie Wegeverbindungen und Entsiegelungen werden nun auch in die Haushaltsplanung integriert. Andere wie die multifunktionale Grünfläche Rietzschke-Aue Sellerhausen wurden bereits umgesetzt, erinnert das Umweltdezernat daran, dass auch schon in der Entwicklungsphase des Masterplans erste Aufwerrttungen im Leipzigef Stadtgrün umgesetzt werden.
Ein zentrales Element im Masterplan ist das „schützenswerte Netz“ aus Flächen, die für das Stadtklima, den Wasserhaushalt, die Artenvielfalt und die Gesundheit der Leipzigerinnen und Leipzigert bedeutend sind.
Dieses Netz soll möglichst vor entgegenstehenden Nutzungen bewahrt und seine Funktionen langfristig gestärkt werden. Gleichzeitig sind acht Landschaftslinien benannt, die von der Innenstadt in das Umland führen und zeigen, wo Grün- und Freiräume besser vernetzt und gezielt weiterentwickelt werden sollen.
Denn längst ist klar, dass mit der Klimaerhitzung auch große Teile des Leipziger Stadtgebietes zum Brutofen werden. Und so liegt ein weiterer Schwerpunkt auf dicht bebauten Stadtgebieten, in denen Hitze die Menschen besonders belastet und Grünflächen teilweise fehlen oder schlecht erreichbar sind. Diese sollen stärker begrünt, entsiegelt und zusätzlich verschattet werden.
Ein mehrjähriger Prozess mit großer Beteiligung
Der Masterplan Grün baut auf der Freiraumstrategie „Lebendig grüne Stadt am Wasser“ auf und dient der Umsetzung der Leipzig-Strategie 2035. Er wurde in einem mehrjährigen Prozess unter Beteiligung von Bürgerschaft, Vereinen, Verbänden, Initiativen sowie Fachleuten aus Wissenschaft, Planung und Verwaltung erarbeitet und im Rahmen des Förderprogramms „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) unterstützt.
Aber besonders wichtig ist der Masterplan gerade für die bauinteressierten Investoren, die eben jetzt endlich einen verlässlichen Rahmenplan haben, der eindeutig definiert, wo gebaut werden kann und wo nicht. Das schafft Sicherheit bei der Planung.
Das Biotopverbundkonzept wurde am 29. Oktober von der Ratsversammlung mit 45:10 Stimmen angenommen, der Masterplan Grün Leipzig grün-blau 2030 mit 45:11 Stimmen.
Änderungen am von der Stadt vorgelegten Masterfplan gab es noch durch einen Grünen-Antrag, der vor allem mehr Mitspracherechte des Stadtrates beinhaltete, wenn Flächen des Netzes der grün-blauen Infrastruktur bei Bebauungsplänen dennoch in Anspruch genommen werden sollten.
Weitere Informationen der Stadt zum Masterplan Grün findet man hier.
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