Es ist ein deutschlandweit einzigartiger Schatz der Fotogeschichte: das Fotoarchiv Mittelmann. Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig hat jetzt die Sonderausstellung „Momentaufnahme. Das Fotoarchiv Mittelmann“ um neue künstlerische Perspektiven und Forschungsergebnisse erweitert. Der Weg ins Böttchergäßchen lohnt sich einmal mehr, um ein ganz besonders Leipziger Fotoatelier kennenzulernen.

Unterschiedlichste Menschen suchten zu verschiedenen Anlässen das Atelier der Familie auf. Ob jung oder alt, jüdisch oder nicht, selbstbewusst oder förmlich: Die Fotos geben einen eindrucksvollen Einblick in die Gesellschaft einer deutschen Stadt.

Die meisten noch erhaltenen Aufnahmen stammen aus den Jahren von 1925 bis 1938. Sie zeigen Menschen im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus. Viele Geschichten konnten bereits erfolgreich erforscht, zahlreiche Lebenswege rekonstruiert werden.

Aufnahme des Mendelssohn-Trios mit Afrem Kinkulkin (Violoncello), Hella (Mandelbrot-) Chitrik(Klavier) und Leo Schwarz (Violine) um 1933/35, Foto: Fotoatelier Mittelmann© Stadtgeschichtliches Museum Leipzig/Abram Mittelmann
Aufnahme des Mendelssohn-Trios mit Afrem Kinkulkin (Violoncello), Hella (Mandelbrot-) Chitrik(Klavier) und Leo Schwarz (Violine) um 1933/35, Foto: Fotoatelier Mittelmann © Stadtgeschichtliches Museum Leipzig/Abram Mittelmann

Unter dem Motto „Kontraste. Perspektiven“ wurden der Schau noch weitere Ergebnisse hinzugefügt. Die erweiterte Ausstellung widmet sich insbesondere dem künstlerischen Werk des ältesten Sohns Eugen Leon Mittelmann (1906–1986). Er experimentierte schon ab 1925 nachweislich mit Fototechniken, schuf Collagen und Montagen und ist vermutlich der Urheber eines großen Teils der Künstlerporträts im Atelier. Daneben publizierte er zu Bildtechniken und arbeitete als Grafiker bei Zeitschriften und Buchverlagen, bis er 1933 nach Frankreich floh.

Eugen Mittelmann: Selbstporträt 1932. Foto: Eugen Mittelmann © Stadtgeschichtliches Museum Leipzig/Abram Mittelmann
Eugen Mittelmann: Selbstporträt 1932. Foto: Eugen Mittelmann © Stadtgeschichtliches Museum Leipzig/Abram Mittelmann

Einige seiner Fotos und fachlichen Netzwerke konnten erst jetzt identifiziert werden, weitere Funde sind zu erwarten. Neben einer größeren Anzahl ungewöhnlicher Porträts ist auch eine Auswahl zeittypischer Kameras von Zeiss Icon über Rolleiflex bis Leica zu sehen, mit denen die Fotografenfamilie handelte und vermutlich auch selbst arbeiteten.

Zu den „Kontrasten“ gehören neue Archivfunde zur erfolgreichen Berufstätigkeit und dramatischen Verfolgungsgeschichte von Abram Mittelmann nach 1933.

Musikverleger Josef Freudenthal, vor 1937. Foto: Fotoatelier Mittelmann© Stadtgeschichtliches Museum Leipzig/Abram Mittelmann
Musikverleger Josef Freudenthal, vor 1937. Foto: Fotoatelier Mittelmann © Stadtgeschichtliches Museum Leipzig/Abram Mittelmann

Die Ausstellung ist ein Beitrag im Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026 TACHELES. Sie wird ergänzt durch ein umfangreiches Begleitprogramm und ist bis zum 4. April 2027 im Haus Böttchergäßchen des Museums zu sehen.

Momentaufnahme. Das Fotoarchiv Mittelmann. Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Haus Böttchergäßchen, Öffnungszeiten
Dienstag–Sonntag, Feiertage 10–18 Uhr

Eintritt: Erwachsene 8 €, ermäßigt 4 €
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei

An jedem 1. Mittwoch im Monat 3 €.

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