Eine besondere Veranstaltung gibt es am morgigen Mittwoch, dem 4. November, in der Uni Leipzig: „Italiani a Lipsia 1943–1945 – Italiener in Leipzig“. Sie macht ein Thema sichtbar, das bislang auch in der Leipziger Erinnerungskultur kaum wahrgenommen wird. Viele Italiener waren in Leipzig und in Deutschland in den Jahren 1943 bis 1945 als Zwangsarbeiter/-innen.
Wenige kamen freiwillig, viele kamen unfreiwillig, die meisten waren Soldaten, italienische Militärinternierte. Vor allem die Erinnerung an die IMI erlebt heute in Italien eine wirkliche Renaissance.
Die Veranstaltung gehört ins Vorfeld einer Ausstellung, die seit dem 1. November in der Gedenkstätte KZ‑Mittelbau-Dora zu sehen ist und die dort am 6. November offiziell eröffnet wird.
„Italiani a Lipsia 1943–1945 – Italiener in Leipzig“, Mittwoch, 4. November 2026, 18:30 Uhr, Neues Seminargebäude der Uni Leipzig, Raum 204 (2. OG), Universitätsstraße 1, 04109 Leipzig. In italiano und auf Deutsch.
Am 4. November wird es im neuen Seminargebäude der Uni Leipzig (/Raum 204) drei Vorträge mit Anna Maria Sambuco, Leonardo Caporali / Paola Mirenda und Claudio Cassetti geben.
Eine Veranstaltung von ANEI (italienische Vereinigung der ehemaligen Deportierten) mit der Unterstützung von Centro interdisciplinare di Cultura italiana (CiCi), Universität Leipzig, und Italiani a Lipsia e.V
Die Ausstellung in Mittelbau-Dora
Nach dem 8. September 1943 wurden die italienischen Soldaten von deutschen Truppen gefangen genommen. Die italienische politische und militärische Führung ließ sie ohne Befehle. Über sechshunderttausend von ihnen weigerten sich, für das Dritte Reich und die Italienische Sozialrepublik zu kämpfen.
Sie wurden nach Deutschland deportiert, als „italienische Militärinternierte“ (IMI) der Rechte der Genfer Konvention beraubt und als Zwangsarbeiter ausgebeutet. Etwa fünfzigtausend von ihnen starben in Konzentrationslagern.
Die Ausstellung durchbricht eine lange historische Stille durch eine großangelegte multimediale Ausstellung. Die Tafeln rekonstruieren die historischen Ereignisse und zeichnen eine Brücke zur Zukunft, die mit den Instrumenten des Friedens gebaut werden soll. Das Herz der Ausstellung besteht aus Geschichten, Zeichnungen und Gemälden, die heimlich in den Lagern entstanden sind.
Im Herzen der Tragödie blieb für viele IMIs die Kunst der letzte Raum der Freiheit, um ihre Würde zu verteidigen. Um die Werke herzustellen, wurden auch Schlamm, Gras, Ziegelstaub oder in extremen Fällen ihr eigenes Blut benutzt. Die Werke dokumentieren nicht nur das Leid der Gefangenschaft, sie stellen auch ein gemeinsames Instrument der Selbstbestimmung und des unbewaffneten Widerstands dar.
Zwei Videos wurden für die Ausstellung hergestellt und werden dort gezeigt. Ein Video ist den Kunstwerken der IMIs gewidmet. Das andere Video enthält Auszüge aus Interviews mit historischen Bildern, teilweise aus den Archiven des italienischen Fernsehens. Das bereichert die historische Rekonstruktion und zeigt Journalisten und Besuchern und Besucherinnen, dass es sich nicht um eine Ausstellung von Daten handelt, sondern um eine intime Reise in die Erinnerung und das Leben derer, die dieses Drama erlebt haben.
Diese Seite der Geschichte kehrt auch dank der Einrichtung des „Nationalen Tags der Erinnerung an die italienischen Militärinternierten“ ins kollektive Gedächtnis zurück, der seit 2025 jedes Jahr am 20. September gefeiert wird.
Die Eröffnung der Ausstellung findet am 6. November um 15 Uhr statt, mit einer italienischen Delegation von Studierenden und Vertretern der ANEI, darunter auch Kinder und Enkelkinder der IMIs.
Die Ausstellung wurde von Irene Baldriga, Professorin für Museologie, Politik und Didaktik im Museum, bei der Sapienza-Universität Rom, und stammt von Mediacor srl., mit dem Grafikdesign von Danilo Manassero.
Sie findet unter der Schirmherrschaft der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Rom, des Fachbereichs für Geschichte, Anthropologie, Religionen, Kunst und bildende Darstellung der Sapienza-Universität Rom, des nationalen Doktorats in Friedensstudien und des
Netzwerks der Universitäten für den Frieden.
Die italienischen Militärinternierten (IMI) in den Nazi-Lagern: eine vergessene Geschichte „Kunst in Gefangenschaft, Bote des Friedens“, Gedenkstätte KZ‑Mittelbau-Dora, 1. bis 22. November 2026, 10:00 bis 16:00 Uhr, montags geschlossen.
Organisiert vom ANEI (Nationale Vereinigung ehemaliger Militärinternierter) in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte KZ‑Mittelbau-Dora.
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