Der Stein von Rosette ist einer der zentralen Schlüssel zur Rekonstruktion antiker Sprachen. Es war der französische Sprachwissenschaftler Jean-François Champollion, dem 1822 anhand des Steines und anderer Quellen die Entzifferung der demotischen Schrift sowie die Entschlüsselung der hieratischen Schrift und der Hieroglyphen auf dem Stein gelang. Eine Sensation.

Dafür sind er und der Stein bis heute berühmt. Forschenden der Universität Leipzig ist es nun mithilfe des Steines gelungen, die Grammatik und den Satzbau der altägyptischen Sprache des Demotischen in Form eines Baumdiagramms zu visualisieren.

Die Veröffentlichung dieses sogenannten „Treebankings“ schließt das „Digital Rosetta Stone Project“ ab, das sich seit 2017 mit der digitalen Darstellung und Analyse des Artefakts beschäftigt.

Unter „Treebanking“ versteht man die grafische Darstellung sprachlicher Strukturen in Form eines Baumes mit Wurzeln, Ästen, Zweigen und Blättern. Das Forschungsteam um die Historikerin PD Dr. Monica Berti, die Ägyptologin Prof. Dr. Franziska Naether und Josephine Hensel vom Ägyptischen Museum Georg Steindorff der Universität Leipzig hat die Darstellungsweise nun erstmals auf die demotische Sprache übertragen, die etwa ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. in Ägypten gesprochen wurde.

„Wir haben dabei festgestellt, dass es nicht immer einfach ist, das Altägyptische durch die üblichen Wortarten und Satzglieder auszudrücken, sodass es Menschen und Maschinen verstehen können“, erklärt Professorin Naether. „Mit unserer Forschung machen wir einen Vorschlag, der hoffentlich in der Zukunft mit der Eingabe weiterer Texte noch erweitert werden kann.“

Das Ergebnis veröffentlichten die Wissenschaftlerinnen online. Es kann jetzt beispielsweise eingesetzt werden, um Lernenden die Grammatik und den Satzbau des Demotischen zu verdeutlichen. Sprachwissenschaftler/-innen können die Analyse zudem für ihre Forschung nutzen.

In zwei Aufsätzen in Fachzeitschriften werden die Forscherinnen ihr Modell in Kürze der Fachcommunity detailliert vorstellen. Auch über das Projektende hinaus sind Aktivitäten zur Vermittlung des gewonnenen Wissens geplant – so läuft aktuell beispielsweise eine Ausstellung in Groitzsch.

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