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Leipzig muss ein attraktives Pflaster für Rüstungskonzerne sein. Oder einfach nur einer von vielen Orten in Sachsen, die auf einmal interessant werden, weil Europa aufrüstet. Nach Covenant macht nun der Rüstungskonzern Falk Defence von sich reden, der in Leipzig einen Standort gesucht und gefunden hat. Und das, obwohl doch Leipzigs Wirtschaftspolitik überhaupt kein Rüstungscluster will, wie Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke in der Ratsversammlung am 28. Oktober betonte. Die Linksfraktion hatte eine Dringliche Anfrage gestellt. Ist doch gar nicht dringlich, meinte zumindest FDP-Stadtrat Sven Morlok.

Dass nach dem amerikanischen Unternehmen Covenant auch ein Unternehmen mit dem Namen Falk Defence in Leipzig ein Plätzchen gesucht hat, um hier Präzisionswaffen zu entwickeln und irgendwann vielleicht auch zu bauen, sei doch schon seit März bekannt. Das Unternehmen selbst habe das auf seiner Homepage beziehungsweise auf seinem LinkedIn-Account angekündigt. Da gäbe es einfach keine Dringlichkeit.

Was natürlich so nicht stimmt. Denn berichtet haben darüber erst vor wenigen Tagen einige Medien. Die Meldung auf irgendeiner Firmenwebsite ist nun einmal keine öffentliche Nachricht. Und das Misstrauen der Linksfraktion war nur zu berechtigt. Wird da hinter den Kulissen nach und nach eine Leipziger Rüstungsindustrie etabliert, ohne dass auch nur der Stadtrat darüber informiert wird?

Volker Külow (Die Linke) im Leipziger Stadtrat am 28.10.2026. Foto: Jan Kaefer

„Durch mehrere übereinstimmende Medienberichte vom gestrigen Sonntag und heutigen Montag ist die Ansiedlung des Rüstungsunternehmens Falk Defence – Hersteller von ‚präzisionsgelenkten Raketen‘ – in Leipzig bekannt geworden“, brachte die Linksfraktion in ihrer Anfrage das Problem auf den Punkt.

„Offenkundig hat es zur Anbahnung der Ansiedlung seit geraumer Zeit Beziehungen des Rüstungsunternehmens zur Stadtverwaltung Leipzig (insbesondere dem Wirtschaftsdezernat) sowie zur Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) und zum Mitteldeutschen Institut für Sicherheitsindustrie (MISI) gegeben.“

Vertrauliche Anfragen

Können solche Ansiedlungspläne also einfach ein Jahr lang unter dem Radar fliegen, fragte am 28. Oktober Linke-Stadtrat Dr. Volker Külow in der Ratsversammlung nach. Denn nicht nur die Linksfraktion sah hier genug Grund, dass die Anfrage als dringlich behandelt wurde. Auch wenn sie vorher schon im Wirtschaftsausschuss behandelt wurde. Aber auch dort war sie nur auf die Tagesordnung gekommen, weil die Linksfraktion die Dringliche Anfrage gestellt hatte. Das bestätigte auch Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke.

Aber die Frage der Linken gingen ja noch weiter: Wenn schon bei Covenant und Falk Defence so lange hinter verschlossenen Türen agiert wurde, was muss der Stadtrat denn da noch an überraschenden Nachrichten erwarten, welches Rüstungsunternehmen da in Leipzig ein lauschiges Plätzchen sucht?

Und welche Rolle spielen da eigentlich die Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) und das Mitteldeutsche Institut für Sicherheitsindustrie (MISI), das sich ja extra gegründet hat, um Unternehmen der Verteidigungsindustrie im mitteldeutschen Raum anzusiedeln?

Clemens Schülke wich den Fragen am 28. Oktober auch nicht aus, ließ aber durchblicken, wie solche Ansiedlungen ganz ohne Öffentlichkeit angebahnt werden, wie Unternehmen der Rüstungsbranche bei der Invest Region Leipzig (IRL) vorfühlen, ob es in und um Leipzig mögliche Standorte für die Ansiedlung ihrer Unternehmen gibt, und diese Anfragen so lange vertraulich behandelt werden, bis die Ansiedlung tatsächlich spruchreif ist.

Und tatsächlich hatte auch die Ansiedlung von Falk Defence einen langen Vorlauf. Eine erste Anfrage gab es demnach schon am 7. November 2025, am 27. November dann ein Gespräch im Mitteldeutschen Institut für Sicherheitsindustrie (MISI). Über die Stadt wurde dann zwar kein geeignetes Grundstück gefunden.

Aber Falk Defence fand dann selbst einen geeigneten Standort und konnte ein Büro und eine Werkhalle anmieten, um mit der Entwicklung eines Prototyps zu beginnen. Ein Produktionsstandort im Leipziger Raum wird trotzdem noch gesucht, bestätigte Schülke. Über den aktuellen Standort werde er trotzdem keine Auskunft geben.

17 Anfragen, fünf Zusagen

Er wich auch der weiterführenden Frage der Linksfraktion nicht aus: „Mit welchen Rüstungsunternehmen oder Zulieferern stehen die Stadt oder die IRL derzeit noch im Kontakt, um diese ebenfalls in Leipzig anzusiedeln, und plant die Verwaltung die Schaffung eines ‚Rüstungsclusters‘, um den Wegfall von Industriearbeitsplätzen zu kompensieren?“

Clemens Schülke (CDU), Beigeordneter für Wirtschaft, Arbeit und Digitales, im Leipziger Stadtrat am 28.10.2026. Foto: Jan Kaefer

Schülke nannte zwar keine Namen, machte aber deutlich, dass es eben nicht nur einzelne Rüstungsunternehmen sind, die in Leipzig – meist über die Invest Region – anfragen, ob hier ein Standort für ihre sehr spezielle Produktion zu finden ist. 17 solche Anfragen habe es schon gegeben, so Schülke. Davon waren 12 Anfragen zur Produktion von Defence-Produkten, also im Grunde dem, was man als Rüstungsgüter bezeichnen kann.

Auch wenn er nicht konkret wurde, um welche Güter es genau ging. Weitere fünf Anfragen bezogen sich auf Dual-Use-Produkte, also Produkte, die sowohl in der Zivilwirtschaft als auch in der Rüstungsindustrie nachgefragt werden.

Nicht alle 17 Anfragen werden auch in eine Ansiedlung münden. Das sei – so Schülke – erst bei fünf Unternehmen gesichert. Sieben Unternehmen hätten ihre Anfragen inzwischen zurückgezogen, waren also nicht fündig geworden oder haben möglicherweise anderswo bessere Bedingungen vorgefunden. Bei vier Unternehmen seien die Gespräche abgebrochen worden.

Wenn nur noch die Verteidigungsindustrie anfragt

Eigentlich ist es trotzdem ein Widerspruch, wenn Leipzig betont, dass es eigentlich kein Rüstungscluster vor der Haustür haben möchte, dann aber doch positiv auf Ansiedlungsanfragen diverser Unternehmen reagiert. Man werde solche Anfragen aber nicht von vornherein ablehnen, so Schülke. So wie bei Covenant gelte auch für Falk Defence, dass man vor Ort nicht mit Explosivstoffen arbeiten werde.

Andererseits sei es derzeit aber fast ausschließlich die Verteidigungsindustrie, die überhaupt noch nach freien Standorten in Sachsen suche, betonte Schülke. Die Konjunkturflaute in der Wirtschaft macht sich schon länger in der Ansiedlungspolitik bemerkbar. Und – so Schülke – für Leipzig ginge es bei den Ansiedlungen von Rüstungsbetrieben ungefähr um 700 Arbeitsplätze.

Aber wie ist es mit der gepflegten Heimlichkeit oder – so Volker Külow – dem ein Jahr lang praktizierten „Stealth-Modus“? Den sah Schülke so nicht. Das Vorhaben von Falk Defence seit März öffentlich bekannt. Aber halt auf Kanälen, die auf ihre Weise schon sehr speziell sind. Und die nicht formulierte Kritik der Linksfraktion ist eigentlich nur zu verständlich: Warum kommt so eine Ansiedlung erst im Wirtschaftsausschuss zur Sprache, wenn die Medien berichten und die Linke eine Dringliche Anfrage stellt?

Da war die Frage nach dem „Stealth-Modus“ ganz und gar nicht so falsch.

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