Beim Kampf um das Capa-Wäldchen scheinen die Umweltverbände und die besorgten Leipziger/-innen zwar einen kleinen Teilerfolg errungen zu haben. Aber so richtig ist der Zugriff der Stadt auf das kleine Wäldchen an der Capa-Straße noch nicht abgeblockt. Und bei Einwohneranfragen zur Zukunft des Auwaldes eiert Leipzigs Verwaltung ohne klare Linie herum. Höchste Zeit, darüber einmal wieder öffentlich zu diskutieren, dachte sich die Grünen-Fraktion im Leipziger Stadtrat und lädt am 6. November ein zu einer Podiumsdiskussion.

Die Fraktion lädt am Freitag, 6. November, um 19 Uhr zur Podiumsdiskussion „Auwald unter Druck: zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ in den Großen Saal der VILLA (Lessingstr. 7) ein. Dort will sie mit Vertreter/-innen aus Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Stadtgesellschaft über den Leipziger Auwald ins Gespräch kommen.

„Die aktuelle Debatte um die Rodung des Capa-Waldes hat die Frage nach der Priorität von Umweltschutzbelangen in unserer Stadt auf eine erschreckende Weise neu gestellt“, stellt die Grünen-Fraktion fest. „Wie es genau weitergeht, ist noch nicht entschieden – nur dass die Stadt ihre ursprünglichen Pläne anpasst, und von den Rodungsplänen abzurücken scheint. Wir als bündnisgrüne Fraktion setzen uns ganz klar für den 100%igen Erhalt des Capa-Waldes ein.“

Bremsen und Ausweichen

Dahinter schwelt das unentschiedene Agieren der Stadtverwaltung, die zwar seit Jahren an einem Auenentwicklungskonzept arbeitet, das 2027 endlich veröffentlicht werden soll. Aber wenn es konkret um den engen Flaschenhals am Elsterbecken geht, eiert das Amt für Stadtgrün und Gewässer herum, zeigt keine klare Linie, nimmt auch die klare Handlungsaufträge aus dem Stadtrat irgendwie nicht wirklich ernst.

Das klingt dann in einer Antwort auf eine Einwohneranfrage von Dr. Gunnar Busse nicht einmal nur ausweichend, sondern verweigernd.

Die Frage lautete: „Wurde bei der Prüfung bzw. in der Machbarkeitsstudie die an das Elsterbecken angrenzenden Flächen wie z.B. eine Renaturierung des Geländes der Kleinmesse oder Integration des Capawaldes zur Stärkung des Biotopverbundes zwischen dem nördlichen und südlichen Auwald berücksichtigt?“

Aber in Leipzigs Verwaltung hat man sich schon seit Jahren Scheuklappen angelegt, folgt lieber den Bremsern, die jede Veränderung an dieser Stelle lieber verhindern. Das klingt dann aus dem Amt für Stadtgrün und Gewässer so: „Die Entwicklungsperspektiven für das Elsterbecken bauen auf den wasserwirtschaftlichen Planungsvarianten des Integrierten Gewässerkonzepts (IGK) Leipzig auf. Die Bereiche westlich des Elsterbeckens sind nicht Inhalt der Betrachtung.

Das Auenentwicklungskonzept für die Elster-Luppe-Aue (Nordwestaue) bescheinigt dem Auenabschnitt südlich der Hans-Driesch-Straße auenökologisches Entwicklungspotenzial, etwa die Wiederherstellung von Auwald. Gleichwohl wird der Hochwasserschutz für Siedlungsbereiche auch im Zuge der Auenentwicklung sichergestellt, sodass die Entwicklungsmöglichkeiten limitiert sind. Weiterhin schließen sich denkmalgeschützte Flächen für die Renaturierung aus.“

Ein Denkmal der geplatzten Träume

Die „denkmalgeschützten Flächen“ sind im Grunde die Mauern des Elsterbeckens, vor 100 Jahren projektiert, um hier Teil eines neuen Stadtquartiers mit noblen Gebäuden zu werden, die sich im Wasser spiegeln. Alles nie verwirklicht, weil es auch niemand braucht. Nur das Becken wurde gebaut, das sich seither zu einer teuren Sedimentfalle entwickelt hat. Und wenn jemand aus dem Amt für Stadtgrün und Gewässer auch nur anfragt, ob das Elsterbecken nicht in eine vitale Flusslandschaft verwandelt werden kann, kommt aus dem Amt für Bauordnung und Denkmalpflege ein knurriges „Nein!“

Ganz hat das Amt für Stadtgrün und Gewässer den Stadtratsauftrag, eine Vitalisierung des Elsterbeckens zu prüfen, noch nicht ad acta gelegt. Das teilt es auch Gunnar Busse mit: „Die Renaturierung ist eine von mehreren Entwicklungsperspektiven für das Elsterbecken. Das Ergebnis des Abstimmungsprozesses ist offen. Unbenommen davon ist für die Umgestaltung des Elsterbeckens und die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie an den Gewässern I. Ordnung die Landestalsperrenverwaltung zuständig.“

Da hat man dann einen Verantwortlichen gefunden, der nicht die Stadt ist. Und wenn das Becken nicht renaturiert wird, ist dann eben die Landestalsperrenverwaltung schuld, die ja für die Gewässer 1. Ordnung – also auch Weiße Elster und Elsterbecken – zuständig ist.

Aber dieses Spiel der verteilten Verantwortlichkeiten geht nun schon seit Jahren, ohne dass endlich jemand den Knoten durchschneidet. Und dieses Nicht-Entscheiden wurde mit dem unkoordinierten Vorgehen der Stadt beim Capa-Wäldchen einmal mehr öffentlich sichtbar.

Die Podiumsdiskussion

Zeit, es nun endlich wieder zu thematisieren, dachten sich die Grünen.

„Wir wollen an dem Abend jedoch einmal wieder in den Fokus rücken, was eigentlich das übergeordnete Ziel für den Auwald sein muss. Es ist seit vielen Jahren bekannt, dass es dem Leipziger Auwald schlecht geht, dass er Wasser braucht, dass er gestärkt werden muss. Wichtige Beschlüsse wurden dazu auf den Weg gebracht. Aber wie ist der aktuelle Stand zum Auenentwicklungskonzept der Stadt?“, fragt die Grünen-Fraktion. „Wie kommt das Naturschutzgroßprojekt zum Leipziger Auwald voran? Wird das Elsterbecken renaturiert? Was müssen wir tun, um den Auwaldschutz und die Stärkung dieses wichtigen Biotopverbundes endlich voranzubringen?“

Zur Podiumsdiskussion am 6. November gibt es dann einleitend zwei Kurzvorträge von Prof. Christian Wirth zum Zustand des Leipziger Auwaldes sowie von Rüdiger Dittmar zum aktuellen Stand des Auenentwicklungskonzepts.

Im Anschluss wollen die Grünen dann mit weiteren spannenden Gästen ins Gespräch kommen. Abschließend gibt es die Gelegenheit, Fragen an die Podienteilnehmer/-innen zu richten. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, aber die Plätze sind begrenzt. Frühes Kommen ist also angeraten.

Die Teilnehmer/-innen des Podiumsgesprächs:

Prof. Dr. Christian Wirth, Direktor des Botanischen Gartens der Universität Leipzig
Rüdiger Dittmar, Leiter des Amts für Stadtgrün und Gewässer Leipzig
Wolfram Günther, Mitglied des Sächsischen Landtags, Sprecher für Umwelt und Klima der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen Sachsen, ehem. Staatsminister für Energie, Klima, Umwelt und Landwirtschaft
Dr. Nicole Schreyer-Krieg, Stadträtin und umweltpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen Leipzig
Dr. Regina Heinecke-Schmitt, Abteilungsleiterin Abteilung 4 im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
Tony Kremser, NABU Leipzig

Moderation: Antonia Weishaupt, Geschäftsführerin der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen Leipzig

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