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Für die Juli-Sitzung des Stadtrates musste die Vorlage zum möglichen Verkauf des Wäldchens an der Capastraße vertagt werden. Der Protest war zu deutlich. Und auch im Stadtrat runzelten viele Ratsmitglieder die Stirn, denn mit diesem vom Liegenschaftsamt vorgelegten Projekt würde Leipzig gleich mehrere zentrale Ziele an dieser Engstelle des Auwalds torpedieren. Am 3. September stand dann auch die Beantwortung einer Grünen-Anfrage auf der Tagesordnung, die eigentlich ein sehr deutliches Ergebnis hatte.
Denn Leipzig kann dieses Wäldchen an dieser Stelle nicht ersetzen. Das Amt für Umweltschutz (AfU) wurde in seiner Antwort sehr deutlich: „In den Analyseschritten des Biotopverbundkonzeptes wurde das Wäldchen an der Capastraße als Kernfläche beurteilt. Die Fläche erfüllt somit bereits eine Funktion innerhalb des Biotopverbundes und ist als besonders erhaltenswert anzusehen.
Aufgrund ihrer räumlichen Nähe zu anderen Kernflächen des Biotopverbundes ‚Wald, waldartige Baumbestände und Gehölze‘ gehört die Fläche des Capawäldchens auch zu einem Kernflächenkomplex. In den Kernflächenkomplexen liegen die einzelnen Kernflächen in einem Abstand von maximal 100 m zueinander. Es wird davon ausgegangen, dass bei diesen Abständen eine funktionale Vernetzung zwischen den Flächen gegeben ist und sich gehölzgebundene Arten zwischen den Kernflächen ausbreiten können.
Ein wesentlicher Bestandteil dieses Kernflächenkomplexes ist in weiten Teilen auch der Leipziger Auwald, der eine zentrale Achse des Biotopverbundes ‚Wald, waldartige Baumbestände und Gehölze‘ darstellt. Der nördliche und der südliche Auwald bilden dabei ein zusammenhängendes Band, das vielfältige Lebensräume bereitstellt und die Wanderung sowie Ausbreitung verschiedener Arten ermöglicht. Dadurch wird zugleich der genetische Austausch zwischen Populationen unterstützt.“
Was eigentlich schon völlig genügen würde, um den Flächenverkauf an RB Leipzig auszuschließen.
Engstelle im Auwaldsystem
Aber das Wäldchen ist auch ein unersetzlicher Baustein im Waldverbund. Schreibt das Amt für Umweltschutz. „Im Bereich des Elsterflutbeckens ist die Verbindung zwischen Süd- und Nordwestaue aufgrund der bestehenden Nutzungen (insbesondere Bebauung und Sportstätten) bereits auf Restflächen reduziert. Der Waldverbund ist an dieser Stelle folglich weniger stabil und stellt eine Engstelle zwischen nördlichem und südlichem Auwald dar. Diese erschwert die funktionale Vernetzung und wirkt für viele Arten als Barriere.
Um die räumliche und funktionale Verbindung zwischen nördlichem und südlichem Auwald zu erhalten, ist das Wäldchen an der Capastraße ein wichtiges Element des Biotopverbundes.“
Und nichts anderes konnte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal am 3. September in der Ratsversammlung sagen, als Nicole Schreyer-Krieg für die Grünen nachfragte. Die natürlich besonders irritiert war, dass dasselbe Amt für Umweltschutz in der Beantwortung der folgenden Fragen genau diesem Sachverhalt widersprach.
Zum Beispiel hier, wo die Stadt meint: „Anlass für die Erarbeitung der Vorlage VIII-DS-02491 war der aus der Vorlage VII-DS-02824-DS-02 resultierende Prüfauftrag. Gegenstand des Prüfauftrags war unter anderem die Identifizierung eines geeigneten Alternativstandortes für den Festplatz als Austragungsort der Leipziger Kleinmesse.
Aufgrund der besonderen funktionalen und infrastrukturellen Anforderungen an einen geeigneten Ersatzstandort konnte trotz einer intensiven Prüfung und Standortsuche keine geeignete Alternative identifiziert werden. Vor diesem Hintergrund wurde die Waldfläche an der Capastraße als die derzeit einzig verbleibende Option für die Erweiterung des Trainingsgeländes von RB Leipzig weiterverfolgt. Damit könnte zugleich der Fortbestand der Leipziger Kleinmesse am bisherigen Standort, ermöglicht werden.“
Motto: Wir finden einfach keinen anderen Platz für die Kleinmesse. Muss das Wäldchen also weichen.
Kein Platz für eine Kompensation
Aber spätestens bei der Frage nach den Kompensationsflächen für die mögliche Rodung des Capa-Wäldchens (das selbst schon eine Kompensationsmaßnahme war) wird klar: Weit und breit gibt es keinen Platz für eine solche Kompensation der Kompensation.
Oder mit den Worten aus dem Amt für Umweltschutz: „Grundsätzlich ist der terrestrische Biotopverbund in diesem Bereich bereits massiv gestört/vorbelastet (z. B. Zerschneidung durch die Jahnallee; Palmengarten).
Eine planmäßige, städtebauliche Lenkung und Priorisierung etwaiger artenschutzrechtlicher Ausgleichsmaßnahmen in den (terrestrischen) Uferbereich zwischen Landauer Brücke und Sachsenbrücke zwecks Schaffung eines möglichst breiten sowie durchgehenden Korridors zwischen nördlichem und südlichem Auwald könnte im Ergebnis sogar zu einer Stärkung statt Schwächung für den Biotopverbund führen (vgl. Antwort zu Frage 3a).
Dezidierte Aussagen zu Art, Umfang und Verortung artenschutzrechtlicher Ausgleichsmaßnahmen können jedoch erst auf Grundlage naturschutzfachlicher Kartierungen getroffen werden. Entsprechende Kartierungen, die auch über das Areal des geplanten Eingriffs hinausgehen, sind im Rahmen des erforderlichen Planverfahrens zur Umnutzung der Fläche an der Capastraße durchzuführen. Die Ergebnisse dieser Kartierungen sind Grundlage für weitere Planentscheidungen, denen hier nicht vorweggegriffen werden kann.
Ein flächennaher Ersatz der Waldflächen ist nicht möglich. Hier handelt es sich um einen nicht auflösbaren Zielkonflikt. An welcher Stelle konkret Ersatzaufforstungen durchgeführt werden können, ist noch zu prüfen.“
Im Flächennutzungsplan gar nicht vorgesehen
Und wie ist das mit dem behaupteten Interesse von RB Leipzig, hier neue Trainingsplätze hinzusetzen? „Bei der Überbauung des Capawäldchens durch Sportinfrastruktur würde es sich um eine Nutzungsänderung handeln, welche im aktuellen Flächennutzungsplan nicht vorgesehen ist. Die Waldfläche ist im Zusammenhang mit der angrenzenden Kleinmesse als ‚Sonderbaufläche mit überwiegendem Grünanteil und Zweckbestimmung (Kleinmesse)‘ ausgewiesen.
Da der Flächennutzungsplan langfristige städtebauliche Zielsetzungen darstellt, sollte jede solche Änderung sehr sorgfältig abgewogen werden.“
Es geht die ganze Zeit nicht wirklich um die Kleinmesse (die eher das Bauernopfer zu werden droht), sondern um eine Zusage diverser Akteure der Verwaltung an den Fußballclub RB Leipzig.
Aber um die Kleinmesse ging es freilich der Anfrage der Grünen und in den Nachfragen von Schreyer-Krieg und ihrem Fraktionskollegen Tobias Peter am 3. September, denn irgendwie findet die Stadt einfach keinen Ausweichstandort für die Kleinmesse und schließt auch die Alte Messe als neuen Standort kategorisch aus. Aus Emissionsschutzgründen. Und weil nicht genug Platz da sei, so Heiko Rosenthal.
Aber das nur am Rand. Der Rest ist im Video zu sehen.
Verlust kann vor Ort nicht ausgeglichen werden
Aber die Antwort des Amtes für Umweltschutz wird – was die suggerierte Rodung des Capa-Wäldchens betrifft, – sehr deutlich: „Sollte der ‚Capawald‘ im Zuge der Standortentwicklung gerodet werden müssen, ist dieser Eingriff entsprechend auszugleichen (neben der zusätzlichen Kompensation für den bereits angerechneten historischen Eingriffstatbestand).
Dies würde auch die Neuanlage von Wald in entsprechender Größenordnung an anderer Stelle bedeuten. Die Benennung flächenkonkreter Potentialstandorte für den notwendig werdenden Kompensationsumfang ist derzeit noch nicht möglich.
Der Verlust der Kühlleistung der Waldfläche kann, je nach Umfang des Eingriffs, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht unmittelbar vor Ort ausgeglichen werden.“
Der Wald ist unersetzlich. Steht da.
Ergebnis: Auch von der Tagesordnung des Rates am 2. September wurde die Vorlage zum Capa-Wäldchen gestrichen. Jetzt soll sie am 30. September zur Beschlussfassung kommen. Aber vorher soll es eine gemeinsame Ausschusssitzung geben, bei der OBM Burkhard Jung einen „neuen Kompromissvorschlag“ vorlegen will. Das wird dann wohl die für Mittwoch, den 16. September, angesetzte Sitzung des Grundstücksverkehrsausschusses sein, zu der auch die Mitglieder der Fachausschüsse Kultur, Stadtentwicklung und Bau, Umwelt, Klima und Ordnung und Sport geladen sind.
Ausgang offen. Oder es setzt sich am Ende wieder das dicke Geld durch. Und die Motorsägen kreischen.
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