Eigentlich ist alles gesagt über die Pläne der Stadt, das kleine Wäldchen an der Capastraße an RB Leipzig zu verkaufen, um irgendwie den Standort der Kleinmesse zu retten. Alle Leipziger Umweltverbände haben inzwischen klare Position gegen diesen faulen Deal bezogen, mit dem ein in Leipzig unersetzliches, 5,7 Hektar großes und lebendiges Stück Grün geopfert werden soll, weil alte Abmachungen mit dem Bundesligisten RB Leipzig die Stadt irgendwie zwingen, Platz für weitere Trainingsfelder zu schaffen. Der Ökolöwe lädt mit den anderen Umweltverbänden nun am Donnerstag, 25. Juni, zur Demo „Waldrodung stoppen“ am Kleinmessegelände ein.
Die LZ berichtete in mehreren Beiträgen über diesen unerhörten Vorgang, mit dem das Liegenschaftsamt den Weg frei machen möchte, das vor 30 Jahren als Kompensation gepflanzte Wäldchen an RB Leipzig zu verkaufen: „Pläne zur Rodung des Capa-Wäldchens: Will die Verwaltung den Stadtrat einfach überrumpeln?“ oder „Leipzig, Deine Bäume: Hitzeschutz und Klimaschutz zählen nicht, wenn es um Fußball geht“.
Und Leipzigs Umweltbürgermeister wirft kein Veto in den Ring, sondern stimmt dem Vorhaben auch noch zu.
„Leider stimmt es“, stellt der Ökolöwe fest. „Stadt und RB Leipzig wollen den Wald neben der Kleinmesse roden. Damit kappen sie einen bedeutenden Teil der schmalen Verbindung zwischen nördlichem und südlichem Auwald.
Pflanzen und Tiere sind auf diesen Korridor angewiesen, um sich auszubreiten, genetisch auszutauschen und auf den Klimawandel zu reagieren. Statt den Biotopverbund zu schwächen, muss er hier dringend gestärkt werden.“
Schon in der kommenden Ratsversammlung am 1. Juli soll der Stadtrat darüber entscheiden, ob die Stadt das Waldstück an RB verkaufen darf.
„Darum demonstrieren wir gemeinsam mit NABU, BUND und vielen anderen gegen die Rodung“, so der Ökolöwe, der wohl zu Recht befürchtet, dass die Ratsfraktionen umfallen wie die Kegel, weil sie die halbgare Lösung für den Bestand des Kleinmessegeländes akzeptieren und dafür auch ein Wäldchen zu opfern bereit sind.
„Wenn die Stadträt/-innen sehen, wie viele Menschen für den Wald auf die Straße gehen, können wir sie davon überzeugen, den Verkauf abzulehnen“, hofft der Ökolöwe.
Und ruft deshalb auf: „Komm am Donnerstag, 25. Juni, um 18 Uhr zur Demo an der Kleinmesse. Stell Dich mit uns gegen die Rodung!“
Weitere Informationen zur geplanten Demonstration findet man direkt auf der Website des Ökolöwen.
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Es gibt 13 Kommentare
Was genau hat eigentlich das Agra-Gelände als Alternativstandort disqualifiziert?
Die Stadt hat sich weiterhin in eine missliche Lage gebracht, weil man naiv dachte das die Verantwortlichen von RB auf Niveau der Verwaltung agieren. Man hat RB das Gelände zugesichert, dass hatte die Stadt bestätigt. Bei unserem innerpolitischen Handeln würde mich nicht wundern, wenn man RB das Capa-Wäldchen gibt und gleichzeitig vergisst sich die Rechte am Kleinmessegelände zurückzuholen.
In der jetzigen Situation gibt es eigentlich nur die folgenden Kompromisse:
RB bekommt das Kleinmessegelände, das Capa-Wäldchen bleibt und bekommt einen Schutzstatus, dass auch für kommende Eventualitäten vorgesorgt und die Kleinmesse kommt woanders hin.
Das keiner der ominösen 27 Standorte besser oder gleichwertig als der jetzige ist, kann ich nicht glauben und nachvollziehen.
RB hat und wird der Stadt auch wirtschaftlich mehr einbringen als die Kleinmesse, dass kann und muss man nicht gut heißen. Den Grundstein dafür hat man gelegt, als man das Stadion an RB verkauft hat, damit die nicht außerhalb bauen und die Stadt ein Stadion weiter unterhalten muss, für das weder Geld noch Nutzen da war.
Zur ganzen Gemengelage kommt hinzu, daß sich Stadtverwaltung und -rat sich, wie „Hearst“ zurecht neulich in einem anderen Thread spottete, mit Als-ob-Aktionen, genauer mit Pflanzkübeln mit Piepmatzmotiven (ich denke, der Liviaplatz ist gemeint) auf eine Wolkenkuckucksheim-Umlaufbahn geschnippst haben, von der sie nicht ohne weiteres runterzukommen gedenken. Als-ob-Aktionen sind aber, spätestens wenn es mal richtig konkret wird, gänzlich untauglich! Franziska Riekewald beispielsweise glaubt also fatalerweise tatsächlich, daß die von ihr in der LVZ zitierten klaren Kompensationsregeln ihre gute Bewandnis hätten und adäquat angewendet werden würden. Dumm ist nur, daß das im vorliegenden Fall per se unmöglich ist und bleibt.
Jawohl, das Thema ist auf den September verschoben worden; ein erster grüner Halm…
Zudem werden in der Sitzung am 1.7. mind. 3 Einwohneranfragen dazu behandelt werden müssen, was darauf schließen lässt, dass – Gott sei Dank – der zivile Protest noch lebt.
Ich vermute, die Festwiese ist aufgrund des nicht befestigten Untergrundes und der fehlenden technischen Infrastruktur außen vor gelassen worden. Die Traglast so mancher Fuhrbetrieb wird recht groß sein, und an jeder Ecke müssen Medien vorgehalten werden.
Dass müsste man an anderen Alternativstandorten sicher auch nachführen, aber wer die Rechnung selber aufmacht, bestimmt auch über deren Umfang, und so wird das bestimmt unwirtschaftlich gewesen sein.
Es ist für mich wiederum auch kein Wunder, dass man eine solche Fläche nach Jahrzehnten der Stadtverdichtung nicht mehr finden kann. Hier muss man einfach einen Status Quo festlegen, solange die Kleinmesse gemocht und durchgeführt wird.
Das heißt aber eben nicht, dass nun andere Akteure woanders Platz fressen dürfen, und dafür auch noch Wald geopfert wird.
Es ist so abartig absurd, dass man dafür noch ernsthaft argumentieren muss.
@Thomas_2, Urs
Es wäre sicherheitstechnisch völlig unmöglich eine Kleinmesse auf der Festwiese zu betreiben wenn nebenan ein Fußballspiel oder ein Konzert mit 50.000 Zuschauern stattfindet! Die kann man auch nicht mal eben um die Festwiese „herum“ leiten, insbesondere nicht nach Ende einer solchen Veranstaltung! Außerdem benötigt es Sicherheitsflächen bei Panik oder anderen unvorhergesehenen Ereignissen.
Mich überzeugt die Ansicht, an Fußballspieltagen könnte man keine Kleinmesse auf der Festwiese halten, nur unzureichend. Man würde, wenn man wollte, die Zuschauermassen, die etwa von der Haltestelle „Sportforum Süd“ angelatscht kommen, schon um die Festwiese herumleiten können, wenn man wollte. Bisher ist so eine Denkrichtung nicht ernsthaft verfolgt worden, möchte ich argwöhnen.
Ich hörte ein Munkeln, unser Thema sei von der Stadtratssitzung am 1.7. abgesetzt worden, stimmt das?
@TLpzs: Tja, dann ist das eben so. Leben ist kein Wunschkonzert. 🙂
Man kann den einzelnen Fraktionen schreiben und dort seinen Unmut zeigen. Auch den OBM kann man per Mail auffordern, den Vorschlag zurückzunehmen. Die Fraktionen kann man ganz einfach im Internet suchen. Das geht relativ einfach und je mehr, desto besser.
@Thomas_2
Die Festwiese ist mitnichten ein perfekter Ersatz- Platz für die Kleinmesse. Diese könnte dann nur in Spielpausen, ergo in der Winter- oder Sommerpause stattfinden. Solche Diskussionen gab es schon bezüglich des derzeitigen Platzes, das haben die Schausteller abgelehnt. Im Sommer kollidiert das auch noch mit Konzerten in der Red Bull- Arena. Kleinmesse auf der Festwiese und parallel 50.000 Besucher im Stadion sind nicht vereinbar.
@Christian: ich empfinde das ähnlich. Leider ist die Stadtverwaltung gern beratungsresistent, wenn es um Fußball geht. Bei kleineren Eingriffen, die vielen tausenden Bürgern wirklich was brächten, ohne aber in die Natur einzugreifen, werden die Gesetzte restriktiv ausgelegt.
@Urs: Sehr gute Idee, die Festwiese wäre doch perfekt.
Man sollte Peter Wasem, Amtsleiter Umweltschutz, anrufen und zur Rede stellen, wieso er keine Einwände erhebt, wenn die Kompensationsregeln mißbräuchlich ausgelegt werden: es liegt eine örtliche Lage des Areals vor, dessen Verlust nur Jahnallee-nah kompensiert werden könnte, und das auch nur erst nach Jahrzehnten, all das durch den Engstellencharakter der Grünflächen um das Elsterbecken. Allenfalls wäre ein ernstnehmbarer Vorschlag, den Heinrich-Heine-Park verwildern zu lassen, klingt seltsam, ist aber ernstgemeint. Übrigens war vor Jahrzehnten alles hinter dem Heinrich-Heine-Park eine gepflegte Grünanlage mit Wiesenstücken auf mehr als einem Kilometer.
Tja, und Stadtverwaltung und Stadtrat wollen das Kleinmessenthema, was eigentlich ein RB-Thema ist, nur noch vom Tisch haben. Die glauben in erheblicher Ignoranz wirklich daran, daß sie die beste aller Lösungen vor sich haben. Abgesehen von B90/DG glauben das durchweg alle Fraktionen, las ich am 10. Juni in der LVZ. Auch das BSW, das die Lösung quasi als ironische Spätfolge rot-rot-grüner Stadtentwicklungspolitik ansieht. Ich wüßte gern, wie Kuno die Sache sieht. Und ein paar andere Abgeordnete. Und ich wiederhole es nochmals: was disqualifiziert eigentlich die Festwiese, neuer Kleinmesseplatz zu werden? Die Festigkeit des Untergrundes?
Ich habe ganz in der Nähe vor 2 Jahren beim Spaziergang eine echte Wildkatze gesehen. Es war das beste Naturerlebnis meines Lebens. Nun soll ihr Lebensraum der Wirtschaft geopfert werden. Das ist ein gefährlicher Weg. Leipzig verliert seine Faszination wenn sich der Trend zum „Sparen um jeden Preis“ als politische Leitlinie weiter fortsetzt. Das macht mich unendlich traurig.
Rücksichtlos, ignorant, egoistisch.
Wie kann man nur so eine schädigende Variante – völlig ohne Scham – im öffentlichen Raum forcieren?
Wie kann man nur öffentliches, wichtiges Gut so verhökern und zerstören?
Dieser Vorschlag erzürnt mich und es beschämt mich, dass meine agierenden Stadtverantwortlichen solches tun. Sie gehören abgesetzt. Sie verlieren endgültig die Glaubwürdigkeit.
Gibt es so etwas wie Rundbriefe an alle Leipziger Stadtverordneten, um dem Protest Ausdruck zu verleihen?
Plant hier jemand eine große Protestanzeige in der Zeitung, an der man sich beteiligen könnte?
Wer hier als Fraktion zustimmt, wird – zumindest bei mir – mehr als viele Lorbeeren verlieren und für die kommenden Wahlen entscheidende Punkte sammeln.
Ist nicht das eigentlich Erschütternde am politischen Deal, daß „das letzte Ass“ der Stadtverwaltung (Klaus Staeubert vor paar Tagen in der LVZ) darin besteht, ein nicht unter Schutz gestelltes Areal – es gehört der Stadt und steht zunächst einmal dadurch unter Schutz – ohne Skrupel gegen die Interessen der Allgemeinheit sprichwörtlich zu opfern. Überraschung: wir haben da mal noch was nicht unter Schutz gestellt gehabt…
Die Kleinmessebetreiber wären damit zufrieden, wenn sie um den Preis des Verlusts der Wildnis bleiben können. Das möchte ich denen nicht verdenken. Allerdings: wieso bietet denen niemand die Festwiese an? Damit Roland Kaiser jederzeit auftreten kann? Wie absurd!
Die Planungen des Naturkundemuseums im Bowlingzentrum haben Zusatzsummen in Millionenhöhe verschlungen, weil der Baumerhalt immer weiter im Anspruch sank, weil mehrfach zusätzlicher Platzbedarf anfiel. Da ging es um ein paar alte Bäume. Hier geht es um hunderte Bäume an essentieller Stelle auf mehr als 5 Hektaren. Möge die Stadtverwaltung, die so schöne Asse aus ihren in Wahrheit nicht vorhandenen Ärmeln zieht, auf immer schweigen, wenn es um kleinteiligen Baumerhalt geht. Und die Kompensationsidee ist hier nichts als Roßtäuscherei und Augenwischerei zusammen. Denn einen Biotopverbund an genau dieser Engstelle kann man eben nicht an gleich mehreren Flickschuster-Stellen stattdessen und ersatzweise knüpfen. Die Idee allein ist eine Frechheit.