Vielleicht ist es der ungünstigste Zeitpunkt. Aber er überrascht nicht: Seit sechs Jahren steckt Deutschland in der Konjunkturflaute. Überall wird das Geld knapp. Die Kommunen ächzen mittlerweile unter einer massiven finanziellen Überlastung. Aber auch an Verbänden und Vereinen geht die Flaute nicht spurlos vorüber. Das merken auch Leipzigs Umweltverbände. Der BUND Leipzig appelliert jetzt an den Stadtrat, die Förderung der Umweltschutzverbände langfristig aufzustellen. Am 1. Juli steht dazu ein Grünen-Antrag zum Beschluss.

Aufgrund einer zunehmend schwierigen Förderlandschaft spricht sich der BUND Leipzig für einen Stadtratsbeschluss aus, der mehrjährige Förderungen zum Standard machen soll. Die Grüne Fraktion Leipzig hat dazu Anfang des Jahres einen entsprechenden Antrag eingebracht, über den im Juli abgestimmt werden soll – trotz des ablehnenden Verwaltungsstandpunkts.

Eine schwierige Förderlage gefährdet wertvolle Umweltarbeit

Die Rahmenbedingungen für gemeinnützige Organisationen in Leipzig haben sich in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert. Fördertöpfe werden kleiner oder gänzlich gestrichen und Bewilligungszeiträume kürzer. Für den BUND Leipzig bedeutet das, dass ein wachsender Teil der Arbeitskapazität nicht in den Schutz von Natur und Umwelt fließen kann, sondern in Formulare und Anträge.

Hinzu kommt eine strukturelle Unsicherheit. Ob Stellen, die durch eine Projektförderung finanziert werden, im nächsten Jahr noch bestehen, ist oft bis Ende des Jahres unklar. Das trifft nicht nur die Organisation selbst, sondern auch die Menschen, die die Arbeit des Vereins tragen.

„Die akut schwierige Förderlage schränkt den Einsatz für positive Veränderungen in unserer Stadt spürbar ein“, erklärt Anika Jahn, Co-Vorsitzende des BUND Leipzig. „Gleichzeitig sind hochkompetente Menschen betroffen, die wir aufgrund fehlender Planungssicherheit verlieren. Hier brauchen wir langfristigere Perspektiven. Auch wenn mit einer mehrjährigen Förderung ein gewisses Risiko einhergeht, Bewilligungen mehrjährig zu verlieren – eine Veränderung in Richtung Langfristigkeit wäre dennoch absolut im Sinne der Sache.“

Was eine mehrjährige Förderung konkret verändern würde

Der Antrag der Grünen Fraktion hat für Vereine wie den BUND Leipzig drei konkrete Vorteile:

1. Zeitgewinn: Wiederholende Antrags- und Abrechnungsverfahren für gleichartige oder mehrjährige Projekte entfallen. Diese Zeit kann direkt in Naturschutz und Bildungsarbeit investiert werden.

2. Inhaltlicher Fokus: Langfristige Projekte können konsequent weiterentwickelt werden, statt jährlich neu angepasst werden zu müssen, um Förderbedingungen zu entsprechen.

3. Planungssicherheit für Menschen: Festangestellte Mitarbeiter/-innen erhalten sichere Zukunftsaussichten. Das ist entscheidend, um qualifiziertes Personal zu halten und ehrenamtliches Engagement professionell zu begleiten.

Außerdem seien mehrjährige Förderungen kein neues Konzept. In der Kinder- und Jugendhilfe sind sie längst Standard. Im Umwelt- und Kulturbereich dagegen müssen Organisationen ihre Arbeit weiterhin von Antrag zu Antrag planen. Das schafft Unsicherheiten und verhindert genau die langfristige Strukturarbeit, die wirksamen Naturschutz erst möglich macht.

Es geht um zivilgesellschaftliches Engagement

Fördermittel sind für den BUND Leipzig die Grundlage konkreter Veränderungen vor Ort. So konnte der BUND Leipzig dank dieser Unterstützung der Projektförderungen in der Vergangenheit unter anderem Jugendliche in kommunale Klimapolitik einbinden, ein stadtweites Citizen Science Projekt zum Schutz der Tagfalter-Artenvielfalt aufbauen, klimafreundliches Verhalten durch eine regionale Währung belohnen und Gastronomie sowie Quartiere beim Umstieg auf Mehrweg unterstützen.

Diese und viele weitere Projekte sind ohne Drittmittel nicht umsetzbar. Wenn Förderstrukturen wegbrechen oder zu kurzfristig geplant sind, leidet nicht nur der Naturschutz. Es trifft das gesamte zivilgesellschaftliche Engagement, das eine lebendige Stadt trägt: Nachbarschaftsprojekte, Bildungsarbeit, Kulturinitiativen – und damit ehrenamtliche Strukturen, die über Jahre gewachsen sind.

Der BUND Leipzig unterstützt den Antrag der Grünen Fraktion ausdrücklich und appelliert an die Fraktionen des Stadtrats, im Juli für eine Verbesserung der Förderbedingungen zu stimmen.

Mehrjährige Förderungen wären ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber reichen allein nicht aus, um Personalbedarfe verlässlich zu sichern. Organisationen wie der BUND Leipzig wirken als außerparlamentarisches Korrektiv, zum Beispiel in Beteiligungsprozessen und Stellungnahmen. Diese Arbeit ist Teil einer funktionierenden demokratischen Stadtgesellschaft. Daher setzt sich der BUND Leipzig nicht nur für mehrjährige Förderungen ein, sondern fordert Leipzig darüber hinaus dazu auf, den Schritt zur institutionellen Förderung zu wagen.

Pate werden

Gleichzeitig setzt der BUND Leipzig jetzt umso mehr auf die Unterstützung aus der Stadtgesellschaft. Hintergrund ist auch die bundesweite Sparpolitik, durch die zahlreiche Fördertöpfe für Umwelt- und Naturschutzarbeit und auch politische Bildungsarbeit gestrichen oder gekürzt wurden.

„Angesichts der aktuellen Situation ist der Verein mehr denn je auf Menschen angewiesen, die die Naturschutzarbeit direkt durch eine Patenschaft beim BUND Leipzig ermöglichen. Dieser regelmäßige Beitrag nach persönlichen Möglichkeiten hilft, Festanstellungen zu erhalten und langfristige Projekte zu sichern“, erklärt Martin Hilbrecht, Co-Vorsitzender des BUND Leipzig.

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