Windelweich war Leipzigs Umweltpolitik in den vergangenen Jahren schon immer. Man ruhte sich gern auf dem schönen Wort „Kompensation“ aus, auch wenn dieser „Ersatz“ in der Regel irgendwo anders, meist sogar außerhalb des Stadtgebietes stattfand, der Biodiversität und dem Klimaschutz in der Stadt also überhaupt nichts nützte. Doch mit der Vorlage, das kleine Wäldchen an der Capastraße RB Leipzig zum Verkauf anzubieten, hat das Leipziger Liegenschaftsamt endgültig eine Grenze überschritten. Mehr als 2.000 Menschen demonstrierten am Donnerstag, 25. Juni, gegen den Verkauf des Wäldchens.
Was am Ende bedeuten würde, dass das selbst als Kompensation vor 30 Jahren gepflanzte Wäldchen dann für neue Trainingsflächen von RB Leipzig gerodet werden würde. Auf Wunsch des Wirtschaftsbürgermeisters sollte der Stadtrat schon kurzfristig in der kommenden Ratsversammlung am 1. Juli darüber entscheiden, ob die Stadt das Waldstück an RB verkaufen darf. Aufgrund der Proteste ist die Entscheidung vorerst auf September vertagt. Der Ökolöwe e.V. warnt, dass Stadt und RB damit einen wichtigen Teil des ökologischen Verbindungskorridors zwischen nördlichem und südlichem Auwald zerstören.
„Dieser Wald ist nicht verhandelbar! Einmal gerodet, ist die Verbindung des Auwalds für immer gekappt“, mahnt Ökolöwen-Geschäftsführer Tino Supplies. Mit Transparenten und Sprechchören verliehen die Demonstrierenden der Forderung nach dem Erhalt des Waldes Nachdruck.
Der Ökolöwe e.V. hatte in einem breiten Bündnis der Leipziger Umweltverbände gemeinsam mit BUND Leipzig, NABU Leipzig, Fridays for Future Leipzig, Greenpeace Leipzig, Initiative Stadtnatur, NuKLA e.V., Wildvogelhilfe Leipzig, Ornithologischer Verein zu Leipzig und Leipzig pflanzt zur Demonstration aufgerufen und appelliert an den Oberbürgermeister und die Stadtratsfraktionen, den Wald nicht an RB Leipzig zu verkaufen und ihn dauerhaft zu schützen
„Capi bleibt!“, der neue Schlachtruf gegen die Rodung des Wäldchens am Cottaweg
Mit über 2.000 Teilnehmenden, die trotz 35 Grad Hitze zusammengekommen waren, setzten Umweltverbände und Zivilbevölkerung am Donnerstagabend ein starkes Zeichen. Direkt vor dem Tor des Festplatzes fand die Auftaktkundgebung statt. Nach einem sonnigen Marsch am Wäldchen vorbei zum Lindenauer Markt fand dort die Anschlusskundgebung statt.

Dort machte der Co-Vorsitzende der Regionalgruppe des BUND Leipzig, Martin Hilbrecht, nochmals deutlich: „Der eigentliche Kompromiss fand bereits 2011 statt, als wir dem eh schon kritischen Standort zur Errichtung des jetzigen Trainingszentrums zugestimmt haben, unter der Bedingung, dass sich als Ausgleichsfläche das jetzt bedrohte Wäldchen frei entwickeln kann. Wir appellieren eindringlich an RB Leipzig, sich an die Kompromisslösung zu halten und die eigenen Nachhaltigkeitsziele auch hier konsequent umzusetzen.“

Bereits im Klimaschutzbeirat wurde das Vorhaben am Mittwoch mehrheitlich abgelehnt. Der BUND Leipzig nahm aus der Sitzung insbesondere mit, dass zwar ein Alternativstandort für die Kleinmesse in der Richard-Lehmann-Straße denkbar wäre, aber die Herstellung der Standortanforderungen nur mit erheblichen Kosten verbunden wäre und daher für die Stadt nicht infrage käme. Der BUND ist hiervon nicht überzeugt.

„Angesichts des fortschreitenden Klimawandels können wir uns einen weiteren Waldverlust im Stadtgebiet nicht leisten“, erklärt Vorstandsmitglied René Quittenbaum. „Jeden Euro, den wir durch den Verkauf einnehmen, wird uns in Zukunft ein Vielfaches kosten.“
Martin Hilbrecht machte auf der Demo eine klare Ansage in Richtung Stadt Leipzig: „Im Zweifel klagen wir. Das haben wir bereits erfolgreich beim Hambacher Forst durchgesetzt und den Wald somit gerettet.“ Abschließend läutet er den Schlachtruf der Bewegung – analog zum Hambacher Forst – ein: „Capi bleibt!“ Ein prägender Satz, der sofort von allen Teilnehmenden aufgegriffen wurde.
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Die vielen Hundert Leute (Lucas Grothe schrieb auf LZV-Online was von 1000, hier lese ich 2000), die sich gestern bei Hitze zusammengefunden hatten, muß man als sehr ordentlichen Anfang werten. Daß die Argumentation gemäß des Textes durchaus uneinheitlich ist, ist wahrscheinlich sogar im Sinne der Sache von Vorteil. Leider konnte ich nicht dabeisein. Wirklich irre ist ja der Nebenaspekt, daß man nur mit gut einem Viertel an Kompensationsteilflächen, und diese noch bunt zusammengestoppelt, zu agieren gedacht hatte. Das war mir noch gar nicht so aufgefallen.
Daß dieses Medium für das Gehölz nun mit „Capa-Wäldchen“ auch einen schönen Namen hervorgebracht hat, der inzwischen in die Koseform „Capi“ übergegangen ist, gefällt sogar mir. Nicht zuletzt haben wir es ja mit der irgendwie verwandten Bosheit von RB zu tun, sich um einen Anschrift der neuen Geschäftsstellen in der Capastraße herumgetrickst zu haben, indem man die nichtöffentliche Straße, die letztlich vom Kleinmessegelände durch den Nordzipfel vom „Capi“ durchgeht, als „Arenablick“ benennen wollte und sogar per Stadtratsmehrheit durfte, mehr noch, man hat es geschafft, genau diese Privatstraße, an die das Areal der Geschäftsstelle nicht mal direkt angrenzt, als Namensgeber der neuen Anschrift „Arenablick 1“ zu ermogeln (man fragt sich, wie das durch die Stadtveraltung gehen konnte). Über die Causa des Wäldchens auf dem ausgewilderten Kleingartenareal kommt der berühmte Name doch noch in dem Zusammenhang zur Geltung.
Ob und wie nun neue Ideen im Stadtrat und sonst im Rathaus aufkommen, muß sich zeigen. Was bestimmt nicht passieren wird: daß RB eine anderswo findbare Fläche in ihrer entsprechenden Erschließung bezahlen würde.