Es wird spannend in der Ratsversammlung am 1. Juli: Kommt die Verwaltung mit ihrem Vorstoß durch, das Wäldchen an der Capastraße zu opfern, damit RB Leipzig dort die verträglich zugesagten Trainingsplätze bekommt und die Kleinmesse am alten Standort bleiben kann? Eigentlich hatte die Verwaltung zugesagt, anderswo im Stadtgebiet ein neues Kleinmessegelände zu suchen.

Eine offizielle Auswertung dieser Suche gibt es bis heute nicht. Dafür den überraschenden Vorstoß des Liegenschaftsamtes, das Gelände an der Capastraße an RB Leipzig zu verkaufen. Die Linksfraktion scheint dem zustimmen zu wollen.

In der vergangenen Woche gab die Stadtspitze bekannt, eine „Lösung für den Erhalt der Kleinmesse am traditionellen Standort, der sowohl die Interessen der Schausteller als auch von RB Leipzig und des Umwelt- und Naturschutzes berücksichtigt“ gefunden zu haben. Die Verwaltung sieht vor, dem Verein die Fläche westlich des bestehenden Festplatzes anzubieten. Ein seit 30 Jahren gewachsenes urbanes Wäldchen auf 5,7 Hektar. Ein wichtiges Biotop und ein kühlender Landschaftsbestandteil direkt an einem der im Sommer am stärksten aufgeheizten Bereiche der Stadt.

Aus Sicht der Linksfraktion im Stadtrat freilich ist der Erhalt des Kleinmesse-Standorts am Cottaweg ausschlaggebend.

Mehr Sicherheit für die Kleinmesse

„Der Streit um die Kleinmesse dauert nun schon etliche Jahre an. Es braucht endlich eine langfristige Lösung. Im letzten Jahr hat unsere Fraktion mit einem Änderungsantrag zum Erbbauvertrag erreicht, dass ein verbindlicher Standort für den Festplatz – gut angebunden, fertig erschlossen und barrierefrei – zur Bedingung wird“, kommentiert die Linksfraktion jetzt ihre Position zur Verwaltungsvorlage, die das Liegenschaftsamt am 10. Juni eingereicht hat.

„Die jetzt zu beschließende Vorlage ist das Resultat der Prüfung: Es wurde offenbar kein anderer Platz gefunden, der die Bedingungen erfüllt. Als Konsequenz muss neu geschaut werden, wie die Konflikte um die Flächen gelöst werden können.“

Die Frage ist nur: Warum muss das noch auf den letzten Drücker vor der Sommerpause vom Stadtrat beschlossen werden? Wer hat da auf einmal keine Zeit mehr, die Entscheidung der Verwaltung zu prüfen?

„Mit dem nun vorgelegten Grundsatzbeschluss geht es darum, der Stadt das Verhandlungsmandat zu erteilen“, bestätigt Franziska Riekewald, Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Stadtrat. Aber sie betont auch die Bedingung, unter der die Linksfraktion zustimmen werde: „Das tun wir einzig unter folgender Voraussetzung: Die Kleinmesse muss für mindestens 20 Jahre und vor allem durchgehend gesichert sein. Bisher steht in der Vorlage, dass die Kleinmesse stattfinden kann, wenn RB sein Parkhaus in Betrieb genommen hat. Das lässt noch viele Fragen offen.“

Kompensation – aber wo?

Und noch eine Voraussetzung müsse aus Sicht der Linksfraktion erfüllt sein, betont Susanne Scheidereiter, Sprecherin für Klima und Umwelt der Fraktion: „Essenziell ist auch die Frage, wie mit dem Wald umgegangen wird. Wenn dieser gerodet werden sollte, muss im Gegenzug etwas für die Natur getan werden: Am Elsterbecken sind beispielsweise schon lange Renaturierungsmaßnahmen im Gespräch. Wir erwarten von RB Leipzig einen Einsatz für den Naturschutz im Stadionumfeld. Ohne Investitionen, die den Leipzigerinnen und Leipzigern dienen, wird es nicht gehen.“

Aber gerade die beiden Punkte, die Riekewald und Scheidereiter ansprechen, sind ungeklärt. Eigentlich beides Argumente dafür, der Vorlage der Verwaltung eben nicht zuzustimmen und diese erst einmal zu beauftragen, genau das zu klären: einen gesicherten Betrieb für die Kleinmesse und handfeste und abrechenbare Kompensationsmaßnahmen – und zwar nicht irgendwo jenseits der Stadtgrenzen, sondern direkt im Umfeld des längst zur Renaturierung überfälligen Elsterbeckens.

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