Gestartet ist die aktuelle Merz-Regierung im Bund ja mit dem Geschenk eines 500-Milliarden-Euro-Pakets, das noch der alte Bundestag beschlossen hatte. Ein Haufen Geld, mit dem die Bundesrepublik die Investitionen im Land so richtig hätte befeuern können. Doch das Geld verkleckert sich über zehn Jahre und verschwindet zum Teil auch in anderen Posten des Bundeshaushalts. Ergebnis: Eine stagnierende Wirtschaft ohne Konjunkturimpulse. Und eine im Juli deutlich gestiegene Arbeitslosenzahl.
Da erstaunt es schon, wenn der Vorstand Regionen der Bundesagentur für Arbeit (BA), Daniel Terzenbach, am Freitag, 31. Juli, erklärte: „Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen vor allem aus jahreszeitlichen Gründen im Juli spürbar zu. Insgesamt setzt sich am Arbeitsmarkt die schwache Entwicklung der letzten Monate fort.“
Eine Einschätzung, die man in der Arbeitsagentur Leipzig so nicht teilt. Denn der Sprung in der Zahl der arbeitslos Gemeldeten ist so auch für den Leipziger Sommer untypisch. Er erzählt nämlich davon, dass viele Unternehmen ihre Einstellungen von jungen Leuten komplett eingestellt haben. Ihnen fehlen schlicht die verlässlichen Impulse aus der Politik – heißt: verlässliche oder gar steigende Investitionen.
Die völlig unüberlegte Entlassung von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder durch Kanzler Friedrich Merz zeigte nur zu deutlich, dass der Bundeskanzler das Problem nicht einmal verstanden hat. Geschweige denn, dass er fähig wäre, es zu lösen.
Ganz zu schweigen auch davon, dass er ein volles Jahr verplempert hat, ohne auch nur den geringsten Impuls für die stagnierende Wirtschaft zu setzen. Und bislang zeigte sich das eben vor allem in einer deutlichen Einstellungszurückhaltung bei den Unternehmen. Hinter den Leipziger Arbeitslosenzahlen stecken noch keine Entlassungswellen, sondern nur der Verzicht vieler Unternehmen auf die Einstellung junger Fachkräfte. Auf Dauer eine Katastrophe, denn damit geht den Leipziger Unternehmen das Personal für die Zukunft verloren.
Das Ergebnis für Juli: Die Arbeitslosigkeit ist im Bezirk der Agentur für Arbeit Leipzig im Juli 2026 gestiegen. 32.589 Menschen waren arbeitslos gemeldet, 1.267 Personen mehr als im Juni und 1.606 Personen bzw. 5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote betrug 9,1 Prozent und lag mit 0,3 Prozentpunkten über dem Vormonatsniveau. Vor einem Jahr lag sie bei 8,8 Prozent, meldet die Arbeitsagentur Leipzig.
Die Unternehmen halten sich zurück
Aber man sortiert diese Entwicklung eben nicht nur als Saisoneffekt ein: „Der Juli bringt traditionell viel Bewegung auf den Arbeitsmarkt – unter anderem durch das Ende von Ausbildungen und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Zahlen, dass die wirtschaftliche Zurückhaltung vieler Unternehmen am Leipziger Arbeitsmarkt weiterhin deutlich spürbar ist“, formuliert die Arbeitsagentur Leipzig das Problem – noch immer sehr zurückhaltend.
„Umso wichtiger ist jetzt der Blick nach vorn: Jugendliche, die bislang noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, sollten die verbleibenden Chancen jetzt nutzen und sich an unsere Berufsberatung wenden. Viele Betriebe suchen auch jetzt noch motivierte Nachwuchskräfte“, erklärte am Freitag Tina-Marie Reuter, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Leipzig.
Was auch stimmt: Einige Branchen suchen weiterhin gut ausgebildetes Personal. Sehr fachspezifisch oft. Man hat also beide Effekte zugleich: die Suche etlicher Unternehmen nach gutem Fachpersonal und die Einstellungszurückhaltung in einigen Branchen, die früher den Hauptteil der Berufsanfänger aufgenommen haben.
Das Ergebnis ist dann eben trotzdem die aufklaffende Lücke zwischen den sich aus Erwerbstätigkeit arbeitslos Meldenden und jenen, die sich aus der Arbeitslosigkeit in einen Job verabschieden konnten. Die Lücke entspricht in etwa dem Anwachsen der registrierten Arbeitslosigkeit im Juli.
Der Leipziger Arbeitsmarkt in Zahlen
Die Unterbeschäftigung lag nach vorläufigen Angaben im Juni bei 38.263 Personen. Sie sank gegenüber dem Vormonat Mai (-118 Personen bzw. -0,3 Prozent) und erhöhte sich verglichen mit Juni 2025 (1.510 Personen bzw. 4,1 Prozent). Zur Unterbeschäftigung zählen neben den Arbeitslosen solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie beispielsweise im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden.
Im vergangenen Monat meldeten sich insgesamt 7.637 Personen arbeitslos. Davon kamen 3.179 Personen direkt aus Erwerbstätigkeit. 6.373 Menschen beendeten ihre Arbeitslosigkeit, davon nahmen 2.224 eine Erwerbstätigkeit auf.
Im Rechtskreis SGB III (Agentur für Arbeit) lag die Arbeitslosigkeit bei 13.203 Personen (916 Personen mehr als im Vormonat und 922 Personen mehr als vor einem Jahr).
Im Rechtskreis SGB II (Jobcenter) waren 19.386 Arbeitslose registriert (351 Personen mehr als im Vormonat und 684 Personen mehr als im Vorjahr). Durch die Träger der Grundsicherung (Jobcenter) wurden 60 Prozent aller Arbeitslosen betreut.
In der Grundsicherung (Jobcenter) sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Vorjahresvergleich um 685 (entspricht -2 Prozent) auf insgesamt 30.426.
Hierbei wurden im Berichtsmonat insgesamt 38.268 erwerbsfähige Bürgergeldberechtigte betreut, das waren 911 Personen weniger (-2 Prozent) als vor einem Jahr.
Arbeitsstellen
Die Unternehmen suchen weiterhin Mitarbeitende: 1.058 Stellen wurden im Juli neu gemeldet (12 mehr als im Vormonat und 149 mehr als vor einem Jahr). Die meisten freien Stellen gibt es aktuell in den Branchen sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen, Baugewerbe, Gesundheits- und Sozialwesen, Handel Instandhaltung und Reparatur von Kfz, Verarbeitendes Gewerbe. Aktuell befanden sich damit 5.270 freie Stellen im Bestand der Arbeitsagentur.
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