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In der letzten Woche kam die Nachricht, dass das „Jobcenter vor Ort“ jetzt auch Sprechstunden im Objekt des Heizhauses, Alte Salzstraße 59, also direkt am S-Bahn-Haltepunkt Grünauer Allee anbietet. Ein guter Zeitpunkt sich dem Thema zu widmen meinten wir, auch wenn das Projekt des Jobcenters Leipzig nicht ganz neu ist, gibt es noch Menschen, die es nicht kennen.

Was ist das „Jobcenter vor Ort“, wie können die Mitarbeitenden dort helfen, welche Leistungen werden angeboten? Diese Fragen wollten wir stellen und trafen uns am 3. August mit Bärbel Hutschenreiter, der Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt beim Jobcenter Leipzig und Laurine Lutter, der Ansprechpartnerin beim Heizhaus, zu einem Gespräch.

Frau Hutschenreiter, Frau Lutter, schön, dass es kurzfristig geklappt hat. Was ist das „Jobcenter vor Ort“ und wie lange gibt es das schon?

B. Hutschenreiter: Wir haben das Projekt 2022, nach einer intensiven Planung, ins Leben gerufen. Wir wollten an unsere Kunden dort herantreten, wo sie sind. Oft merken wir, dass es eine Schwellenangst gibt zu uns ins Haus zu kommen und Fragen zu stellen. Manchmal beginnt diese schon an der eigenen Haustür. So haben wir angefangen, in vielen Stadtteilen in Leipzig die Quartiersarbeit anzubieten, wir gehen also in die Quartiere und beantworten alle Fragen rund um das Jobcenter.

Jobcenter vor Ort, Öffnungszeiten im Heizhaus. Foto: Thomas Köhler

Hier möchte ich gleich einhaken. Sie beantworten alle Fragen rund um das Jobcenter. Bedeutet das, die Menschen können kommen und Fragen stellen und können sich beraten lassen. Sie können aber bei ihnen keinen Antrag stellen?

B. Hutschenreiter: Wenn sie zum Beispiel schon Leistung bekommen und einen Bescheid bekommen oder vielleicht eine Einladung erhalten und irgendetwas nicht verstehen, dann schauen wir woran hapert es eventuell bei der Leistung, was fehlt oder was ist noch zu tun. Oder wenn sie eine Frage zu Bewerbungen oder zu Weiterbildung oder zu Beratung bei der Vermittlungsfachkraft haben, dann können Sie bei uns nachfragen.

Wir unterstützen auch beim Ausfüllen von Anträgen. Beispielsweise drucken unsere Netzwerkpartner, in diesem Falle wäre es das Heizhaus, einen Antrag aus und wir füllen den in der Sprechstunde gemeinsam mit dem Kunden aus. Wir können ihn aber nicht mit zum Jobcenter nehmen, also wir können nicht die Post entgegennehmen, das hat etwas mit Datenschutz zu tun. Der Antrag muss dann direkt vom Kunden, oder über den Netzwerkpartner zu uns geschickt werden.

L. Lutter: Die Berater*innen von Jobcenter vor Ort unterstützen die Menschen auch dabei sich einen Account beim Jobcenter anzulegen und die App zu installieren und einzurichten, damit sie die online-Angebote nutzen können. Wir können uns gut vorstellen, dass das ein sehr nützliches Angebot hier vor Ort ist.

Sie bieten also ein niedrigschwelliges Angebot an, besonders für Menschen die mit dem Ausfüllen von Anträgen überfordert sind, beziehungsweise auch nicht wissen, was sie überhaupt beantragen können. Seit wann sind Sie mit diesem Angebot hier in Grünau?

B. Hutschenreiter: Das konkrete Projekt hier ist neu, wir haben am 28. Juli die erste Beratung angeboten. Es gibt aber in Grünau weitere Angebote, beispielsweise im Stadtteilladen in der Stuttgarter Allee. Im MüZeL Familienzentrum in der Potschkaustraße, im Caritas Kinder-, Jugend- und Familienzentrum Grünau, in der Ringstraße, machen wir andere Veranstaltungen, beispielsweise zum beruflichen Wiedereinstieg. In verschiedenen Kitas beraten wir hauptsächlich zu Bildung und Teilhabe und zu allen anderen Leistungs- und Vermittlungsfragen.

Die Angebote vor Ort muss man natürlich erst einmal kennen. Wenn ich beispielsweise beim Jobcenter anrufe und nur eine Frage habe, werde ich dann über dieses Angebot informiert?

B. Hutschenreiter: Das hoffe ich sehr. Sie rufen ja bei unserem Servicecenter an, das schauen die Kollegen, was sie eventuell schon einfach anhand der E-Akte beantworten können. Dann ist die Sache erledigt, wenn es aber komplizierter wird gibt es die Möglichkeit online einen Termin zu vereinbaren. Dann werden die Kundinnen und Kunden erstmal angerufen und es wird versucht das am Telefon zu klären und wenn das nicht geht werden sie eingeladen. Es sollte auch eine Information über das Angebot vor Ort gegeben werden.

Wie erfahren die Menschen in Grünau von Ihrem Angebot?

B. Hutschenreiter: Hauptsächlich sind wir auf die Werbung durch unsere Netzwerkpartner, auf die Mund-zu-Mund-Propaganda und die persönliche Ansprache angewiesen.

L. Lutter: Als Heizhaus laden wir unsere Besucher*innen, die Teilnehmenden unserer Projekte und die Menschen in unserer Nachbarschaft aktiv dazu ein, zu den Sprechzeiten von Jobcenter vor Ort bei uns im Haus zu kommen. Die Termine werden an Netzwerkpartner im Quartier weitergeleitet, Werbung wird öffentlich sichtbar ausgestellt und Flyer werden in der Nachbarschaft verteilt. Das „Nebenan“ und der Caritasladen sind informiert und vermitteln gern weiter. Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen vom Jobcenter hier in Grünau-Ost und hoffen, dass unsere Nachbarschaft von diesem Angebot profitiert.

Die Beratungen finden auf Deutsch statt. Wir sind bemüht, bei Bedarf Übersetzer*innen aus den Quartieren hinzuzuziehen und freuen uns dabei über die Unterstützung der sozialen Akteur*innen vor Ort.

Ich frage das ja nicht ohne Grund. Wenn niemand von dem Angebot erfährt, sitzen Sie eventuell zu den ersten Terminen ohne Kunden da und das Projekt wird dann wieder eingestellt. Das wäre zumindest zu befürchten. Wie sind die Erfahrungen an anderen Standorten in Leipzig?

B. Hutschenreiter: Wir sind wie gesagt an relativ vielen Standorten und es wird sehr unterschiedlich angenommen. Wenn ich mir zum Beispiel das Caritas-Beratungszentrum in der Ruth-Pfau-Straße anschaue, da sind viele Beraterinnen und Berater dort. Dort haben wir von 14 bis 17 Uhr Sprechzeit und wir sind selten vor 18 Uhr raus, weil es wirklich hintereinander weg geht. Oder im Männer- und Familientreff Leipzig, in der Eisenbahnstraße, da gibt es immer so viele Fragen und so viele Menschen, die kommen. Es gibt aber auch Angebote, bei denen man sagen könnte: Dann müssen wir es eben bleiben lassen, wenn niemand kommt.

Grünau ist ein großes Gebiet, es gibt eine hohe Anzahl von Arbeitssuchenden umso wichtiger sind solche niedrigschwelligen Angebote. Wie oft sind Sie vor Ort?

B. Hutschenreiter: Wir sind einmal im Monat hier im Heizhaus und einmal im Stadtteilladen beim Quartiersmanagement. Bei Beratungsgesprächen die das Quartiersmanagement macht, weisen die Mitarbeitenden auch auf unsere Termine hin. Wir werden dann auch darüber informiert wie viele Menschen eventuell kommen.

L. Lutter: Unser Wunsch wäre es, dass sich Personen, die zu den Sprechzeiten kommen möchten, vorher bei uns telefonisch anmelden. So lassen sich lange Wartezeiten vermeiden (Anmeldung unter: 0155 63 66 97 56). Das ist aber kein Muss. Es ist auch möglich, am Beratungstag zwischen 14 und 17 Uhr ohne Anmeldung vorbeizukommen.

Jobcenter vor Ort, Laurine Lutter und Bärbel Hutschenreiter im Besprechungsraum. Foto: Thomas Köhler

Zum Schluss noch die Frage an Laurine Lutter, wie ist die Zusammenarbeit zwischen dem Heizhaus und dem Jobcenter zustande gekommen?

L. Lutter: Ich habe Frau Hutschenreiter angeschrieben. Im Projekt Future Spaces geben wir Berufsorientierung für junge Menschen in Grünau und in den Berufsberatungen habe ich bemerkt, dass bei den jungen Leuten relativ oft Fragen zum Thema Jobcenter aufkommen. Da habe ich mir gedacht, wir müssten uns die Expertise ins Haus holen, damit wir die Fragen wirklich sicher und solide beantworten können. Über Frau Hutschenreiter habe ich dann von den Angeboten von Jobcenter vor Ort erfahren und sie und ihre Kolleg*innen kurzerhand zu uns eingeladen. Unsere gemeinsamen monatlichen Beratungstermine stehen bereits bis zum Ende des Jahres fest. Das Angebot von Jobcenter vor Ort am HEIZHAUS ist offen für alle Kund*innen des Jobcenters. Angebote wie dieses brauchen neben engagierten Kolleg*innen eben auch Orte ohne Zugangsbeschränkungen und überhaupt freie Räumlichkeiten. Sowas haben wir aktuell hier in der Alten Salzstraße 59.

B. Hutschenreiter: Es gibt auch, das ist wichtig, einen separaten Raum in dem man vertrauliche Gespräche führen kann.

Ich denke, wir haben das Wichtigste besprochen, die Termine in diesem Objekt für 2026 sind im Bild zu sehen. Alle anderen Termine des „Jobcenter vor Ort“ findet man auf der Webseite. Frau Hutschenreiter und Frau Lutter, ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche viel Erfolg.

Eine Anmerkung noch im HEIZHAUS gibt es aktuell neue Projekte:

  • Beratung zu Schulabsentismus, Schulverweigerung und Schulangst (1x im Monat)
  • Sozialberatung und Jobvermittlung mit der DAA (2x pro Woche)
  • Umzug der Werkstatt in die Alte Post (ab September)
  • Nachbarschaftsfest (Alte Salzstraße) am 28.08. am Nachmittag

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