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Vor einigen Tagen sah es für Unbeteiligte aus, als würde es noch länger dauern bis die LEMO in die „Alte Post“ in der Stuttgarter Allee einziehen kann. Stapel von Baumaterial lagen sowohl vor dem Objekt als auch auf den Gerüsten und es wurde fleißig gearbeitet. Das änderte sich aber schnell. Am 9. September war am Giebel der zur Breisgauer Straße zeigt schon zu sehen, wer dort einzieht.

Blick auf die LEMO von der Breisgaustraße. Foto: Thomas Köhler

Am 11. September war es so weit, die feierliche Eröffnung fand, mit Vertretern aus Politik, des Vereins „Leipziger Modell – Lebens- und Bildungsraum e.V.“, des Bauträgers, von Förderpartnern, der Schule selbst und selbstverständlich den Schülerinnen und Schülern statt. Wir haben uns umgesehen und umgehört.

Schulleiterin Kristin Narr bei der Eröffnung. Foto: Thomas Köhler

Die Eröffnung begann erwartbar mit Reden, nach einer kurzen Einführung durch die Schulleiterin Kristin Narr übernahm Uwe Schmidt, Abteilungsleiter Schule beim Landesamt für Schule und Bildung am Standort Leipzig, der für Minister Conrad Clemens eingesprungen war, das Mikrofon. Uwe Schmidt bezeichnete in seiner Rede die LEMO als „Innovationstreiber in der sächsischen Schullandschaft“ und hob ausdrücklich die selbstgesteuerte Lernzeit, projektorientiertes Lernen und andere Lernformen des LEMO-Konzepts hervor.

Im Interview sagte Uwe Schmidt, gefragt nach dem PISA-Schock und ob die LEMO dem staatlichen Bildungssektor etwas geben kann, unter anderem: „Die freien Träger sind keine Konkurrenz zum öffentlichen Dienst, sondern sie bereichern sozusagen die Schullandschaft, darüber sind wir auch sehr dankbar. Gerade diese Modellschule probiert neue Unterrichtsmethoden aus und da haben sich aber jetzt auch die staatlichen Schulen auf den Weg gemacht, mit dem Bildungsstand 2030.“

Uwe Schmidt, Vicki Felthaus und Patrik Fahrenkamp im Gespräch. Foto: Thomas Köhler

Die Leipziger Bürgermeisterin für Jugend, Schule und Demokratie, Vicki Felthaus, ging auf den PISA-Schock ein und betonte, dass die Gemeinschaftsschule LEMO die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler entwickelt, die im 21. Jahrhundert gebraucht werden.

Im Interview sagte Frau Felthaus: „Ich kann nur sagen, wir brauchen mehr solcher Konzepte, wo wir sagen: Wir trauen uns auch mal was zu. Und hier im Gebäude kann man ja auch sehen, hier ist nicht Klassenraum an Klassenraum, sondern in den Räumen bildet sich ja ab, wie hier gelernt wird, mit ganz unterschiedlichen Methoden. Und, ja, die jungen Leute, die sind ja auch schön am selbstständig lernen, das ist total beeindruckend.“

Patrik Fahrenkamp, Vorstand der Leipziger Stadtbau AG, folgte mit seinem Grußwort. Die Stadtbau AG ist Eigentümerin des Grundstücks und des Gebäudes, sowie Bauherrin für den Umbau. Wir haben Herrn Fahrenkamp um ein Interview gebeten. In diesem bestätigte uns Patrik Fahrenkamp, dass die Stadtbau AG dieses Objekt weiter halten will: „Dabei investieren wir unser eigenes Geld und wir wollen die Immobilien auch nicht verkaufen, sondern wir wollen hier ganz langfristig dafür zuständig sein, dass dieses Gebäude in einem guten Zustand bleibt und die Schülerinnen und Schüler und die Lehrerinnen und Lehrer hier viel Spaß haben können.“

⁠Hannes Koefer und Patrik Fahrenkamp (Stadtbau AG), Uwe Schmidt (LaSuB), Kristin Narr (LEMO), Vicki Felthaus (Stadt Leipzig), Jan Frank und Gerlind Große (LEMO Leipziger Modell gGmbH) ⁠⁠Andreas Rebmann (Software AG Stiftung). Foto: Thomas Köhler

Frau Prof. Dr. Gerlind Große, Geschäftsführerin der LEMO Leipziger Modell gGmbH, stellte in ihrer Ansprache, neben Dank und Anerkennung für alle beteiligten Menschen auch eine Analogie zwischen der ehemaligen Nutzung des Gebäudes als Post und der neuen her. „Eine Post ist traditionell ein Ort des Sortierens, nach Orten, Größen, Formaten, Zuständigkeiten. An dieser Stelle muss eine Schule etwas anderes tun. Sie darf Kinder und Jugendliche nicht sortieren in schnell oder langsam, einfach oder schwierig, leistungsfähig und belastbar. Wir weigern uns aus Unterschieden eine Rangordnung von menschlichen Werten zu machen.“

Wir haben auch Gerlind Große um ein kurzes Interview gebeten, unter anderem fragten wir sie wie es ist, nach den Jahren im Allee-Center endlich das eigene Objekt zu beziehen.

Im Lernbüro Blauwal. Foto: Thomas Köhler

Der Rundgang durch die fertigen Etagen, bei dem wir von Schülerinnen und Schülern geführt wurden, zeigte die unterschiedlichsten Gestaltungen von Lernwelten. Vom Marktplatz über Rückzugsräume, falls mal Ruhe zum Arbeiten gebraucht wird, über Feedbackräume bis hin zu den „Klassenzimmern“, die vollkommen anders gestaltet sind. Den Ausdruck benutzen wir hier nur, um grob auf eine Funktion hinzuweisen.

Vicki Felthaus lässt sich den Schulalltag erklären. Foto: Thomas Köhler

Auch die Aufteilung der Schülerinnen und Schüler folgt nicht dem klassischen System nach Alter, also in 12 Klassenstufen. Es gibt 5 Stammgruppen, die in etwa den Klassen 1-3, 4-6 und so weiter entsprechen. Als Gemeinschaftsschule hat die LEMO auch keine Trennung nach der 4. Klasse für den Hauptschul- oder Gymnasialzweig, welchen Weg die Schülerinnen und Schüler gehen entscheidet sich, wenn es so weit ist. Möglich sind Haupt- und Realschulabschluss, ab diesem Schuljahr auch das Abitur.

Wir fragten dazu Schulleiterin Kristin Narr, die gern Auskunft gab und das noch einmal zusammenfasste.

Die Schülerinnen und Schüler, die wir trafen, waren auch auskunftsfreudig. So berichtete beispielsweise ein Jugendlicher, dass er ab der fünften Klasse an einem Gymnasium war, das abbrach und auf eine Oberschule wechselte. Jetzt ist er an der LEMO und will doch sein Abitur machen. Das hört man doch gern.

Auf dem Marktplatz geben Schülerinnen ein Interview. Foto: Thomas Köhler

Auf Nachfrage erzählten uns die Jugendlichen auch, dass es eine Ausgewogenheit zwischen digitalem und analogen Unterricht gibt. Es werden sowohl die analogen als auch die digitalen Kenntnisse und Fähigkeiten bewertet. Wöchentliche individuelle Feedbackgespräche geben den Schülerinnen, Schülern und Lernbegleitern Orientierung.

Der LEMO-Kompass. Foto: Thomas Köhler

Die LEMO ist mit 240 Schülerinnen und Schülern in das neue Gebäude gezogen, in den nächsten Jahren sollen es bis zu 400 werden.

Was soll man noch schreiben? Es ist ein tolles Projekt, das finden nicht nur wir so. Alle weiteren Informationen, wie zum Schulgeld und anderen Themen finden sich gut gegliedert auf der Webseite. Es bleibt nur übrig der LEMO, dem Team und besonders den Kindern und Jugendlichen viel Erfolg zu wünschen.

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