Am Mittwoch, 16. September, gab es die große Ausschusssitzung, auf der Oberbürgermeister Burkhard Jung seinen Kompromissvorschlag zum Capa-Wäldchen und zum Kleinmessegelände vorstellte. Zu groß war der Protest aus der Stadtgesellschaft gegen die Verkaufspläne für das Wäldchen an der Capastraße und dessen mögliche Rodung. Aber was Jung vorstellte, war eben auch nur ein Kompromiss. Über den sich die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Leipziger Stadtrat zumindest erleichtert zeigte. Für den Leipziger Ökolöwen ist der Kompromiss immer noch hochproblematisch.
„Capi bleibt! Der Protest von Umweltverbänden hat Wirkung gezeigt – wir sind so froh, dass es in dieser Stadt keine Mehrheit für die ursprünglich absurden Pläne gibt und der OBM seine Pläne nachjustieren musste“, erinnert Nicole Schreyer-Krieg, Stadträtin und umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, daran, dass es der Protest der Stadtgesellschaft war, der die Verwaltung nun zum Einlenken brachte.
„An der ein oder anderen Stelle hat es ja doch etwas Überzeugungsarbeit gefordert, von den ursprünglich zustimmenden Positionen zur Rodung abzurücken. Die vielen Protestmails und Proteste haben bei den anderen Parteien dann doch gefruchtet. Das zeigt, wie wichtig das zivilgesellschaftliche Engagement ist, um politische Fehlentwicklungen zu korrigieren!“
Kleinmesse auf die Festwiese?
Etwas erstaunt über den nun vorgelegten Kompromiss zeigte sich Tobias Peter, Fraktionsvorsitzender der Grünen: „Es ist eine überraschende Wende – zum Guten! Der vollständige Erhalt des Waldes hatte für uns von Beginn an die oberste Priorität in der Gemengelage. Bezüglich des Vorschlags, die Kleinmesse auf die Festwiese zu verlegen, gibt es noch viele Fragezeichen. Wie kann die notwendige Befestigung für Fahrgeschäfte mit den Anforderungen an ein Gartendenkmal vereinbart werden? Wie kann Lärmschutz für die nahegelegene Wohnbebauung gesichert werden? Hier braucht es pragmatische Lösungen.“
Mit dem neuen präferierten Vorschlag soll der Festplatz und jetzige Standort der Kleinmesse perspektivisch zu Trainingsflächen für RB werden. Ein Punkt, mit dem auch Nicole Schreyer-Krieg ihre Bauchschmerzen hat:
„Eine echte Stärkung des Grünverbunds am Cottaweg, der Schmalstelle des Auwalds, erreichen wir damit nicht. Eigentlich wäre in unseren Augen dort der Natur mehr Raum zu geben, wie es auch das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (INSEK) vorsieht. Insofern sind wir zwar wirklich erleichtert, dass die Rodung des Capa-Waldes vom Tisch zu sein scheint, sehen aber auch die Chancen schwinden, an der Stelle den Biotopverbund nachhaltig zu stärken.“
Tobias Peter fordert nun auch RB Leipzig auf, bei den Planungen aktiv den Erhalt und die Stärkung des Biotopverbunds zu berücksichtigen: „RB sollte intensiv über flächensparendes Bauen durch teilweise Stapelung von notwendiger Infrastruktur und Trainingsplätzen nachdenken. Union Berlin zeigt mit seinem neuen Trainingszentrum, wie es geht. Auch die Untertunnelung von Zuwegungen kann Brücken für den Biotopverbund schaffen.“
Und wie sieht die Stadt den Kompromiss?
Demnach könnte die Kleinmesse mittelfristig auf der Festwiese ihr Zuhause finden, Eingriffe in das Capa-Wäldchen wären nicht notwendig. Die geplante Erweiterung der Trainingskapazitäten von RB Leipzig könnte auf dem bisherigen Gelände der Kleinmesse umgesetzt werden.
Das neue Areal mit einer Gesamtgröße von rund 4 ha hätte mehrere Vorteile, wie beispielsweise die sehr zentrale Lage, die Anbindung an den ÖPNV und die möglichen Synergien zu Stadion und Arena. In der jetzt anstehenden Prüfung müssen freilich noch Fragen des Denkmal- und Lärmschutzes ebenso geprüft werden, wie mögliche Kosten für die Ertüchtigung der Festwiese für die Fahrgeschäfte. Denn ganz billig wird die Umrüstung der Festwiese bestimmt nicht.
Die Festwiese wurde Ende der 1930er Jahre angelegt. Beim Bau des alten Zentralstadions in den 1950er Jahren erhielt sie ihren quadratischen Grundriss. Heute dient sie als Standort für Open-Air-Konzerte und Veranstaltungen. Nach Abschluss der Abwägungen und Gespräche mit den beteiligten Partnern will die Stadtverwaltung dann die Planung dem Stadtrat zur Entscheidung vorlegen.
Wird der Wald trotzdem beschnitten?
Noch deutlich kritischer sieht der Ökolöwe auf den nun vorgelegten Kompromissvorschlag. Denn damit halte die Stadt Leipzig ja trotzdem an ihren Plänen fest, für die Erweiterung des RB-Trainingszentrums Waldflächen an der Capastraße zu opfern. Das sei auch am 16. September auf der gemeinsamen Sitzung der Stadtratsausschüsse deutlich geworden, in der die Stadt zwei neue Varianten für die Erweiterung auf der Westseite des Elsterbeckens vorstellte. Beide sehen vor, dass neben der Fläche der Kleinmesse auch Waldflächen verkauft werden.
Besonders kritisch ist aus Sicht des Ökolöwe e. V., dass die Stadt den Eindruck vermitteln will, in einer Variante würde 100 Prozent Wald erhalten. Doch auch in dieser Variante plant die Stadt, einen Waldstreifen an der Nordseite des Plangebiets zu verkaufen. Auch diese Fläche gehört zu den Kernflächen im Verbundsystem Wald des städtischen Biotopverbundkonzepts.
„Wen will die Stadt täuschen? Nur 100 Prozent Walderhalt sind 100 Prozent Walderhalt. Ein Biotopverbund funktioniert nur als zusammenhängendes System. Jeder Flächenverlust schwächt diese Verbindung. Deshalb darf es westlich vom Cottaweg keinen Zentimeter Waldverlust geben. Dieser Wald ist nicht verhandelbar“, sagt Božena Nawka, umweltpolitische Sprecherin des Ökolöwe e. V.
Der Ökolöwe e. V. verweist darauf, dass bereits zahlreiche Leipzigerinnen und Leipziger bei der Demonstration im Juni sowie durch hunderte Protestmails an Stadtrat und Verwaltung deutlich gemacht haben, wie wichtig der Erhalt des Waldes für Natur, Klima und Lebensqualität in Leipzig ist. Der Verein fordert die Stadt Leipzig auf, den Wald westlich des Cottawegs einschließlich seiner Funktion für den Biotopverbund dauerhaft zu sichern. Und zwar in Gänze.
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