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Eigentlich ist sie seit dem 26. März schon geschlossen. Doch nun öffnet die Umweltbibliothek Leipzig noch einmal für drei Monate, um Ende des Jahres endgültig die Lichter auszumachen. Leipzigerinnen und Leipziger können das kostenfreie Angebot bis zum Jahresende dienstags bis donnerstags von 12:00 bis 17:00 Uhr nutzen. Danach muss der Ökolöwe e.V. die Umweltbibliothek schließen.

„Wir freuen uns, dass die Umweltbibliothek noch einmal öffnen kann. Gleichzeitig ist es bitter, dass wir heute schon wissen: Ende des Jahres müssen wir die Türen endgültig schließen“, sagt Nico Singer, Geschäftsführer des Ökolöwe e.V.

„Sechs Jahre lang haben wir das Angebot trotz halbierter Förderung im Notbetrieb aufrechterhalten. Jetzt sind unsere finanziellen und personellen Möglichkeiten ausgeschöpft.“

Ein wichtiger Teil der Friedlichen Revolution

Seit knapp 40 Jahren ist die Umweltbibliothek eine feste Adresse für Umweltbildung in Leipzig. Der Leipziger Stadtrat hatte ihre Förderung im Jahr 2020 halbiert. Seitdem hält der Verein das Angebot mit deutlich weniger Personal und finanziellen Mitteln aufrecht.

Tatsächlich reicht die Geschichte der Umweltbibliothek bis ins vorrevolutionäre Jahr 1988 zurück, als sie von der AG Umweltschutz beim Jugendpfarramt Leipzig gegründet wurde. Sie steht exemplarisch für den starken Anteil der Umweltbewegung im Umfeld der Bürgerbewegung und der Friedlichen Revolution in Leipzig, die sich nun einmal auch gegen die Umweltzerstörung rings um das völlig verrußte und vom Kohlebergbau bedrohte Leipzig richtete. Auch dagegen demonstrierten die Leipziger 1989: Schluss mit dieser rücksichtslosen Umweltzerstörung.

In der Folge wurde dann ja auch der Leipziger Ökolöwe gegründet, der aus diesem Teil der Bürgerbewegung hervorging. Er übernahm die Umweltbibliothek und nahm sie mit ins Haus der Demokratie, wo beide seit 1990 zu finden sind.

Eine Kürzung mit Folgen

Umso herber war dann die Zustimmung des Stadtrates 2020 dazu, der Umweltbibliothek die Fördergelder zu halbieren. Ein Vorgang, der seither durch Spenden notdürftig aufgefangen wurde. Aber jetzt ist die Puste raus. Der Ökolöwe muss die Schließung dieser einmaligen Bibliothek ins Auge fassen.

„Gemeinnützige Arbeit braucht eine verlässliche Finanzierung. Wir können fehlende öffentliche Förderung nicht dauerhaft durch Spenden auffangen“, sagt Nico Singer. „Die Umweltbibliothek zeigt, was passiert, wenn Förderung über Jahre nicht ausreicht: Ein Angebot kann nicht mehr weiterentwickelt werden und muss am Ende schließen.”

Weitere Einschnitte drohen

Mit Sorge blickt der Ökolöwe e.V. inzwischen auch auf den Entwurf des Leipziger Doppelhaushalts 2027/2028. Denn darin sind nun weitere Kürzungen von rund 600.000 Euro bei Natur- und Umweltschutzprojekten vorgesehen. Die Stadt muss drastisch sparen. Und da Umweltengagement aus Sicht bundesdeutscher Politik eine „freiwillige Aufgabe“ ist, droht das jetzt auch noch den Leipziger Umweltverbänden die finanzielle Basis zu zerstören. So wird durch die Hintertür die klima- und umweltfeindliche Politik der Bundesregierung auch in den Kommunen durchgesetzt.

„Leipzig braucht engagierte Umweltarbeit. Gerade jetzt, wo Klimakrise und Artensterben immer spürbarer werden, darf der Stadtrat nicht bei Natur- und Umweltschutzprojekten kürzen. Sonst werden Angebote verschwinden, die Leipzig dringend braucht“, mahnt Singer.

Der Ökolöwe e.V. lädt nun alle Leipzigerinnen und Leipziger ein, die Umweltbibliothek in den verbleibenden Monaten noch einmal zu besuchen und das kostenfreie Angebot zu nutzen. Mehr als 7.000 Medien rund um Umwelt und Nachhaltigkeit stehen zur Ausleihe bereit – von Romanen, Sach- und Fachliteratur und Ratgebern bis hin zu Spielen und Hörgeschichten.

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