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Die Diskussion um eine Schiffseisenbahn zwischen Cospudener und Zwenkauer See bekommt eine weitere Facette: Während der Grüne Ring Leipzig das rund 93 Millionen Euro teure Vorhaben als möglichen Baustein der touristischen Entwicklung des Leipziger Neuseenlands weiterverfolgt, erklären alle maßgeblichen Naturschutzverbände der Region übereinstimmend, dass sie an den bisherigen Planungen nicht beteiligt waren.

Dabei geht es keineswegs nur um Infrastruktur. Die Machbarkeitsstudie rechnet mit rund 400.000 zusätzlichen Besuchern jährlich. Und hier führen neben den infrastrukturellen Erfordernissen eben auch die Besucherströme selbst zu Belastungen in den Naturräumen – die Studie rechnet an Spitzentagen mit bis zu 10.000 Besuchern.

Gleichzeitig verschiebt die Machbarkeitsstudie wesentliche Fragen des Arten- und Naturschutzes ausdrücklich in spätere Genehmigungsverfahren. Gerade im Bereich der naturschutzrechtlich sensiblen Südspitze des Cospudener Sees werden Konflikte bereits heute erwartet. Die Leipziger Zeitung fragte deshalb bei NABU, BUND, Ökolöwe und Grüner Liga nach, ob sie das Projekt bereits fachlich begleiten oder in die Planungen eingebunden wurden.

BUND, Grüne Liga und NuKLA: keine Beteiligung und aktuell noch andere Prioritäten

Beim BUND fiel die Einschätzung knapp, aber eindeutig aus: „Wir würden mit dem Geld und dort ganz andere Dinge tun“, schrieb Heiko Rudolf, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Auwald & Wasser. Auch im anschließenden Gespräch ergab sich kein Hinweis auf eine Beteiligung an den bisherigen Planungen der Schiffseisenbahn. Er und der BUND arbeiten seit Jahren an Konzepten zur Revitalisierung des Leipziger Auwalds. Derzeit beschäftige man sich intensiv mit den geplanten Eingriffen, insbesondere den umstrittenen Rodungsplänen für ein zentrales Verbindungsstück zwischen dem nördlichen und südlichen Leipziger Auwald.

Auch Wolfgang Stoiber, Vorstand der Grünen Liga und des NuKLA e.V. erklärte, weder in Planungen eingebunden gewesen zu sein, noch Stellungnahmen abgegeben zu haben. Vielmehr verweist er auf die seit Jahren öffentlich dokumentierte Kritik an der touristischen Erschließung des Leipziger Neuseenlands und auf mehrere Positionspapiere gegen die Fortschreibung des Wassertouristischen Nutzungskonzepts (WTNK). Zu den aktuellen Schwerpunkten des NuKLA gehören ebenfalls Schäden im Leipziger Auwald. Diese entstehen nach Auffassung des Vereins auch durch forstwirtschaftliche Arbeiten.

So soll die Vorzugsvariante der Schiffseisenbah zwischen Zwenkauer und Cospudener See aussehen. Visualisierung: ICL Ingenieur Consult GmbH
So soll die Vorzugsvariante der Schiffseisenbahn zwischen Zwenkauer und Cospudener See aussehen. Visualisierung: ICL Ingenieur Consult GmbH

Ökolöwe: „Wenn es laufende Diskussionen gibt, dann nicht mit uns“

Ebenfalls eindeutig antwortet die Leipziger Umweltorganisation. Auf die Frage, ob der Verein konkret mit dem Grünen Ring zur Schiffseisenbahn in Kontakt stehe, antwortete Sprecherin Bozena Nawka: „Wenn es ‚laufende Diskussionen‘ gibt, dann nicht mit uns Ökolöwen. Eine Gelegenheit, fachlichen Input zu geben, bestand ebenfalls noch nicht.“

Auch dort gab man zu verstehen, dass die Umweltverbände gerade mit einer Vielzahl komplexer Vorhaben konfrontiert seien. Umso wichtiger sei es, sich die Aufgaben gut aufzuteilen und die verfügbaren Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Zivilgesellschaftliches Engagement sei sehr wichtig und willkommen. Die Überlegungen zur Schiffseisenbahn habe man weiterhin im Blick.

NABU: „Der NABU war in die Planungen bzw. die Machbarkeitsstudie nicht eingebunden.“

Am deutlichsten formuliert es der Vorsitzende des NABU-Regionalverbandes Leipzig, Dirk Sievert: „Der NABU war in die Planungen bzw. die Machbarkeitsstudie nicht eingebunden. Uns waren die Pläne bis zu Ihrer Anfrage nicht bekannt, deshalb haben wir uns dazu auch noch nicht fachlich geäußert.“

Sollte ein reguläres Genehmigungsverfahren beginnen, werde sich der Verband selbstverständlich beteiligen. Große Hoffnungen verbindet der NABU damit allerdings nicht. „Bedauerlicherweise sind naturschutzrechtliche Konflikte i. d. R. kein Grund, dass ein Planvorhaben nicht trotzdem realisiert werden kann. Wir erleben das permanent. Flächennutzungs- und Raumordnungspläne lassen sich ändern – i. d. R. wird das zum Nachteil des Naturschutzes auch praktiziert. Entscheidend ist der politische Wille, entweder zum Erhalt intakter Natur oder eben nicht.“

Noch grundsätzlicher fällt die Kritik an der touristischen Entwicklung des Leipziger Neuseenlands aus: „Besorgniserregend sind in der Tat vor allem immer neue Tourismuspläne für das Neuseenland. […] Im Neuseenland darf es nach unserer Auffassung nur um naturverträgliche Naherholung gehen, nicht um Tourismus. Versprochen war die Renaturierung der Bergbaufolgelandschaft, nicht eine kommerzielle Umnutzung der Landschaft.“

Der NABU bestätigt zwar den regelmäßigen Austausch mit dem Grünen Ring, grenzt diesen aber deutlich vom konkreten Projekt ab. „Freilich haben wir Kontakte zum Grünen Ring und tatsächlich laufen in diesem Sinne auch Diskussionen, aber es ging bisher nicht konkret um das Projekt einer Schiffseisenbahn.“

Grüner Ring verweist auf interne Diskussionen

Mit den übereinstimmenden Rückmeldungen der Naturschutzverbände konfrontiert, fragte die Leipziger Zeitung beim Grünen Ring nach, mit welchen Verbänden sich die im ersten Austausch erwähnten „laufenden Diskussionen“ konkret auf die Schiffseisenbahn bezögen.

Die Geschäftsstelle präzisierte daraufhin: „Mit der Aussage ‚Da laufen natürlich Diskussionen.‘ war gemeint, dass das Thema Naturschutz und Umweltverträglichkeit intern in den Planungen bereits diskutiert wurde und wird.“

Zu Gesprächen mit Naturschutzverbänden machte die Geschäftsstelle zunächst keine weiteren Angaben. Die Anfrage werde an das Amt für Stadtgrün und Gewässer der Stadt Leipzig weitergeleitet, dort begleite man das Projekt von Anbeginn.

Ein alter Konflikt

Ganz neu ist diese Entwicklung nicht. Bereits 2019 verließen NABU, BUND, Ökolöwe und weitere Akteure den Runden Tisch zur Fortschreibung des Wassertouristischen Nutzungskonzepts (WTNK). Zuvor war bereits die Grüne Liga ausgestiegen. Die Umweltverbände begründeten ihren Rückzug damals mit grundlegenden Differenzen über die Ausrichtung der Entwicklung im Leipziger Neuseenland. Aus ihrer Sicht dominierten touristische Ausbauinteressen, während ökologische Belange zunehmend in den Hintergrund gerieten.

Die aktuellen Rückmeldungen knüpfen an die bereits 2019 formulierte Kritik der Umweltverbände an.

Gerade dieser Punkt wirft Fragen auf. Denn die Machbarkeitsstudie der Schiffseisenbahn benennt selbst zahlreiche naturschutzfachliche Unsicherheiten. Aussagen zu Artenschutz, FFH-Verträglichkeit oder konkreten Ausgleichsmaßnahmen werden weitgehend in spätere Genehmigungsverfahren verschoben.

Die Reihenfolge ist dabei bemerkenswert: Zunächst wurde die Machbarkeit eines touristischen Großprojekts untersucht. Die naturschutzfachliche Bewertung soll dagegen erst im weiteren Genehmigungsverfahren erfolgen. Gleichzeitig erklären die maßgeblichen Naturschutzverbände der Region übereinstimmend, an der Machbarkeitsstudie nicht beteiligt gewesen zu sein und von dem Projekt teilweise erst durch die Recherche der Leipziger Zeitung erfahren zu haben.

Wie daraus am Ende tatsächlich ein genehmigungsfähiges und weithin akzeptiertes Projekt werden soll, erscheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklar.

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