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Die ungemütliche Jahreszeit ist nachweislich zu Ende. Viele Tiere im Zoo Leipzig nutzten die Monate, in denen man sich am liebsten irgendwo ins Warme verkuschelt und haben dem Tiergarten einen ganzen Schwung kleiner „Junikäfer“ beschert! Nicht alle sind schon zu sehen, aber bei schönem Wetter wächst es sich bekanntlich besonders schnell.
Mette im Kinderglück
Beginnen wir mit der kleinsten Hirschart der Welt. Die Leipziger Südpudus (nicht mit einer inzwischen in Rente gegangenen Rockband verwechseln!) haben erstmals Nachwuchs bekommen. Mama Mette (3) brachte ein weibliches Jungtier zur Welt. Nach Angaben des Zoos entwickelt sich das Kleine gut, wiegt inzwischen 1,13 Kilogramm und macht einen stabilen Eindruck. Der Zuchterfolg ist das Ergebnis intensiver Bemühungen des Tierpflegerteams und sorgt für große Freude bei den Verantwortlichen.
Mette und Zuchtmann Benjamin (3) leben seit 2024 in Leipzig. Gemeinsam mit den Capybaras und Großen Maras bewohnen sie die Pantanalanlage im Themenbereich Südamerika. Langfristig sollen die Tiere eine Anlage im künftigen Feuerland beziehen. Für Besucher sind Mette und ihre Tochter derzeit noch nicht zu sehen. Die Südpudus gelten als die kleinste Hirschart der Welt und sind in den gemäßigten Regenwäldern Chiles und Argentiniens heimisch.
Da die Art von der Weltnaturschutzunion IUCN als potenziell gefährdet eingestuft wird und unter anderem durch Lebensraumverlust unter Druck gerät, besitzt jeder erfolgreiche Nachwuchs in zoologischen Einrichtungen besondere Bedeutung. Er trägt dazu bei, den Bestand der Art im Rahmen koordinierter Erhaltungszuchtprogramme langfristig zu sichern.
Hannibal muss alles alleine machen
Ebenfalls auf der Südamerika-Anlage stolziert derzeit Hahn Hannibal (8) mit seinen Kindern über die Wiese. Dem Darwinnandu-Männchen weichen die flinken Küken dabei kaum von der Seite. Bei den Darwinnandus (Rhea pennata) übernimmt ausschließlich das Männchen die Brutpflege. Der Hahn bebrütet die Eier, kümmert sich allein um die Aufzucht – ein für südamerikanische Laufvogelarten typisches Verhalten.
Darwinnandus leben in den offenen Steppen, Grasländern und Buschlandschaften Patagoniens sowie in Teilen Argentiniens, Chiles und Perus. Die Tiere ernähren sich überwiegend von Gräsern, Kräutern, Blättern, Samen und Früchten, haben aber auch Insekten und andere kleine Wirbellose auf der Speisekarte. Wie auch die Pudus wird diese Art von der Weltnaturschutzunion IUCN als potenziell gefährdet eingestuft. Ursachen dafür sind vor allem Lebensraumverluste, Bejagung und Störungen in den Brutgebieten.
In freier Wildbahn erreichen Darwinnandus meist ein Alter von etwa zehn bis 15 Jahren, während sie in zoologischen Einrichtungen unter guten Haltungsbedingungen 20 Jahre oder älter werden können. Die erfolgreiche Aufzucht der Küken gilt deshalb auch als wichtiger Beitrag zum langfristigen Erhalt dieser Vogelart.
Sipiwes Sohn macht ’nen langen Hals
Wir wechseln den Kontinent und freuen uns bei den Rothschildgiraffen in der afrikanischen Kiwara-Savanne mit Giraffenkuh Sipiwe (8). Sie brachte in der Nacht zum Dienstag ein männliches Kalb zur Welt. Als die Tierpflegerinnen und Tierpfleger ihren Dienst antraten, fanden sie das Jungtier bereits trocken geleckt neben seiner Mutter in dem eigens für die Geburt vorbereiteten Stall vor.
„Besser kann es nicht laufen, wenn der Nachwuchs ohne Komplikationen zur Welt kommt und uns am Morgen überrascht. Seit Tagen haben wir mit der Geburt gerechnet und Sipiwe bereits von der Herde abgetrennt, um ihr Raum und Ruhe zu geben. Das Jungtier macht nach Aussage des Zootierarztes, der heute Morgen die Jungtierprophylaxe durchgeführt hat, einen gesunden und kräftigen Eindruck, es trinkt regelmäßig und wird von Sipiwe vorbildlich umsorgt“, erklärt Kurator Ruben Holland in einer Mitteilung des Zoologischen Gartens.
Für Sipiwe ist es bereits das zweite Jungtier seit ihrer Ankunft aus Aalborg im Jahr 2022. Vater des kleinen Langbeins ist der sieben Jahre alte Bulle Matyas. In den kommenden Tagen bleiben Mutter und Jungtier zunächst getrennt von der Herde, behalten jedoch Sichtkontakt zu den anderen Tieren. So soll sich die Bindung zwischen beiden festigen, bevor die schrittweise Wiedereingliederung in die Gruppe erfolgt.
Die Besucher haben Glück und können sowohl die Herde als auch Sipiwe mit ihrem Baby im Giraffenstall beobachten. Rothschildgiraffen (Giraffa camelopardalis rothschildi) stammen ursprünglich aus den Savannen Ostafrikas, insbesondere aus Uganda und Kenia. Die Unterart zählt zu den am stärksten bedrohten Giraffenformen der Welt. Zwar haben sich die Bestände durch intensive Schutzmaßnahmen zuletzt stabilisiert, dennoch bleibt ihr Vorkommen auf wenige Schutzgebiete beschränkt. In freier Wildbahn erreichen Rothschildgiraffen meist ein Alter von rund 20 bis 25 Jahren, während sie in zoologischen Einrichtungen häufig mehr als 30 Jahre alt werden.
In Kamalas Höhle fiept es
Weiter östlich, in den Höhen des Himalayas, sind die Roten Pandas beheimatet. In Leipzig bewohnen Kamala und Asa ein entsprechend nachgestaltetes Gehege, unmittelbar neben der Tropenhalle Gondwanaland. Schon lange hofften Zoo und Besucher auf Nachwuchs bei den flauschigen kleinen Bären, die wissenschaftlich gesehen gar keine Bären sind.
Der Rote Panda (Ailurus fulgens) nimmt im Tierreich eine Sonderstellung ein. Obwohl er äußerlich Merkmale verschiedener Raubtiergruppen vereint, gehört er weder zu den Bären noch zu den Katzen. Über Jahrzehnte war seine systematische Einordnung Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen, da Forscher Verwandtschaften zu Waschbären, Mardern und Bären vermuteten. Erst moderne genetische Analysen brachten Klarheit: Der Rote Panda ist der letzte heute lebende Vertreter der eigenständigen Familie der Ailuridae. Damit bildet er eine einzigartige Linie innerhalb der Raubtiere.
Anfang des Monats brachte Mama Kamala Junge zur Welt. Auf den Familienzuwachs wurden die Tierpfleger zunächst durch leises Fiepen aufmerksam, das aus einer geschützten Felsenspalte drang. Die junge Mutter hatte diesen Rückzugsort als Kinderstube ausgewählt. Inzwischen gelang den Pflegern ein erster kurzer Blick auf die Nachkommen, bei denen es sich vermutlich um zwei Jungtiere handelt. Kamala, die erstmals Nachwuchs aufzieht, kümmert sich nach Angaben des Zoos vorbildlich um ihre Jungen.
Für Besucher wird es allerdings noch einige Zeit dauern, bis die jungen Roten Pandas erstmals auf der Außenanlage zu sehen sein werden. Rote Pandas stammen neben den Bergwäldern des Himalaya auch aus weiteren Gebirgsregionen in Nepal, Indien, Bhutan, Myanmar und China. Sie leben überwiegend einzelgängerisch und verbringen einen Großteil ihres Lebens in Bäumen, wo sie geschickt klettern und ruhen. Die Tiere ernähren sich vor allem von Bambus, Früchten, Beeren, Wurzeln, Eiern und gelegentlich Insekten.
Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Roten Panda als stark gefährdet ein. Hauptursachen für den Rückgang der Bestände sind die Zerstörung und Zerschneidung seines Lebensraums sowie Wilderei. In freier Wildbahn erreichen Rote Pandas meist ein Alter von acht bis zehn Jahren, während sie in zoologischen Einrichtungen häufig 15 Jahre oder älter werden.

Der Zoo Leipzig hat täglich geöffnet. Aktuell gelten die Sommeröffnungszeiten von 9 bis 19 Uhr. Tageskarten kosten in der Sommersaison für Erwachsene 25 Euro, für Kinder von sechs bis 16 Jahren 17 Euro, Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt. Die Einrichtung ist bequem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Die Straßenbahnlinie 12 hält direkt vor dem Haupteingang. Online gekaufte Tagestickets berechtigen zudem innerhalb Leipzigs zur An- und Abreise mit dem ÖPNV. Ein Parkhaus für Autos und Fahrräder befindet sich direkt gegenüber vom Haupteingang. Einen Besuch planen Sie am besten ONLINE.
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